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Konjunktur Druck auf Chinas Exportwirtschaft wächst

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Einzelhandelsumsatz und Inflationsrate (Zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken) Quelle: National Bureau of Statistics of China

Gleichwohl ist es für eine Entwarnung noch zu früh. Denn die Erzeugerpreise machen Sorgen: Sie kletterten im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat um zehn Prozent – der höchste Anstieg seit 1996. Yu Yongding, Direktor des chinesischen Weltwirtschaftsinstituts in Peking, warnt denn auch davor, dass die Inflation außer Kontrolle geraten könnten. „Besorgniserregend sind nicht so sehr die Preissteigerungen an sich“, sagt er, „sondern dass sich die Erwartung steigender Preise im öffentlichen Bewusstsein festsetzt.“ Dadurch könnte eine Lohn-Preis-Spirale in Gang kommen, bei der die Arbeitnehmer immer höhere Löhne verlangen, um den Kaufkraftschwund auszugleichen, und die Firmen die gestiegenen Kosten dann wieder an die Verbraucher weiterreichen.

Zahl der Beschäftigten in Chinas Städten, in Millionen (Zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken) Quelle: National Bureau of Statistics of China

Geriete die Inflation außer Kontrolle, warnt Yu, würde dies nicht nur die Realeinkommen der Menschen schmälern und dadurch das Wachstum empfindlich bremsen. Sie würde auch die Ungleichheit im Land verschärfen und die soziale Stabilität gefährden. Von den Preissteigerungen sind die unteren Einkommensschichten am härtesten getroffen, da vor allem die Preise für Energie und Grundnahrungsmittel steigen, für die ein Großteil des Einkommens der Ärmeren draufgeht.

Aber nicht nur die Armen trifft die Inflation. In China ist es, ebenso wie in den USA oder Großbritannien, zu einer Inflationierung von Vermögenswerten gekommen. Aus diesen Vermögenspreisblasen entweicht zum Teil schon die Luft. So krachte der chinesische Aktienmarkt seit Jahresbeginn um mehr als 50 Prozent nach unten. Auch das könnte den Konsum dämpfen, denn viele Chinesen haben Aktien gekauft, zum Teil als Altersvorsorge. Verlieren ihre Aktien an Wert, könnten viele auf größere Anschaffungen verzichten, um den Verlust zu kompensieren.

Inflationäre Tendenzen einerseits und Wachstumsabschwächung andererseits bringen Peking in die Bredouille. Denn um die Inflation unter Kontrolle zu bekommen, müsste eigentlich die Notenbank die Zinsen anheben und eine stärkere Aufwertung des Yuan zulassen, auch auf die Gefahr hin, das unter der internationalen Nachfrageschwäche leidende Wachstum weiter zu bremsen.

Ausländische Direktinvestitionen in China, Zufluss in Mrd. US-Dollar (Zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken) Quelle: EIU

Stattdessen hat die Notenbank Ende September die Kreditzinsen erstmals seit sechs Jahren wieder gesenkt. Offenbar schätzt die Führung das Risiko einer Konjunkturabschwächung inzwischen höher ein als das der Inflation.

Ausländischen Investoren rät Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, denn auch, „eine langfristige Perspektive zu wählen – und sich auf dieser langen Reise auf manchmal nicht unbedingt positive Überraschungen einzustellen“.

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