Konjunktur: Britischer Finanzminister: Wachstumsprognose für 2024 mehr als halbiert
Der britische Finanzminister Jeremy Hunt will die Steuern senken.
Foto: dpaDie britische Wirtschaft wird nach den Worten von Finanzminister Jeremy Hunt in den kommenden Jahren deutlich langsamer wachsen als bislang angenommen. 2024 werde das Bruttoinlandsprodukt nur um 0,7 Prozent zulegen statt der bislang vorhergesagten 1,8 Prozent, sagte Hunt am Mittwoch im Parlament. Der Haushaltswächter (Office for Budget Responsibility, OBR) erwartet zudem für 2025 ein Plus von 1,4 Prozent und für 2026 von 1,9 Prozent. Im März waren noch 2,5 bzw. 2,1 Prozent erwartet worden.
Die britische Wirtschaft wurde im laufenden Jahr durch die höchste Inflationsrate aller großen Industrieländer belastet, die die Kaufkraft der Verbraucher schmälert. Zwar hat sich die Teuerungsrate mehr als halbiert – von gut elf Prozent vor etwas mehr als einem Jahr auf 4,6 Prozent im Oktober. Die Bank of England strebt allerdings einen deutlich niedrigeren Wert von zwei Prozent an, weshalb sie ihren Leitzins in 14 Schritten auf 5,25 Prozent angehoben hat. Das macht Kredite – etwa für Investitionen – deutlich teurer. Den neuen OBR-Prognosen zufolge dürfte die Inflationsrate im kommenden Jahr mit 2,8 Prozent immer noch deutlich über der angestrebten Marke verharren.
Premierminister Rishi Sunak versprach diese Woche „verantwortungsvolle“ Steuersenkungen, um der Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Seine Vorgängerin Liz Truss wollte im vergangenen Jahr größere Steuersenkungen durchsetzen, was zu Turbulenzen auf den Finanzmärkten und ihrem vorzeitigen Abgang führte.
Medienberichten zufolge plant Hunt niedrigere Sozialversicherungsbeiträge für Arbeitnehmer und eine dauerhafte Ausweitung der Anreize für Unternehmensinvestitionen. Sunak dürfte im kommenden Jahr Neuwahlen ausrufen. Meinungsumfragen deuten allerdings darauf hin, dass die oppositionelle Labour Party auf dem besten Weg ist, den Urnengang zu gewinnen.