Kommentar Der Yuan gewinnt, der Euro verliert

Konsequent macht sich China daran, seine Währung Yuan zur globalen Leitwährung aufzubauen. So wird nicht nur der Dollar vom Thron gestürzt, sondern auch der Niedergang des Euro beschleunigt.

Fabers düstere Prognose für China
Marc Faber Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche
Rio de Janeiro Quelle: dapd
Kupfermine in Chile Quelle: IVAN ALVARADO
Taipeh 101 Quelle: dpa/dpaweb
Casino in Macau Quelle: REUTERS
Louis Vuitton in Shanghai Quelle: AP
Transformator Quelle: REUTERS

Revolutionen kommen meistens schleichend. Das gilt auch für die Wirtschaft. Während Europa und Amerika durch die Euro-Krise und die ausufernden Staatsschulden mit sich selbst beschäftigt sind, bahnt sich in Fernost einer der wohl folgenreichsten Umbrüche in der Weltwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg an. Konsequent und gleichsam einem Masterplan folgend macht sich China daran, seine Währung Yuan zur globalen Leitwährung aufzubauen und den Dollar vom Thron zu stürzen.

Kluger Deal

Den jüngsten Coup auf dem Weg dorthin landeten die Chinesen Anfang vergangener Woche. China und Südkorea wollen in Zukunft ihren bilateralen Warenhandel verstärkt in Yuan und Won abwickeln. Um den Devisenbedarf der Unternehmen zu decken, vereinbarten die Zentralbanken in Peking und Seoul einen Währungstausch von umgerechnet 45 Milliarden Euro. Bisher hatten Peking und Seoul den bilateralen Warenhandel in Dollar abgerechnet. Durch den Umstieg auf Yuan beziehungsweise Won senken sie die Kosten für den Währungsumtausch und verringern ihre Wechselkursrisiken. Ähnliche Abkommen hatte Peking zuvor schon mit Japan, Brasilien, Russland, Indien und Südafrika geschlossen. Weitere Deals werden folgen.

Zwar dürfte es noch ein weiter Weg sein, bis der Yuan dem Dollar den Rang abläuft. Gerade mal ein Prozent der weltweiten Devisenmarktgeschäfte werden derzeit in Yuan abgewickelt. Der Dollar kommt auf mehr als 80 Prozent. Doch die Bedeutung des Yuan wächst, weil Peking sich nicht darauf beschränkt, seine Währung im Warenhandel zu etablieren. Immer mehr westliche Unternehmen emittieren auf Yuan lautende Anleihen, um ihre Investitionen in China zu finanzieren. Die Internationalisierung des Yuan auf den Finanzmärkten beschleunigt seine Verwendung als Reservewährung durch andere Notenbanken.

Euro verliert

Für die Weltwirtschaft ist der Aufstieg des Yuan ein Gewinn. Wird er voll konvertibel – Experten rechnen damit für 2015 –, bietet er Investoren eine willkommene Alternative zu Dollar und Euro. Denn das Vertrauen in beide Währungen schwindet in dem Maße, wie die Zentralbanken in Washington und Frankfurt die Märkte mit frisch gedrucktem Geld überschwemmen. Gläubiger fürchten zu Recht, später mit wertlosem Inflationsgeld ausbezahlt zu werden. Peking könnte daher ein Zeichen setzen und seine Währung durch reale Werte decken.

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Ein Einlöseversprechen in Gold oder andere Edelmetalle, wie es für den Dollar im Bretton-Woods-System bis 1973 galt, würde einen massiven Vertrauensschub für den Yuan auslösen.

Begleitet von politischen Reformen läutete China damit das Ende des unseligen Papiergeldstandards ein und beförderte den Yuan rasch zur Leitwährung Nummer eins. Auf der Verliererseite stünde vor allem der Euro. Er würde als Alternative zum Dollar nicht mehr benötigt – und internationale Großanleger kehrten Europa den Rücke

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