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Konflikt USA ziehen vorerst Soldaten aus Libyen ab

Die Gefechte in Libyen dauern an. Dutzende Menschen sind bereits ums Leben gekommen. Die USA und Indien ziehen erste Konsequenzen.

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Amerikanische Soldaten sind in Libyen im Einsatz, um im Kampf gegen Extremisten der Terrormiliz IS und Al-Kaida zu helfen. Quelle: AP

Bengasi Als Reaktion auf die jüngst ausgebrochenen Gefechte in Libyen ziehen die Vereinigten Staaten vorerst einen Teil ihrer dort stationierten Soldaten ab. Die Sicherheitslage im Land sei zunehmend kompliziert und unvorhersehbar, sagte der Chef des US-Afrika-Kommandos, Thomas Waldhauser, am Sonntag. Eine kleine Zahl amerikanischer Truppen ist in Libyen im Einsatz, um im Kampf gegen Extremisten der Terrormiliz IS und Al-Kaida zu helfen. Außerdem schützen die Soldaten diplomatische Einrichtungen.

Der abtrünnige General Chalifa Haftar startete am Donnerstag überraschend eine Offensive auf Tripolis, die das Land möglicherweise zurück in den Bürgerkrieg treiben könnte. Haftar will die libysche Hauptstadt einnehmen und die militärische Kontrolle über das gesamte Land übernehmen bevor von den Vereinten Nationen geförderte Gespräche über die Zukunft Libyens in der kommenden Woche beginnen sollen. Bei den Verhandlungen sollte ein Zeitplan für mögliche Neuwahlen gesteckt werden.

Seit dem Sturz des langjährigen Diktators Muammar al-Gaddafi 2011 ist das Land politisch gespalten. Rivalisierende Regierungen sitzen im Osten und Westen des Landes, beide werden von bewaffneten Gruppen gestützt. Trotz Haftars Offensive wollen die UN an der bevorstehenden Konferenz festhalten.

Für die USA sagte Waldhauser indes, auch mit einer Änderung der Truppenzahl werde man die bestehende Strategie weiterverfolgen. Eine konkrete Zahl dazu, wie viele Amerikaner abgezogen und wie viele weiter in Libyen bleiben, nannte er nicht. Online kursierende Videos zeigten zwei mutmaßliche Transportschiffe der US-Marine östlich von Tripolis beim Abfahren vor der Küste.

Auch Indien zog ein kleines Kontingent von Blauhelmen aus Tripolis ab. Als Begründung nannte Außenministerin Sushma Swaraj ebenfalls die Sicherheitslage, die sich durch in die Hauptstadt verlagerte Gefechte „plötzlich verschlechtert“ habe.

Der international anerkannte Ministerpräsident von Libyen, Fajis al-Sarradsch, beschuldigte Haftar, ihn „betrogen“ zu haben. Beide hätten ihre Hände Richtung Frieden ausgestreckt, „aber nach der Aggression durch Haftars Kräfte und seine Kriegserklärung gegen unsere Städte und unsere Hauptstadt ... werden wird ihm nichts anderes als Stärke und Entschlossenheit entgegensetzen“, sagte al-Sarradsch am Samstag.

Am Sonntag gingen indes die Gefechte am internationalen Flughafen von Tripolis weiter. Er liegt rund 24 Kilometer vom Zentrum der Hauptstadt entfernt und soll am Tag zuvor von Haftars Einheiten eingenommen worden sein.

Die Konfliktparteien meldeten den Tod von mindestens 35 Menschen seit Donnerstag, darunter auch Zivilisten. Das Gesundheitsministerium der in Tripolis sitzenden Regierung sprach von 21 Toten, ein Sprecher von Haftars Truppen gab bekannt, seit Beginn der Offensive seien 14 Kämpfer ums Leben gekommen.

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