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Kommentar Trumps Handelskrieg ist zum Scheitern verurteilt

Trump hat Recht, wenn er auf einen einfacheren Marktzugang mit China pocht. Das Problem ist nur, dass er mit einem Handelskrieg genau das Gegenteil erreicht.

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Strafzölle: Trumps Handelskrieg ist zum Scheitern verurteilt Quelle: dpa

Berlin Ist Donald Trump vielleicht doch der größte „Dealmaker“ aller Zeiten? Erst drohte der US-Präsident dem Rest der Welt mit Strafzöllen auf Stahl- und Aluminium. Die EU bettelte daraufhin in Washington um eine Ausnahme, bekam zunächst aber nur eine Feuerpause im aufziehenden Handelskrieg.

Einen Preis, so viel ist sicher, werden die Europäer dem Pokerspieler im Weißen Haus zahlen müssen. Entweder in Form von reduzierten Einfuhrzölle auf US-Autos oder durch den Eintritt in eine Koalition der Willigen gegen China oder beides. Trump scheint alle Karten in der Hand zu halten.

Dass der Amerikaner am gleichen Tag, da er die EU vorerst mit Strafen verschonte, gegen das Reich der Mitte Handelssanktionen in Höhe von 50 Milliarden Dollar pro Jahr verhängte, ist sicher kein Zufall. China ist das eigentliche Ziel seines Handelskrieges. Da können ihm die Europäer nützliche Gehilfen sein. Zumal sie seinen Unmut über die unfairen Handelspraktiken Pekings weitgehend teilen.

Trumps Feldzug, in den die EU inklusive Deutschlands jetzt mit hineingezogen wird, ist dennoch zum Scheitern verurteilt: Der US-Präsident hat weder ein erreichbares Kriegsziel definiert, noch hat er eine Exit-Strategie, um aus dem Konflikt wieder herauszukommen. Zwar hat Trump erklärt, China müsse seinen Handelsüberschuss mit den USA von mehr als 370 Milliarden Dollar in einem ersten Schritt um mindestens 100 Milliarden Dollar verringern. Dahinter steht die ökonomisch unsinnige Annahme des Politunternehmers, dass Handelsdefizite „Verluste“ für Amerika und Überschüsse ein Zeichen dafür sind, dass die USA im internationalen Handel „gewinnen“.

Trump wird das Einmaleins des Außenhandels auf die harte Tour lernen, wenn Firmen und Verbraucher in den USA über höhere Kosten für all jene Importe aus China klagen, die der US-Präsident mit Strafzöllen belegen will. Hinzu kommen die wirtschaftlichen Lasten vor allem für die amerikanischen Farmer, die von den bereits angekündigten Vergeltungsmaßnahmen der Chinesen am stärksten betroffen sind.

Handelskriege sind nicht leicht zu gewinnen, wie Trump vollmundig angekündigt hat. Sie gleichen eher dem militärischen Irak-Abenteuer von 2003, aus dem Amerika auch nach 15 Jahren noch immer nicht herausgefunden hat.

Ob sich Europa wie aus dem Irak-Krieg auch aus dem drohenden Handelskrieg der USA mit China weitgehend heraushalten kann, ist mehr als zweifelhaft. Die EU ist gegenüber Trump in der Bringschuld, wenn sie aus dem „Waffenstillstand“ bei Stahl und Aluminium einen dauerhaften Frieden machen will.

China ist zudem nicht das unschuldige Opfer von Trumps Attacken. Auch europäische Firmen klagen seit langem über Technologieklau, hohe Marktschranken und von Peking subventionierte Übernahmen im Handel mit dem Reich der Mitte.

Dennoch müssen die Europäer den Konflikt deeskalieren, bevor der Handelskrieg wie in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts außer Kontrolle gerät und die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzt. Gelingen kann das nur durch ebenso mühsame wie hartnäckige Verhandlungen.

Um Handelskonflikte zu lösen, bedarf es Regeln. Für viele Bereiche, wie etwa Stahl- und Aluminium, gibt es diese bereits bei der Welthandelsorganisation WTO. Sie müssen nur angewandt werden. Auch und vor allem gegenüber China. Überhaupt muss Peking lernen, dass der internationale Handel keine Einbahnstraße, sondern ein Geschäft auf Gegenseitigkeit ist.

Trump hat ja Recht, wenn er auf Reziprozität beim Marktzugang mit China pocht. Das Dilemma ist jedoch, dass er mit einem Handelskrieg genau das Gegenteil erreicht und seinem Land und dem Rest der Welt einen Bärendienst erweist.

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