Klima-Risiko-Index Wetterextreme treffen vor allem arme Länder

Extreme Wetterereignisse stürzen weltweit immer wieder ganze Regionen ins Verderben. Tausende Tote und Milliardenschäden sind die Folgen. Meist trifft es die Ärmsten der Armen.

In Lima findet zwei Wochen lang die Weltklimakonferenz statt. Quelle: AP

Ob Hitzewellen, Dürren, Stürme oder Überschwemmungen - die Entwicklungsländer sind meist die Hauptleidtragenden von Wetterkatastrophen. Von 1994 bis 2013 waren Honduras, Myanmar und Haiti die am stärksten betroffenen Staaten, wie aus dem jüngsten Klima-Risiko-Index hervorgeht, den die Umweltschutzorganisation Germanwatch am Dienstag am Rande der UN-Klimakonferenz in Lima vorstellte.

Das Gesamtausmaß der Katastrophen ist enorm: Weltweit starben in diesem Zeitraum mehr als 530.000 Menschen in direkter Folge von über 15.000 extremen Wetterereignissen.

Minus 50 Grad in den USA, plus 50 Grad in Brasilien
Die beißende Kälte im mittleren Westen macht den Amerikanern arg zu schaffen. Da muss sogar der härteste „Captain“ das Gesicht verzerren. Laut CNN waren in den USA rund 20 Bundesstaaten von einer starken Kältewelle betroffen. In North Dakota und andere Teile des mittleren Westens hatte der Nationale Wetterdienst für Sonntag Temperaturen von minus 30 Grad vorausgesagt, die gefühlte Temperatur könnte bei starken Windböen sogar auf minus 50 Grad sinken. Bis in den südlichen Bundesstaat Alabama sollte die arktische Kaltfront die Temperaturen deutlich unter den Gefrierpunkt drücken. Quelle: AP
Die Rekordkälte beeinträchtigt das öffentliche Leben in den USA immens. Reisende müssen an Flughäfen ausharren, da Lande- und Startbahnen sowie die Tragflächen der Flugzeuge nicht von Eis und Schnee befreit werden können. Seit Beginn des Schneetreibens am Donnerstag waren laut dem Flugportal Flightaware.com mehr als 7000 Flüge gestrichen worden. Im besonders betroffenen Bundesstaat Minnesota bleiben zudem sämtliche Schulen am Montag geschlossen. Gouverneur Mark Dayton erklärte, die Kinder sollten „vor den gefährlich kalten Temperaturen geschützt werden“. Quelle: AP
Doch nicht alle können vor den Schneestürmen in beheizten Unterkünften flüchten. Am härtesten trifft es die Obdachlosen. Für sie geht es derzeit um das nackte Überleben. Quelle: AP
Die Jacken und der Schal dürften nicht genügend Wärme geben. Die Menschen auf der Straße sind derzeit auf die Nächstenliebe ihrer Mitmenschen angewiesen. Nach Angaben der Wetterdienste könnte die Temperatur am Montag in Minnesota auf minus 54 Grad Celsius sinken. In anderen Teilen der USA könnte die Temperatur „gefühlte minus 48 Grad“ erreichen. Bis Dienstag könnten insgesamt bis zu 70 Kälterekorde gebrochen werden, berichtete der „Weather Channel“ am Sonntag auf seiner Internetseite. Quelle: dpa
Während der Sturm in einigen Teilen der USA bereits abflaut, peitscht er in Scituate das Wasser weiter auf. Quelle: AP
Der Kälteeinbruch hat in den USA bereits mehr als ein Dutzend Menschen das Leben gekostet. Der Schneesturm „Hercules“ mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 105 Stundenkilometern hatte den Nordosten bereits am Freitag teilweise lahmgelegt. An der Ostküste fielen stellenweise bis zu 62 Zentimeter Neuschnee. Quelle: AP
Auch in New York fiel massenweise Schnee. Räumdienste arbeiteten rund um die Uhr. Am Times Square versammelten sich die Menschen, um Schneeengel zu zeichnen und Schneeballschlachten auszutragen. Mit den winterlichen Unannehmlichkeiten versuchen die New Yorker bestmöglich umzugehen. Das Foto zeigt einen Mann, der in der Mega-City mit Skiern zu Arbeit fährt. Quelle: AP
Pendler konnten sich hingegen nicht so einfach auf die Ski schwingen. Sie waren auf Züge und Flüge angewiesen – und die kamen verspätet, wenn sie überhaupt kamen. Während des winterlichen Treibens mussten 4200 Flüge gestrichen werden. Mancher versuchte mit dem Auto von A nach B zu kommen, was sich als sehr schlechte Idee erwiesen hatte. Allein im Bundesstaat New York wurden 600 Verkehrsunfälle registriert. Quelle: AP
