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Klimagipfel Nach dem Klimagipfel ist vor dem Klimagipfel

Die Klimakonferenz von Madrid ist Geschichte, weiter geht es 2020 in Glasgow. Quelle: dpa

Diese Weltklimakonferenz in Madrid war eine leichte Übung – verglichen mit dem, was 2020 beim der Klimakonferenz COP26 in Glasgow ansteht.

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Mindestens drei Aufgaben hat jeder Mammut-Klimagipfel der Vereinten Nationen, zu dem jedes Jahr mehr als 20.000 Regierungsleute, Umwelt- und Entwicklungsgruppen, Industrievertreter und Journalisten anreisen. Die 25. Weltklimakonferenz in Madrid geht nun zu Ende, sie hat ihre drei Aufgaben wohl erfüllt:

Durch die jährlichen Treffen wird erstens Druck aufgebaut, dass jede Regierung dauerhaft und messbar zum Klimaschutz beiträgt. Hoffentlich.

Zweitens ist das Mammuttreffen für Nichtregierungsleute und Industrievertreter ein hervorragendes Podium, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen und Gleichgesinnte aufzutreiben.

Die Verhandlungen selbst sollen drittens praktische Hilfe und vergleichbare Maßstäbe für alle schaffen. Dieses Jahr in Madrid ging es einmal mehr darum, wie ärmere Länder für Verluste und Schäden durch den Klimawandel entschädigt werden können. Vor allem aber ging es darum, wie sich das Klima mit Mitteln des Marktes schützen lässt. Der Grundgedanke ist, Emissionen dort zu mindern, wo es am günstigsten ist. Der Klimawandel kennt ja schließlich auch keine Grenzen. Also könnten Industrieländer Solarparks am Äquator finanzieren oder die Aufforstung des Regenwaldes. Problematisch aber bleibt, wie diese Erfolge verbucht werden. Geht die Einsparung an CO2 an den Finanzier oder das Land, wo der Erfolg stattfindet? Oder an beide ein bisschen? Schlechtestenfalls könnte immer noch rauskommen, dass sich alle Seiten rechnerisch mit dieser Art von Klimaschutz schmücken, tatsächlich für die Atmosphäre aber wenig gewonnen ist.

Doch eigentlich wird es erst 2020 wieder richtig wichtig auf einer Uno-Klimakonferenz. Dann geht es um das vierte und eigentlich wichtigste Anliegen jeder dieser Uno-Konferenzen: Tatsächlich den Klimawandel drastisch abzubremsen. Leider gerät das bei all der Konferenzgeschäftigkeit immer wieder aus dem Blick. Dass 2019 nur so eine Zwischenetappe mit mäßigem Ertrag war, zeigt sich schon daran, wie wenige Staats- und Regierungschefs anreisten. Die deutsche Regierung vertrat allein Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Ende 2020 dürfte das in Glasgow anders sein.

In Schottland soll es genau fünf Jahre nach der Festlegung des Pariser Klimagipfels im Jahr 2015 darum gehen, wie die Versprechen der einzelnen Staaten nachgebessert werden müssen oder auch, ob sie überhaupt annähernd eingehalten wurden. Hier steht Deutschland wie manche andere etwas unglaubwürdig da. Einiges versprochen, aber wenig eingehalten. Die Regierung hat ihre selbst gesetzten Ziele etwa im Rahmen der EU für 2020 bereits gerissen.

Nächstes Jahr soll wieder Tacheles geredet werden bei der UN-Klimakonferenz: Was einzelne nun tatsächlich tun müssen, um das Ziel einzuhalten: die Erde nicht mehr als zwei Grad wärmer werden zu lassen als zu Beginn der Industrialisierung. Besser noch für die meisten Weltregionen seien 1,5 Grad als Grenze, hatten die Delegierten in Paris beschlossen. Davon ist die Staatengemeinschaft weit entfernt. Zumal große CO2-Verursacher nicht liefern: Die USA wollen unter Präsident Donald Trump aus den Klimavereinbarungen aussteigen, Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro schert ebenfalls aus und das bevölkerungsreiche Indien setzt immer noch stark auf fossile Brennstoffe.

Deshalb wird viel an den Europäern hängen. Ende 2020 in Schottland soll es darum gehen, die Minderungszusagen der rund 190 Staaten zu erhöhen. Notwendig sind sowohl höhere Zusagen , aber vor allem auch messbare Schritte, um die Erdtemperatur nicht um drei oder gar vier Grad klettern zu lassen. Ebenfalls spannend wird, was China liefert.

Noch weiß niemand, ob der European Green Deal, mit dem die EU-Kommission die europäische Wirtschaft völlig umkrempeln will, in diese Richtung genug zu bewegen vermag. Wichtig wäre aber, dass Europa einen ehrgeizigeren und schlüssigen Plan hat, die eigenen Ziele zu erreichen. Denn daran muss sich Klimapolitik am Ende messen lassen: Was hinten rauskommt. Dieses Jahr war eher bescheiden. Man kann sagen: ohne Ehrgeiz. Die Chefin des UN-Klimasekretariates, Patricia Espinoza, hat das bei der Madrider Konferenz auch eingeräumt: „Wir haben keinen Punkt auf der Tagesordnung, der Ambition heißt.“

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