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Klimaschutz Fünf Gründe, wieso die Klimakonferenz ein Erfolg werden könnte

Ab morgen verhandeln 195 Staaten in Paris über Schritte gegen die Erderwärmung. Nach etlichen gescheiterten Versuchen, gibt es diesmal Grund zu Optimismus.

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So soll das deutsche Klimaziel erreicht werden
Energieeffizienz25 bis 30 Millionen Tonnen an Kohlendioxid (CO2) sollen durch mehr Energieeffizienz eingespart werden. Für diesen größten Einzelposten im Aktionsprogramm legte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) den „Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz“ (NAPE) vor. Ein Kernpunkt ist mehr Effizienz durch Gebäudesanierung, um den Verbrauch für Heizung und Warmwasser zu senken. Hier sollen mit Hilfe steuerlicher Anreize pro Jahr drei bis vier Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Quelle: dpa
StromerzeugungDie Regierung nimmt auch den Energiesektor in die Pflicht. Zwischen 2016 und 2020 sollen die Unternehmen zusätzlich 22 Millionen Tonnen CO2 einsparen – wie, bleibt ihnen selbst überlassen. Im Aktionsprogramm wird zudem das Ziel bekräftigt, den Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch bis 2025 auf mindestens 40 Prozent und bis 2050 auf 80 Prozent zu steigern. Die Kraft-Wärme-Kopplung soll ausgebaut werden. Quelle: dpa
Verkehr IDer Verkehrssektor soll ein Minus von sieben bis zehn Millionen Tonnen CO2-Ausstoß beitragen. Den größten Anteil soll nach Angaben aus Regierungskreisen die Ausweitung der künftig nach Energieverbrauch gestaffelten Lkw-Maut auf Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen und ab 2018 auf alle Bundesstraßen bringen. Außerdem soll die Hybridtechnik bei Nutzfahrzeugen gefördert und der Schienengüterverkehr durch Beseitigung von Netzengpässen gestärkt werden. Regionalisierungsmittel für öffentliche Verkehrsmittel sollen erhöht und an Fahrgastzahlen sowie Emissionssenkung gekoppelt werden. Autofahrer sollen Gutscheine für Sprit-Spar-Trainings erhalten. Quelle: dpa
Verkehr IIAußerdem hält die Regierung an dem Ziel fest, den Marktanteil von Elektrofahrzeugen bis 2020 auf deutlich über eine Million Fahrzeuge zu erhöhen. Um das zu erreichen, ist im gewerblichen Bereich beispielsweise für Fuhrparks und Paketdienste die steuerliche Abschreibung vorgesehen. Bislang werden jährlich nur einige tausend E-Autos zugelassen. Quelle: dpa
Industrie, Gewerbe, AbfallwirtschaftAbfallvermeidung soll knapp zwei Millionen Tonnen CO2-Minderung bringen. Geplant ist ein neues Wertstoffgesetz statt der geltenden Verpackungsverordnung. In Kühlanlagen sollen besonders klimaschädliche Gase durch Verordnungen verdrängt werden. Das Äquivalent von mindestens minus zwei Millionen Tonnen CO2 soll die Minderung des Methanausstoßes von Deponien bringen, vor allem durch bessere Belüftung. Quelle: dpa
LandwirtschaftHier sollen 3,6 Millionen Tonnen eingespart werden. Strengere Regeln für den Einsatz von Düngemitteln sollen die Emissionen von Stickoxiden mindern – auch durch gasdichte Lagerung und bessere Ausbringungstechniken. Der Flächenanteil von Öko-Landbau soll erhöht, Grünland-Umbruch soll eingeschränkt und Moore sollen renaturiert werden. Quelle: dpa
Weitere MaßnahmenDaneben setzt das Umweltministerium auf neue Programme zur Förderung energiesparenden Verhaltens von Bürgern und Unternehmen und auf die Vorbildfunktion des öffentlichen Sektors. Auch Programme aus dem Bereich Forschung und Entwicklung sollen zur CO2-Minderung beitragen. Quelle: dpa

Dort in Le Bourget nördlich von Paris, wo sonst die weltgrößte Luftfahrtmesse stattfindet, kommen ab Montag tausende Menschen aus aller Welt zusammen. Die Vertreter von 195 Staaten treffen sich unter der Regie der Vereinten Nationen, um Schritte gegen die Erderwärmung auszuhandeln.

In Zeiten des Terrors sind die Sicherheitsanforderungen für die Abgesandten, Umweltgruppen, Wirtschaftsvertreter und Medienleute enorm. Dennoch ist Optimismus angebracht. Nach etlichen gescheiterten Versuchen der Staaten, den Klimawandel zu bremsen, könnte es dieses Mal Fortschritte geben.

Auch wenn nicht ganz in Sicht ist, dass die Staaten ihr Ziel erreichen, den Temperaturanstieg im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Doch statt rund vier Grad plus, die Wissenschaftler für ein "weiter so" vorhersagen, könnte der Anstieg auf rund 2,7 Grad begrenzt werden, sagen die Verhandler.

Fünf Gründe, warum es tatsächlich gelingen könnte, dass weltweit weniger Öl und Kohle verbraucht werden. Dass umweltschonender geheizt und gewohnt wird und dass auch der Verkehr klimafreundlicher wird.

