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Klimawandel Wenig Ehrgeiz bei den Klimazielen

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Grafik: CO2-Emissionen Deutschland und USA

USA: Das Land der unbegrenzten Emissionen will sich vom Klimasünder zum Retter der Atmosphäre mausern. Diese Metamorphose will aber so recht nicht gelingen: Dem mächtigsten Mann der Welt sind die Hände gebunden, seine Klimaziele haben bisher nicht den Segen des Kongresses. Barack Obama möchte den CO2-Ausstoß bis 2020 um 17 Prozent unter das Niveau von 2005 – nicht 1990! – drücken. Dieses Ziel hatte das Repräsentantenhaus im Sommer in einem ersten Klimaschutzgesetz beschlossen. Noch fehlt allerdings die Zustimmung der zweiten Parlamentskammer, des Senats.

Das ist zwar mehr als nichts – aber auch nicht viel mehr. Denn die Reduktion von 17 Prozent gegenüber 2005 entspricht nach den Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) auf das Basisjahr 1990 gerechnet einer Verringerung der Emissionen von lediglich einem Prozent. Während Europa seinen CO2-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent – eventuell 30 Prozent – und Deutschland um 40 Prozent senken will, bewegen sich die Vereinigten Staaten zurück zur Ausgangslage 1990. „Als Ziel ist das zu wenig“, sagt Eric Heymann, Analyst von Deutsche Bank Research. Aber immerhin setzen die Amerikaner ein gutes Zeichen – und das ist nicht zu unterschätzen für die weiteren Verhandlungen.

China geht es um Kohlenstoff-Intensität

China: Kurz nachdem die USA sich geäußert hatten, legte die Volksrepublik ebenfalls konkrete Ziele vor. Die Nummer eins unter den Klimasündern setzt sich bis 2020 die Zielmarke von 40 bis 45 Prozent, verglichen mit 2005. „Das klingt ambitioniert, ist aber keine Garantie dafür, dass die Emissionen tatsächlich sinken“, sagt Ottmar Edenhofer, Chefökonom am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Den Chinesen geht es nämlich nicht um Reduktionsziele, sondern um die Kohlenstoff-Intensität. Der CO2-Ausstoß soll im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung verringert werden – gemessen pro Einheit des Bruttoinlandsprodukts –, nicht aber in absoluten Zahlen. Die aufstrebende Wirtschaftsmacht will ihr Wachstum nicht durch Klimaziele ausbremsen, verursacht dabei mittelfristig steigende Emissionen.

Grafik: Klimaschädiger

Die Werkbank der Welt produziert neben Computern, Handys und Kameras eben auch sehr viel CO2. Für diesen Emissionsdreck fühlen sich die Chinesen nicht allein verantwortlich und fordern einen fairen Deal mit den Importeuren ihrer Güter. Der Staatsrat pocht auf die UN-Klimarahmenkonvention, wonach die Unterzeichner „gemeinsame, aber differenzierte Verantwortlichkeiten“ für das Weltklima tragen. Dafür will sich Premier Wen Jiabao in Kopenhagen einsetzen.

Russland: Der weltweit drittgrößte Emittent von Treibhausgasen, bislang nicht gerade als Umweltengel bekannt, gibt sich großzügig. Er will das Klimaziel der EU übernehmen und bietet an, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent zu reduzieren – und zwar ebenfalls im Vergleich zum Basisjahr 1990. Abhängig von den Zusagen der anderen Staaten, ist Russland im Extremfall sogar zu einem Abbau um 25 Prozent bereit. Im Juni noch hatte Präsident Dmitri Medwedew lediglich ein Ziel von 10 bis 15 Prozent genannt.

Mit diesem neuen Angebot haben die Russen ihre europäischen Nachbarn im ersten Augenblick geradezu verzückt. Bis denen auffiel: Das wäre für Russland keine Leistung – im Gegenteil. Nach dem Zusammenbruch der Schwerindustrie im letzten Jahrzehnt emittiert das Land bereits heute über 30 Prozent weniger Treibhausgase als 1990. „20 Prozent kann nur ein erstes Angebot sein“, sagt Regine Günther, Klimaexpertin beim Umweltverband WWF. „Sonst könnte Russland de facto mehr ausstoßen.“

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