Ein ganz anderes Bild bietet sich den Menschen derzeit in Brasilien an. Wie hier am Ipanema Strand in Rio de Janeiro ächzt Brasilien derzeit unter einer ungeheuren Hitzewelle. Temperaturen jenseits der 40 Grad waren keine Seltenheit. In einem Einkaufszentrum löste die sengende Hitze sogar die Feuerlöschanlage aus. Im eleganten Stadtteil Leblon im Süden der brasilianischen Metropole wurden die Besucher eines Shopping-Centers deshalb am Freitag unerwartet von den Sprinklern erfrischt, wie das Nachrichtenportal „G1“ unter Berufung auf die Geschäftsführung des Centers berichtete. Quelle: dpa Picture-Alliance
Da ist eine kühle Dusche am Ipanema-Strand in Rio de Janeiro schon angenehmer. Die von der Feuchtigkeit abhängige gefühlte Temperatur sei am Freitag und Samstag auf 50 Grad gestiegen, erklärte eine Chefmeteorologin der Wettervorsage der Zeitung „Jornal do Brasil“. In den beiden Flughäfen Rios klagten zahlreiche Reisende, weil die Kühlanlagen nicht richtig funktionierten und nur eine knappe Absenkung der Außentemperatur um wenige Grad erreichten. Quelle: dpa Picture-Alliance
Auch in Europa spielt das Wetter verrückt. Statt an Winter erinnern die Temperaturen eher an Frühling. Manchem Baum entspringen bereits jetzt schon die Knospen. Die Winterskigebiete kämpfen mit allen möglichen Mittel gegen die Schneearmut. Quelle: dpa Picture-Alliance
Doch die Situation ist fast hoffnungslos. Der Schnee, den die Schneekanonen auf die Pisten geschossen haben, reicht kaum aus – schon gar nicht um Winterfeeling aufkommen zu lassen. Da lässt selbst der Sepp seine Wurstbude lieber geschlossen. Quelle: dpa Picture-Alliance
Wie trostlos die Skigebiete aussehen, zeigt dieses Foto. Die weiße Masse im Hintergrund kann man nur schwer als Schnee bezeichnen. Vielmehr ist es eine mit Chemikalien versetzte „Schneeschlammmasse“. Da geht manch einer lieber Wandern als Skifahren. Quelle: dpa Picture-Alliance
Für die Veranstalter sportlicher Winterwettkämpfe bereitet die Schneearmut in Deutschland große Probleme. Nur unter größten Anstrengungen gelang es den Organisatoren des Biathlon-Wettkampfes in Oberhof, genügend Schnee in das Stadion zu karren. Ansehnlich war es dennoch nicht, denn der dem Schnee beigemischte Stickstoff gibt der eigentlich weißen Masse eine leicht orangene Tönung. Quelle: dpa Picture-Alliance
Im Gegensatz zu Oberhof verzichteten die Ausrichter des Schlittenhunderennens in Hasselfelde gleich komplett auf den Schnee. Anstatt Schlitten zogen die hetzenden Huskys deswegen kleine Wagen hinter sich her. Quelle: dpa Picture-Alliance
Für Jogger und Radfahrer ist das Wetter derzeit hingegen ideal. Wie hier an der Rheinpromenade in Köln genießen viele Radler und Läufer die zweitstelligen Temperaturen. Quelle: dpa Picture-Alliance
Doch nur weil die Temperaturen milde sind, ist es das Wetter noch lange nicht. In der Nacht von Freitag auf Samstag zogen schwere Gewitter über das Land. Besonders heftig wütete es in Essen. Dort schlug ein Blitz in den 74 Meter hohen Kirchturm der Pfarrkirche St. Hubertus und Raphael im Stadtteil Bergerhausen ein und setzte ihn in Brand. Quelle: dpa Picture-Alliance
Frühlingshafte Temperaturen herrschen auch in England, doch idyllisch ist es auch dort nicht. Für viel Wirbel sorgen starke Stürme an der britischen Südwestküste. In Wales müssen sich die Einwohner auf tagelanges Hochwasser einstellen. Neue Stürme und Regen seien auf dem Weg, sagte der Wetterdienst am Sonntag voraus. Quelle: dpa Picture-Alliance
Da die Erde mit Wasser vollgesogen sei, könne der Regen nicht ablaufen. Hochwasserwarnungen galten weiter vor allem für den Südwesten Englands sowie Teile von Wales und Schottland. Dort steht das Wasser mancherorts seit Tagen auf Straßen und Feldern. Quelle: dpa Picture-Alliance
Die Kleinstadt Aberystwyth hat das Gröbste schon hinter sich. Nun müssen die Schäden, die die aufpeitschende See verursacht hat, wieder behoben werden. Quelle: dpa Picture-Alliance

