WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Klimawandel Wenig Ehrgeiz bei den Klimazielen

Seite 3/3

Grafik: Sünder und Geläuterte beim Treibhausgas

Indien: Nach China signalisiert nun auch Indien erste Zugeständnisse. Das Schwellenland, das rechtlich bindende Klimaziele bisher abgelehnt hat, erklärt nun grundsätzlich Bereitschaft, „ehrgeizige globale Ziele für die Senkung von Emissionen oder die Begrenzung des Temperaturanstiegs“ mitzutragen. So weit, so unkonkret. Immerhin machte Premier Manmohan Singh den Vorschlag, dass der indische CO2-Ausstoß pro Kopf in Zukunft nie den der Industriestaaten übersteigen werde.

Angesichts der aktuellen Zahlen mag das lächerlich erscheinen – schließlich stößt Indien pro Kopf nur zwei Tonnen Treibhausgase aus, in Deutschland sind es dagegen zwölf, in den USA 25 Tonnen. Aber die Idee ist interessant: Je schneller der reiche Westen seine Emissionen senkt, desto früher wird Indien an diese Grenze stoßen. Damit ist es im nationalen Interesse, einen klimaschonenden Wachstumspfad einzuschlagen – und dabei den eigenen, prosperierenden Markt der Umwelttechnologien zu fördern.

Japan sorgt für Überraschung

Japan: Für die größte Überraschung sorgte die neue Regierung in Tokio. Der japanische Premier Yukio Hatoyama will die Emissionen bis 2020 um 25 Prozent unter das Niveau von 1990 drücken. Die Vorgängerregierung hatte lediglich acht Prozent Reduktion angepeilt. Selbst das wäre schwierig, denn Japan läuft seinen Klimazielen hinterher. In Kyoto hatte sich das Inselreich verpflichtet, die Klimagase bis 2012 um sechs Prozent zu senken. Stattdessen ist der Ausstoß um acht Prozent gestiegen. Und das, obwohl japanische Behörden strenge Vorgaben für die Energieeffizienz von Haushalts- und Elektrogeräten machen – vom Kühlschrank bis zur beheizten Klobrille.

Deutschland: Einsamer Vorreiter in Sachen Klimaschutz ist und bleibt die Bundesrepublik. So konnte Deutschland sein Kyoto-Ziel, die Emissionen bis 2012 um 21 Prozent zu reduzieren, bereits im vergangenen Jahr erreichen. Grund dafür sind allerdings weniger die zahlreichen Solardächer und Windräder. „Der Erfolg geht zum größten Teil auf das Konto der Wiedervereinigung“, sagt Claudia Kemfert, Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Deutschland sei mit seinem hohen Anteil an Kohlestrom für knapp ein Viertel der europäischen Emissionen verantwortlich und damit der größte Verschmutzer der EU. Unterm Strich ist die Klimabilanz deshalb nur „Mittelmaß“ – so eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC).

Damit will sich einer nicht abfinden: Umweltminister Norbert Röttgen sieht den Klimaschutz nicht als Kostenfaktor, sondern als Motor für Investitionen und Wettbewerb. Der Christdemokrat hält sich nicht lange mit schönen Worten über die Schöpfung auf, sondern schwört die deutsche Industrie auf den Wettlauf um die Leitmärkte von morgen ein. Die CO2-Schleudern können sich auf einiges gefasst machen: Kopenhagen, so Röttgen, stehe nicht nur für Klimaschutz – sondern sei in seinen Augen „die bedeutendste Wirtschaftskonferenz unserer Zeit“.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%