Klimagipfel Wirtschaftsverbände gegen neue Klimaschutz-Pflichten in der EU

Den Anbietern „sauberer Technologien“ eröffnet der Weltklimavertrag neue Absatzmärkte. Andere Branchen wittern dagegen vor allem neue Verpflichtungen und schrumpfende Gewinne

Reaktionen auf das Weltklimaabkommen
Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Paris wird auf immer mit diesem historischen Wendepunkt in der globalen Klimapolitik verbunden sein.“ Quelle: AP
Frankreichs Präsident François Hollande: „In Paris hat es schon viele Revolutionen im Laufe der Jahrhunderte gegeben. Heute wurde die schönste und friedlichste Revolution erreicht“. Quelle: AP
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon: „Was einst undenkbar schien, ist jetzt nicht mehr aufzuhalten(...)Die Geschichte wird sich dieses Tages erinnern(...)Das Pariser Abkommen gegen den Klimawandel ist ein monumentaler Erfolg für den Planeten und seine Menschen(...)Die Welt beginnt morgen“. Quelle: REUTERS
US-Präsident Barack Obama: „Ich glaube, dieser Moment kann ein Wendepunkt für die Welt sein. Wir haben gezeigt, dass die Welt den Willen und die Fähigkeit hat, sich dieser Herausforderung zu stellen.“ Quelle: REUTERS
Südafrikas Umweltministerin Edna Molewa: Der Pakt „kann der Wendepunkt zu einer besseren und sichereren Welt“ sein. Doch die Industrieländer müssten ihre Emissionen weiter reduzieren und ärmeren Staaten helfen, mit den Folgen der Erderwärmung zurechtzukommen. Quelle: REUTERS
Papst Franziskus zum Weltklimavertrag: "Seine Umsetzung erfordert ein gemeinsames Engagement und einen großzügige Einsatz jedes einzelnen. Die internationale Gemeinschaft ermahne ich, den eingeschlagenen Weg der tatkräftigen Solidarität fortzusetzen“ Quelle: dpa
Nicaraguas Unterhändler Paul Oquist: Der Pakt gehe nicht weit genug und führe zu einem zweimal höheren Anstieg der Temperaturen als vereinbart, kritisiert Oquist. Opfer der Klimaerwärmung hätten zudem keine Klagemöglichkeiten, um Entschädigung einzufordern. Quelle: AP

Europäische Wirtschaftsverbände wehren sich nach der Einigung von Paris gegen neue Klimaschutz-Verpflichtungen. „Beim Mindern von CO2 müssen die Länder außerhalb Europas aufholen. Das Abkommen bietet keine Grundlage für Deutschland und die EU, die Ziele und Maßnahmen zum Klimaschutz noch weiter zu verschärfen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Utz Tillmann, nachdem in Paris am Samstagabend ein Weltklimavertrag beschlossen worden war.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sieht für seine Mitgliedsunternehmen zwar neue Absatzchancen. Denn das Abkommen hält nun auch Entwicklungsländer und Nationen wie China, Indien, Mexiko oder Brasilien dazu an, in energieeffiziente, emissionsarme Anlagen zu investieren. Das Abkommen beinhalte aber „Unsicherheiten“, die rasch ausgeräumt werden müssten, warnte der Verband am Sonntag. Die Unterschiede zwischen verschiedenen Regionen, die beim Klimaschutz noch nicht das gleiche Tempo vorlegten, dürften nicht noch größer werden.

Der europäische Arbeitgeberverband Business Europe erklärte: „Wenn andere Regionen ihren Ehrgeiz nicht in dem gleichen Maße steigern, wie es die EU bereits getan hat, wird es nicht ausreichen, um die Herausforderung durch den Klimawandel zu bewältigen.“ Sollte die EU auf ihrem Weg weiter alleine voranschreiten, wäre die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen in Gefahr.

Die internationale Vereinigung „We Mean Business“, der mehr als 500 Manager, Konzernchefs und Investoren angehören, sieht in dem Abkommen einen „Funken“, der nötig war, um den Wandel hin zu einer „globalen sauberen Wirtschaft“ zu schaffen. Der britische Unternehmer Richard Branson erklärte: „Die Unternehmen stehen bereit, damit dies Wirklichkeit wird.“

Viele Energiekonzerne, die in den Bereichen Kohle, Öl und Gas tätig sind, beobachten den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern, der in Paris jetzt zumindest langfristig vereinbart wurde, dagegen mit Sorge.

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