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Konferenz in Glasgow Jetzt soll der Kapitalismus den Klimaschutz retten

Mark Carney, früherer Chef der Bank of England. Quelle: REUTERS

Der frühere Notenbankchef Großbritanniens, Mark Carney, führt eine Allianz aus Investoren und Finanzbranche. Die schlägt neue Regeln und Anreize vor, um die globale Wirtschaft ins post-fossile Zeitalter zu katapultieren.

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Bevor an diesem Sonntag die Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow startet, haben die Vereinten Nationen die Staaten gewarnt: Die bisher vorgestellten Pläne zur Verringerung von Treibhausgasen in der Atmosphäre reichen nicht aus, um die Ziele des Pariser Abkommens von 2015 zu erreichen. „Wir sind noch nicht einmal in der Nähe, wo die Wissenschaft sagt, dass wir sein sollten“, sagte die Chefin des Uno-Klimasekretariats, Patricia Espinosa.

In Paris hatten sich die Staaten erstmals weltweit verständigt, dass jede Regierung konkrete Pläne ausarbeiten und umsetzen müsse, um die Erderwärmung zu bremsen. Die Temperaturen sollen demnach nicht um mehr als zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit steigen, Ziel ist aber eigentlich, nur 1,5 Grad zuzulassen.  

In Glasgow wird sich nun zeigen, dass nicht alle Pläne den eigenen Versprechen genügen. Viele Pläne sind auch noch längst nicht umgesetzt oder gar in nächster Zeit realistisch.

Doch vor der auch COP26 genannten Uno-Klimakonferenz ist wieder Bewegung im Klimaschutz entstanden. Mehrere Länder haben neue Pläne vorgelegt. Der größte Emittent China will absehbar keine neuen Kohlekraftwerke mehr finanzieren oder im Ausland bauen. Nach US-Präsident Donald Trump, der aus dem Uno-Klimavertrag ausstieg, ist die amerikanische Regierung unter Joe Biden wieder dabei. Die Europäische Union will mit ihrem Green New Deal bis 2050 klimaneutral werden, also nicht mehr Treibhausgase auspusten als zugleich neutralisiert werden können.

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    Für diesen enormen Umbau der Volkswirtschaften wie auch für die Bewältigung der nicht mehr vermeidbaren Schäden durch die Klimaveränderung braucht es viel Geld – und die richtigen Anreize.

    Um hier Tempo zu machen, haben sich Vertreterinnen von Banken, Finanzbranche und Großinvestoren zusammengeschlossen. Mit dem ehemaligen Zentralbankchef von Großbritannien und jetzigen UN-Beauftragten Mark Carney machen sie Vorschläge, wie der Umbau möglichst effizient und rasch funktionieren könnte.



    Diese neue Allianz aus Wirtschaft und Weltrettung beginnt, den traditionellen Konflikt zwischen Umweltschützern und Big Business zu überwinden. Klimaschutz ist zum Maßstab für Investitionen geworden. Pensionsfonds stoßen ihre Anteile an Erzeugern fossiler Energie ab. Neue Indizes und Siegel für klimaschonendes Wirtschaften entstehen. Zentralbankerinnen stellen sich auf steigende Inflation durch höhere Energiepreise ein, womöglich auch auf wirtschaftliche Verwerfungen, wenn die Welt umsteuert.  

    In der Glasgow Financial Alliance for Net Zero (GFANZ) haben sich Vertreterinnen von Finanzinstituten zusammengefunden, die mehr als 90 Billionen Dollar an Assets vereinen. Carney forderte die Regierungen der großen Volkswirtschaften auf, schnell die politischen Rahmenbedingungen herzustellen. Dieses notwendige Umschwenken auf Klimaschutz wiederum werde das Finanzsystem weltweit verändern, werde Finanzströme umlenken und den Umbau in anderen Teilen der Welt befördern.

    Konkret verlangen die Finanzleute um Carney von den Regierungen, dass sie ein Jahresziel für ihre Länder setzen, wann diese klimaneutral wirtschaften müssen. Das Ziel müsse im Einklang mit dem 1,5-Grad-Ziel sein. Die Finanzaufsicht in den Ländern müsse den Übergang aktiv begleiten, fossile Brennstoffe müssten abgelöst werden, Subventionen für Öl, Kohle oder Gas müssten auslaufen. Am wichtigsten vielleicht: Jeder Ausstoß von Treibhausgas müsse einen Preis bekommen, damit sich der Umstieg rechne und verlässlich sei. Bis zum Jahr 2024 sollten private und öffentliche Unternehmen veröffentlichen, wann sie klimaneutral wirtschaften würden und wie sie auf diesem Weg Fortschritte veröffentlichen würden.

    Carney gab sich vor dem Start am Sonntag in Glasgow optimistisch, dass der Kapitalismus mithelfen kann, das Klima zu retten. „Mit GFANZ haben sich die Besten im globalen Finanzsystem dem Ziel der Klimaneutralität verschrieben. Allerdings können das die Finanzinstitute nicht alleine erreichen – von den Regierungen der G20 brauchen wir klare, glaubhafte und ehrgeizige Politik.“

    Mit Informationen von Reuters.

    Mehr zum Thema: Niemand kann von der Nutzung der Atmosphäre als CO2-Senke ausgeschlossen werden – den Schaden haben alle. Mit vier großen Zielen soll der Gipfel in Glasgow den Klimaschutz voranbringen. Doch die Vorzeichen sind schlecht.

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