Konferenz in Sibirien Düstere Aussichten für die russische Wirtschaft

Auf einer Konferenz im Altai-Gebirge sind sich russische Ökonomen in ihrem Pessimismus einig: Die Wirtschaft des Landes steckt mangels Reformen auf Jahre in Stagnation fest.

Mittlerweile stagnieren in Russland mehrere Wirtschaftszweige, die Konjunktur kommt - trotz Sotschi - nicht in den Gang. Quelle: AP

Im Schutz der Gipfel des Altai-Gebirges, weit weg von Moskau und versteckt im holzvertäfelten Konferenzraum eines Erholungsheims der staatlichen Eisenbahn: Das ist dieses Jahr der Ort, an dem Russlands führende Ökonomen Klartext reden. „In Moskau kannst du keine Konferenz mehr besuchen“, klagt einer der Gäste: „Sobald ein Minister im Saal sitzt, faseln alle dieselben Floskeln und reden die Lage schön.“ Auf dem Wirtschaftsforum Altai, den der liberale Politiker Wladimir Ryzhkow mit der Friedrich Naumann-Stiftung organisiert, sind sich die Redner indes einig – in ihrem Pessimismus ob der wirtschaftlichen Lage Russlands.


Um schwache 1,3 Prozent ist die russische Volkswirtschaft im vergangenen Jahr gewachsen. Dabei hatte die Regierung für den Zeitraum von 2008 bis 2013 ein Wachstum von mehr als sechs Prozent versprochen – bei einem angenommenen Ölpreis von 80 Dollar pro Barrel. Heute ist das Ölfass vom Ural sogar ein Drittel teurer als damals veranschlagt, doch Russlands Wirtschaft wuchs seither nicht einmal um mehr als vier Prozent. Konjunkturforscher Alexej Wedew meint: „Es ist an der Zeit zu hinterfragen, ob das russische Wirtschaftsmodell überhaupt funktioniert“, so der Direktor des Zentrums für Strukturforschungen am Moskauer Gaidar-Institut für Wirtschaftspolitik.

Zahlen und Fakten zu Russland

Der Ökonom prophezeit Russland bis 2030 ein stabiles Wachstum von knapp zwei Prozent im Durchschnitt – was für ein Schwellenland nichts anderes bedeutet als Stagnation.
Die Regierung unter Präsident Wladimir Putin glaubt weiterhin, man könne Wachstum über fiskal- und geldpolitische Stimuli schaffen. Dank des florierenden Öl- und Gasexports, der fast zwei Drittel der Staatseinnahmen darstellt, hat der Kreml hierfür auch das nötige Geld. So pumpt der Staat Milliarden in Mega-Projekte wie die Olympiade in Sotschi, die Zentralbank versorgt die Banken mit Liquidität und stützt den Rubel. Doch die deutlich schwächeren BIP-Zuwächse wertet Jewgenij Gawrilenko auch als Zeichen, dass „die Stimulierung des Wirtschaftswachstums in Russland nicht funktioniert“, so der Chefökonom des Investmenthauses Troika Dialog, das neuerdings zur staatlichen Sberbank gehört. Seit Monaten stagniert die Industrieproduktion, mittlerweile auch die Bauwirtschaft.

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