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Klimagipfel in Paris Forderungen an die Wirtschaft

Ohne Donald Trump beraten Politiker und Unternehmer, wie der Klimaschutz nun vorangebracht werden kann. Gastgeber für den Gipfel ist Emmanuel Macron – und der französische Präsident handelt nicht ganz uneigennützig.

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Der französische Präsident versprach, er werde die französischen Hilfen zur Anpassung an den Klimawandel für Länder der südlichen Hemisphäre erhöhen. Quelle: Reuters

Paris Dem Kampf gegen die Klimaerwärmung neuen Schwung verleihen: Mit diesem Ziel sind am Dienstag in Paris mehr als 50 Spitzenpolitiker sowie Unternehmer, Vermögensverwalter und Energie-Experten zusammengekommen. Es wurde erwartet, dass Teilnehmer milliardenschwere Projekte ankündigen, die den Ausstoß klimaverändernder Abgase reduzieren und arme Länder unterstützen sollen. Nicht eingeladen war US-Präsident Donald Trump, der das Pariser Klimaschutzabkommen verlassen will.

Demonstranten kamen im Schatten des Panthéon in Paris zusammen und forderten ein Ende aller Investitionen in die Förderung von Öl und Gas sowie in den Bergbau. Damit unterschieden sie sich kaum von den Einschätzungen der Politiker, die den Gipfel eröffneten. Sie führten an, das weltweite Finanzsystem wandele sich nicht schnell genug von den Kohlenstoffemissionen hin zu Energie- und Wirtschaftsprojekten, die den Klimawandel nicht verschärften.

Die Finanzzusagen müssten rascher vor Ort einen Wandel herbeiführen, erklärte der Ministerpräsident von Fidschi, Frank Bainimarama, dessen Inselstaat stark vom Anstieg der Meeresspiegel bedroht ist. „Wir sitzen alle im selben Kanu“, erklärte er. Dies gelte für reiche Länder genauso wie für arme. Der japanische Außenminister Taro Kono beschrieb die Investitionen des Landes in Technologie zur Beobachtung von Klimaveränderungen und in die Energiegewinnung aus Wasserstoff. Er räumte aber ein: „Wir müssen mehr tun und besser werden.“

Der ehemalige US-Außenminister John Kerry versicherte den Zuhörern, die Amerikaner wollten sich weiter im Kampf gegen den Klimawandel engagieren. Viele Amerikaner stünden hinter dem Pariser Abkommen von 2015, das Trump aufgeben will. Kerry verwies darauf, dass 38 Einzelstaaten Gesetze zur Nutzung erneuerbarer Energien verabschiedet hätten und 90 US-Großstädte das Abkommen unterstützten. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire sagte, Kerrys Anwesenheit bei dem Gipfel verdeutliche, dass ein Teil der Vereinigten Staaten den Planeten und das Klima schützen wolle.

Bundeskanzlerin Angela Merkel flog nicht zu dem Gipfel in Paris. Das kritisierte die klimapolitische Sprecherin der Grünen, Annalena Baerbock. Sie sagte dem Deutschlandfunk, der französische Präsident Emmanuel Macron habe Merkel in der Rolle als Cheflobbyist für den Klimaschutz in Europa offenbar überholt. Das sei kein gutes Zeichen. Deutschland habe mit seinen stagnierenden Emissionswerten in den vergangenen zehn Jahren an Glaubwürdigkeit bei dem Thema verloren.

Macron sagte der Zeitung „Le Monde“ vor Beginn des Treffens, eine französische Führungsrolle in Klimafragen werde dem Land helfen, neue Investoren anzuziehen. Macron versprach, er werde die französischen Hilfen zur Anpassung an den Klimawandel für Länder der südlichen Hemisphäre erhöhen. Sie sollten ab 2020 jährlich 1,5 Milliarden Euro betragen. Er bestätigte außerdem, dass Frankreich sein ältestes Atomkraftwerk in Fessenheim nahe der deutschen Grenze schließen wird. Das soll bis zum Ende von Macrons Amtszeit 2022 geschehen.

Das Treffen findet zwei Jahre nach Abschluss des Weltklimaabkommens in Paris statt, das von 170 Ländern verabschiedet wurde. Gastgeber waren neben dem französischen Präsidenten Macron die Vereinten Nationen und die Weltbank.

Eine Gruppe von 225 Investmentfonds kündigte an, Druck auf Unternehmen auszuüben, damit diese ihre Treibhausgasemissionen reduzieren. The Climate Action 100+ verwaltet zusammen ein Vermögen von 26 Billionen Dollar (22 Billionen Euro) und will sich auf die 100 Unternehmen mit dem höchsten Treibhausemissionen weltweit konzentrieren.

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