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Kommentar zum Korea-Gipfel Für Jubel ist es auf der koreanischen Halbinsel noch zu früh

Kim Jong Un präsentiert sich beim Korea-Gipfel als geschickter Taktierer. Doch erst beim Treffen mit Trump dürften seine wahren Absichten klar werden.

Korea-Gipfel: Für Jubel ist es noch zu früh Quelle: imago/Kyodo News

Nord- und Südkorea nähern sich mit großen Schritten einander an. Bei Gipfeltreffen in der entmilitarisierten Zone bei Panmunjom traf erstmals Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un mit Südkoreas Präsident Moon Jae In zusammen. Und Kim nutze das Treffen von Anfang an mit geschickten Schachzügen voll für sich aus.

Schon beim Handschlag genau an der Grenze der geteilten Länder wich Kim kurzerhand vom Protokoll ab und lud Moon ein, ihm auf die nordkoreanische Seite der Grenze zu folgen. Nach kurzem Zögern folgte Moon, begleitet von einem souverän in die Kameras lächelnden Kim.

Die Szene wurde live im Fernsehen übertragen. Hatte es vorher noch Spekulationen gegeben, Kim sei nur die choreografierten Formate der nordkoreanischen Fernsehpropaganda gewohnt und mit der Begleitung durch internationale Journalisten überfordert, konnte er vom Gegenteil überzeugen. Nie ließ er sich Unsicherheit anmerken, sondern setzte sich immer gekonnt in Szene.

Auch zum Abschluss des Treffens konnte Kim mit einem geschickten Vorgehen aufwarten. Erwartet worden waren Ankündigungen zu neuen Friedensgesprächen, zu gemeinsamen humanitären Projekten und zu Familienzusammenführungen. Doch Kim ließ sich sogar auf eine Erklärung ein, die die Schaffung einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel durch „die vollständige Denuklearisierung“ vorsieht.

So sehr die Bilder dazu geeignet sind, Hoffnung zu wecken: Für Jubel über Nordkoreas Kompromissbereitschaft ist es viel zu früh. Schon zu oft ist über eine nukleare Abrüstung gesprochen worden, ohne dass etwas passiert wäre. Die Atombomben sind die Lebensversicherung Kims und seines autoritären Regimes. Sie machen ihn weitgehend unangreifbar. Wieso sollte Nordkorea darauf verzichten?

Hingegen spricht alles dafür, dass Kim auf dem Besitz von Atomwaffen beharren wird. Alle Ankündigungen könnten jetzt Teil seiner Verhandlungstaktik sein. Der entscheidende Abschnitt seiner Offensive steht noch bevor: Das Treffen mit US-Präsident Donald Trump. Der lobte den Gipfel der beiden Koreas bereits auf Twitter. Trump schrieb jedoch auch davon, dass er die Zeit zeigen wird, was die langfristigen Folgen des Treffens sind.

Erst bei den Verhandlungen mit Trump dürfte Kim konkretere Forderungen stellen. Beispielweise könnte er die weitere Entwicklung seines Atomprogramms einfrieren, wenn dafür die USA die Sanktionen gegen das Land lockern. Südkorea, Japan und China lägen dann wohl weiterhin in Reichweite der nordkoreanischen Atomwaffen. Doch Donald Trump könnte es möglicherweise reichen, dass sich das US-amerikanische Territorium weitgehend außerhalb der Reichweite von Kims Langstreckenraketen befindet.

Ende Mai oder Anfang Juni könnte das Treffen der beiden Männer stattfinden. Und dessen Ausgang wird nachhaltige Auswirkungen auf den Weltfrieden haben – ob im positiven oder negativen Sinne.

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