„Diese Ergebnisse zeigen die besondere Verwundbarkeit der armen Länder gegenüber klimatischen Risiken, trotz der Tatsache, dass die absoluten monetären Schäden in den reicheren Ländern wesentlich höher sind“, heißt es in der Studie, die auf Daten der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft und des Internationalen Währungsfonds (IWF) beruht. Der Index könne zwar nicht linear in die Zukunft projizieren, sei aber ein Warnsignal für die Länder, sagte der Autor der Germanwatch-Studie, Sönke Kreft, in Lima.

Die von 1994 bis 2013 entstandenen wirtschaftlichen Verluste bezifferte Germanwatch auf mehr als 2,2 Billionen US-Dollar - in Kaufkraftparitäten gerechnet, also unter Berücksichtigung unterschiedliche Kaufkraftsituationen. Allein 2013 beliefen sich die Schäden auf 131,5 Milliarden US-Dollar, allerdings auf der Basis der Originaltauschkurse zum Dollar gerechnet. In Kaufkauftpartitäten kalkuliert läge dieser Wert höher.

Im Jahr 2013 standen die Philippinen, Kambodscha und Indien oben auf der Liste der betroffenen Länder. Auf den Philippinen verursachte der Taifun Haiyan 2013 enorme Schäden, was die Spitzenposition des westpazifischen Landes im diesjährigen Index erklärt.

Kambodscha wurde am schlimmsten von schweren Überschwemmungen im August 2013 betroffen. Auch Pakistan (Platz 6) wurde dieses Jahr wieder von einer verheerenden Klimakatastrophe und im Sommer 2013 von Hitzewellen und Überschwemmungen hart getroffen.

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„Es ist klar, dass die bisherigen Opfer weiter die Opfer bleiben, und die Verhandlungen sind noch nicht weit vorangekommen“, sagte der philippinische Delegierte Heherson Alvarez bei der Vorstellung des KRI. Der Klimawandel sei ein globales Thema. „Das ist kein chinesischen, amerikanisches oder europäischen Dilemma - das ist ein Dilemma der menschlichen Spezies.“

Germanwatch wies darauf hin, dass die betroffenen Staaten zu den ärmeren Entwicklungsländern gehörten und somit am wenigsten verantwortlich seien für den Klimawandel. Die bis 12. Dezember laufende UN-Klimakonferenz in Lima sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg, um Fortschritte für eine internationale Antwort auf den Klimawandel zu finden. Lima sei der letzte „Stopp“ vor der internationalen Konferenz in Paris Ende 2015, wo ein Weltklimaabkommen verabschiedet werden soll.

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