1. Die USA und China machen mit

Beide Länder sind zusammen als Verursacher für fast die Hälfte der klimaschädlichen Gase weltweit verantwortlich. Doch bei früheren Verhandlungen galten die Regierungen beider Staaten eher als Bremser. In den USA galt der Kongress meist als unüberwindbares Hindernis weil dort Skeptiker des Klimawandels stark sind und Mehrheiten für ein entsprechendes nationales Gesetz nicht absehbar waren.

China sah sich in seiner wirtschaftlichen Entwicklung gebremst, die bisher stark auf Energie aus Kohle und Öl setzte. Die Regierungen beider Länder haben sich nun aber bereits zu einem geringeren Ausstoß an Kohlendioxid, dem wichtigsten klimaschädlichen Gas, über die Jahre bereit erklärt. Ein Abkommen von Paris könnte diesmal so verfasst sein, dass Präsident Barack Obama den Kongress nicht bräuchte. Die US-Regierung könnte eine internationale Verpflichtung eingehen und umsetzen, aber keinen Vertrag, der vom Kongress ratifiziert werden müsste.

Chinas Regierung muss etwas gegen Luftverschmutzung und andere Umweltschäden unternehmen und sieht sich inzwischen außerdem als Förderer erneuerbarer Energie.

Aus diesen Gründen schwitzt die Erde

2. Die Technik hat Riesenfortschritte gemacht

Wenn es darum ging, umweltfreundlichere Energie zu nutzen und die Industrie sauberer zu machen, fühlten sich Entwicklungsländer früher regelmäßig von den Industrieländern bevormundet: Ihr wollt uns an der Entwicklung (und der Verschmutzung der Umwelt) hindern, die ihr selbst schon hinter euch habt, so lautete die Kritik. Der Umbau auf grünere Arten der Produktion war schlicht unerschwinglich in vielen Weltregionen. In den Industrieländern wurden erneuerbare Energien mit hohen Subventionen unterstützt.

Nun sind aber Sonnenkollektoren, Windräder und andere Technologien viel effizienter geworden, durch hohe Stückzahlen sind die Preise gesunken. Für Länder, die zum Beispiel ihre Energieversorgung erst ausbauen, sind erneuerbare Energien eine Option geworden.

Weicher Vertrag statt harte Regeln

3. Viele Unternehmen sehen im Umbau Chancen

Ähnlich wie viele Regierungen, sahen Unternehmen früher einen Ausstieg aus der Nutzung von Öl oder Kohle als Bremse – ihrer Produktion oder ihrer Geschäftsaussichten. Inzwischen ist es nicht nur besser fürs Image, auf bestimmte Arten der Produktion zu verzichten. Immer öfter scheint es auch wirtschaftlich Sinn zu ergeben. Der Chef der britischen Notenbank, Mark Carney, warnte: Wenn Unternehmen nicht gegensteuerten, bedrohe der Klimawandel sogar ganze Firmen und große Investments.

Auch in der Finanzbranche ist die Botschaft angekommen. Nach der französischen Versicherungsgruppe Axa kündigte jüngst die Allianz als weltgrößter Versicherer an, nicht mehr in Unternehmen zu investieren, die mit Kohle zu tun haben.

4. Gute Diplomatie hilft

Bei allen internationalen Verhandlungen gibt es Länder, die sich eher als Gewinner und andere, die sich eher als Verlierer sehen. Viele Entwicklungsländer dürften nur mitmachen, wenn sie beim Umbau und der Entwicklung ihrer Wirtschaft unterstützt werden. Dafür haben sich die reicheren Länder bereit erklärt. Sie wollen einen Klimafonds einrichten, der in einigen Jahren rund 100 Milliarden Dollar schwer sein und für klimafreundliche Investitionen angezapft werden soll.

Kleinere Inselstaaten, die womöglich ganz im Meer versinken, wenn Eiskappen an den Polen schmelzen und der Meeresspiegel steigt, wollen ebenfalls handfeste Unterstützung. Eine Art Klimaversicherung für Ärmere soll geschaffen werden. Auch die erdölproduzierenden Länder und andere wollen Entgegenkommen, wenn ihre Einkommensquelle im Laufe des Jahrhunderts versiegt. Daran haben die Unterhändler dieses Mal gedacht und versprochen, dass jeder sich irgendwie als Gewinner der Entwicklung sehen darf. Diese Konflikte sind aber noch mit der heikelste Punkt.

Umwelt



5. Ein weicher Vertrag könnte besser funktionieren als harte Regeln

Beim ersten weltweiten Klimaabkommen von Kyoto aus dem Jahr 1997 waren die Regeln noch klar und fix. Doch einige Länder machten nicht mit, andere scherten im Laufe der Zeit aus.
Nun wird es, sollte die Klimakonferenz in Paris ein Erfolg werden, weichere Bedingungen geben. Vieles baut auf Selbstverpflichtungen der Regierungen auf.

Die Idee: Niemand soll sich unter Druck fühlen, aber sehr wohl öffentlich konfrontiert werden, wenn die eigenen Ziele nicht erreicht werden. Dafür sollen regelmäßig die Ergebnisse der Länder berichtet und international verglichen werden.

Die Hoffnung: Es soll ein Wettbewerb entstehen, in dem ein einzelnes Land nicht als Schlusslicht dastehen möchte und stattdessen ambitioniert ist, möglichst immer wieder einen Tick mehr zu tun als die anderen.

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