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Kommentar zum Fall Skripal Dank Putin hält der Westen wieder zusammen

Die Reaktion des Westens auf den Giftgasanschlag in London zeigt: Putins machtpolitisches Kalkül, spalte und herrsche, geht nicht auf.

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Berlin Wann gab es das zuletzt? Briten, Amerikaner und Kontinentaleuropäer ziehen an einem Strang. Wladimir Putin hat geschafft, was der über Brexit, Handelskriege und Europa zerstrittene Westen seit Jahren nicht mehr hinbekommen hat: Geschlossenheit in einer zentralen außenpolitischen Frage zu zeigen. Das machtpolitische Kalkül Putins, spalte und herrsche, geht nicht auf.

Es wäre verfrüht, die gemeinsame Reaktion Großbritanniens, Deutschlands, Frankreichs und der USA gegen Moskau bereits als eine Wiederauferstehung des Westens zu feiern. Dazu bedarf es mehr als nur Erklärungen.

Aber die Tatsache, dass sich die vier wichtigsten transatlantischen Mächte so schnell und entschlossen dem aggressiven Treiben Putins entgegenstellen, zeigt, dass der Westen eben doch noch nicht den Glauben an seine eigenen Werte verloren hat.

Putin hat seine Karten eindeutig überreizt. Zu lang ist die Liste seiner offenen und verdeckten Versuche, den Westen zu spalten. Seine Fingerabdrücke sind überall zu finden: Von der völkerrechtswidrigen Besetzung der Krim über die Einmischung in den US-Wahlkampf, die Finanzierung rechtsradikaler Parteien wie dem französischen Front National und die Cyberattacken auf Bundestag und Bundesregierung bis hin zu den jüngsten Giftgasanschlägen in Großbritannien.

Selbst der erklärte Putin-Freund Donald Trump muss nachgeben oder lässt sich vom US-Kongress mitziehen und verhängt neue Sanktionen gegen Moskau.

Putin lässt sich nach fast 19 Jahren an der Macht am Sonntag erneut zum russischen Präsidenten wählen. Innenpolitische Gegner wie Alexej Nawalny wurden entweder kaltgestellt oder, wie Boris Nemtsov, unter rätselhaften Umständen ermordet.

Dass die sichere Wiederwahl Putins dennoch im Westen weithin mit einem Achselzucken zur Kenntnis genommen wurde, ist ein Zeichen von politischer Gleichgültigkeit, die sich – siehe den Anschlag in Großbritannien – bitter rächen kann.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit ihrer Beistandserklärung für die Briten das richtige Signal nach Moskau gesandt. Es ist nun die Aufgabe des neuen Außenministers Heiko Maas, eine neue Balance zwischen der Eindämmung von Putins Machtproben und der weiterhin notwendigen Gesprächsbereitschaft Berlins gegenüber Moskau zu finden.

Den Vertrauensvorschuss, den Maas’ Vorgänger Sigmar Gabriel dem Kreml-Chef in der Ukraine einräumen wollte, hat der russische Präsident jedenfalls verspielt.

Die Aufgabe, das Verhältnis mit Russland neu auszutarieren, ist für den gesamten Westen zugleich eine Chance, wieder zueinander zu finden.

Die Briten spüren, wie sehr sie die Solidarität der Kontinentaleuropäer brauchen, wollen sie Putin nicht allein die Stirn bieten. Deutsche und Franzosen wissen, dass es ohne Großbritannien und die USA keine Sicherheit in Europa geben kann. Und vielleicht dämmert es langsam auch US-Präsident Trump, dass Europa trotz aller Streitereien Amerika näher steht als der Männerfreund im Kreml.

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