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Klimakonferenz 100 Staaten wollen Entwaldung stoppen

UN-Generalsekretär Antonio Guterres appellierte eindringlich an die Staaten der Welt, mehr für den Klimaschutz zu tun. Quelle: dpa

Jede Minute wird Wald zerstört, so groß wie 27 Fußballfelder. Das schadet dem Klimaschutz, weil Bäume CO2 aufnehmen. Eine globale Allianz von Staaten will nun der Entwaldung einen Riegel vorschieben. Doch es gibt Zweifel.

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Mehr als 100 Staaten haben auf der Weltklimakonferenz in Glasgow einen Pakt geschlossen, um spätestens bis 2030 die Zerstörung von Wäldern und anderen wertvollen Ökosystemen zu stoppen. Die beteiligten Länder verfügen über 85 Prozent der weltweiten Waldfläche, also etwa 34 Millionen Quadratkilometer, wie die britische COP26-Präsidentschaft bekanntgab. Premierminister Boris Johnson nannte Wälder „Kathedralen der Natur“, die unverzichtbar für das Überleben der Menschheit seien. Ebenfalls besiegelt wurde am Dienstag ein Pakt von mehr als 100 Staaten, um den Ausstoß von klimaschädlichem Methan zu reduzieren.

Bei der COP26, die am 12. November enden soll, ringen rund 200 Staaten darum, wie das in Paris beschlossene Ziel, die Erderhitzung auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen, noch erreicht und konkret umgesetzt werden kann. Die bisher vorgelegten Pläne der Staaten reichen dazu noch bei weitem nicht aus.

Pakt zum Schutz der Wälder

An den Pakt zum Schutz der Wälder angeschlossen haben sich Deutschland und die gesamte EU, aber vor allem auch die Staaten mit den größten Wäldern überhaupt - also Kanada, Russland, Brasilien, Kolumbien, Indonesien sowie China, Norwegen und die Demokratische Republik Kongo. Für das Vorhaben sollen bis 2025 etwa 12 Milliarden US-Dollar (rund 10,3 Milliarden Euro) an öffentlichen Geldern mobilisiert werden. Hinzu kommen 7,2 Milliarden US-Dollar an privaten Investitionen.

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    Wälder gelten als die Lunge der Erde, sie nehmen etwa ein Drittel der jährlich vom Menschen ausgestoßenen CO2-Emissionen auf. Doch sie schrumpfen bedenklich, wie es in einer Mitteilung hieß: Jede Minute gehe eine Fläche von etwa 27 Fußballfeldern verloren.

    Experten kommentierten die Pläne teilweise mit Skepsis. Eine ähnliche Erklärung aus dem Jahr 2014 habe sich als vollkommen wirkungslos erwiesen, sagte etwa der Klima- und Waldexperte Simon Lewis vom University College London der BBC. Silvia Holten von World Vision sprach von einer „halb garen Mogelpackung“.

    Ausstoß von Methan

    Die schon im September von den USA und der EU ins Leben gerufene Initiative hat zum Ziel, Methanemissionen bis 2030 um mindestens 30 Prozent im Vergleich zu 2020 zu senken. Wenn sie erfolgreich umgesetzt wird, könnte die Klimaerwärmung bis 2050 der EU-Kommission zufolge um rund 0,2 Grad reduziert werden. „Den Ausstoß von Methan zu reduzieren, ist eines der effizientesten Dinge, die wir tun können“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die den Pakt gemeinsam mit US-Präsident Joe Biden vorstellte.

    Methan ist das zweitschädlichste Treibhausgas und verantwortlich für Klimaerwärmung und Luftverschmutzung. Biden sprach von einem „wegweisenden Engagement“. Er sagte, das 30-Prozent-Ziel könne wahrscheinlich sogar übertroffen werden. Biden präsentierte zugleich einen Aktionsplan zur Methan-Reduzierung in den USA. Damit soll unter anderem der Ausstoß von Öl- und Gasbohrlöchern, Pipelines und Mülldeponien reduziert werden. Das Problem bei dem neuen Pakt: Große Klimasünder wie Indien, China und Russland sind nicht dabei.

    Deutschland für weniger „diplomatischen Ballast“

    Der deutsche Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth drang am dritten Tag der Weltklimakonferenz auf eine Lösung im Streit um die Detail-Regeln für das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015. Er bezeichnete die bislang nicht ausformulierten Passagen zur Kooperation der Staaten beim Klimaschutz als „größte Bremse“ bei den Verhandlungen. „Das ist diplomatischer Ballast, das muss weg“, sagte Flasbarth. Konkret gehe es darum, Regeln festzulegen, wie Staaten sich etwa die Reduktion von Treibhausgasen anrechnen lassen dürfen, die ein anderer Staat übernimmt. Flasbarth betonte, dass es eine Zusammenarbeit nur „ohne Beschiss“ geben könne. Staaten dürften sich Emissionen, die nur einmal vermieden werden, nicht doppelt anrechnen.

    Hilfe für Südafrika

    Deutschland will 700 Millionen Euro investieren, um den Ausstieg aus der Kohleverstromung in Südafrika zu unterstützen. Das teilten Bundesumwelt- und Bundesentwicklungsministerium in Glasgow mit. Die Mittel sind Teil einer neuen Energiepartnerschaft mit Südafrika, der sich auch Großbritannien, die USA, Frankreich und die EU angeschlossen haben. Insgesamt sind in den kommenden fünf Jahren 8,5 Milliarden US-Dollar an Unterstützung vorgesehen, zumeist Kredite.

    Aktivisten kritisieren Organisatoren der COP26

    Die britische Regierung als Ausrichter des Weltklimagipfels ist von den Umweltschützern des Climate Action Networks (CAN) zum „Fossil des Tages“ gekürt worden - unter anderem wegen Organisationsmängeln bei dem Mammuttreffen mit 28 000 Teilnehmern. Die versprochene inklusive Einbindung aller Interessen und Aktivisten zeige sich derzeit vor allem darin, was die Briten am besten könnten - „in der Kunst des Schlangestehens“, erklärten sie ironisch. An den ersten beiden Tagen hatten sich lange Schlangen gebildet.

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    CAN rügte zudem, dass Vertretern der Zivilgesellschaft, die weit angereist seien, gesagt werde, es gebe keinen Platz in den Veranstaltungen und sie sollten online zuschauen. „Da hätten wir gleich zu Hause bleiben können - obwohl: Dann hätten wir das Wetter verpasst“, bilanzierten sie mit Blick auf den trüben schottischen Herbst.

    Mehr zum Thema: Egal, welche Entscheidungen auf dem Klimagipfel fallen. Klar ist: Deutschland braucht bald enorme Mengen grüne Energie. Ohne massenhafte Energieimporte wird das nicht gehen. Aber welche Länder werden die Energielieferanten der Zukunft sein? Und was kostet das?

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