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Konjunktur in China Warum das schwächelnde Wachstum nicht der Untergang ist

Schon wieder eine schlechte Nachricht aus China: Die Wirtschaft schwächelt weiter. Trotzdem bleibt die zweitgrößte Ökonomie der Welt ein Land großer Chancen.

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Ein chinesischer Arbeiter Quelle: REUTERS

Mit 6,9 Prozent ist die chinesische Wirtschaft im dritten Quartal so gering gewachsen wie seit 2009 nicht mehr. Lange Zeit galten sieben Prozent als die magische Grenze, die das Land braucht, um die 200 Millionen Wanderarbeiter mit Jobs zu versorgen. Immerhin: Das Nationale Statistikbüro hatte sogar nur 6,8 Prozent prophezeit.

Seit etwa einem halben Jahr häufen sich die schlechten Nachrichten aus China - und das obwohl die Welt in den letzten 20 Jahren immer nur Jubelmeldungen gewohnt war. Im Sommer bricht der vollkommen überhitzte Aktienmarkt zusammen. Kurz darauf wertet Peking den Yuan überraschend ab, um die eigene Export-Wirtschaft anzukurbeln. Auch andere Indikatoren verheißen nichts Gutes: Der Einkaufsmanager-Index notiert unterhalb von 50 Punkten, was auf Kontraktion hindeutet. Im September fällt der Außenhandel um 8,8 Prozent, die Importe sogar um 17,7.

Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

Die erfolgsverwöhnten deutschen Autohersteller und ihre chinesischen Joint-Venture-Partner, die Jahr zu Jahr zu neuen Absatzrekorden eilten, vermelden plötzlich rückläufige Verkaufszahlen. Andere ausländische Firmen schicken ihre Expats nach Hause, um Geld zu sparen.

Die Inflation, lange Jahre das Sorgenkind der chinesischen Wirtschaft, ist kein Thema mehr. Jetzt warnen Analysten vor einer Deflation. Die chinesische Nachfrageschwäche macht sich in den asiatischen Anrainer-Staaten bemerkbar.

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    Hinzu kommt eine weitere Unsicherheit: Niemand weiß, wie sehr man den Zahlen aus Peking trauen kann. Oft divergieren BIP-Wachstum und zum Beispiel Stromverbrauch - das lässt vermuten, dass die Regierung die Zahlen nach oben poliert. Auch die Tatsache, dass die Politiker in Peking mit ihren Prognosen fast immer eine Punktlandung hinlegen, deutet auf Manipulation hin. Pessimisten gehen davon aus, dass China tatsächlich nur vier bis fünf Prozent im Jahr wächst.

    Das sind die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

    Trotzdem ist Katastrophen-Geschrei nicht die richtige Reaktion auf das, was in China passiert. Um besser zu verstehen, was passiert, hilft ein Blick auf die großen Linien:

    • Im Jahr 1800 war das Kaiserreich China für rund ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung verantwortlich. Nach Bürger- und Weltkriegen, der kommunistischen Machtübernahme und der Kulturrevolution war dieser Anteil im Jahr 1970 auf unter vier Prozent gesunken. Dann begannen 1979 unter Deng Xiaoping erste zaghafte marktwirtschaftliche Reformen.
    • Innerhalb der letzten 30 Jahre ist China von einem Entwicklungsland zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt gewachsen. Die chinesischen Städte sind von weltvergessenen Molochen zu Weltmetropolen gewachsen. Shanghai und Peking haben ihre Einwohnerzahl mehr als verdoppelt. Vor 20 Jahren radelten Menschen in Mao-Anzügen zu veralteten Fabriken. Heute stauen sich Neuwagen (viele davon deutsche Marken) auf dem Weg zu Bürotürmen mit 40 Stockwerken.
    • Shenzhen war vor 30 Jahren ein unbekanntes Fischerdorf. Heute leben in der Stadt gegenüber von Hongkong elf Millionen Menschen aus ganz China. Shenzhen ist Chinas Hightech-Standort mit zahlreichen jungen Startups.

    Chinas Unternehmen haben gewaltige Schulden

    Dass dieser gigantische Aufholprozess nicht ewig im selben Tempo weitergehen kann, ist klar. Irgendwann sind alle Straßen, Bahnhöfe, Flughäfen und Regierungsgebäude gebaut. Wachstum muss dann aus anderen Sektoren kommen. Chinas große Hoffnung ist der Konsum. Das Land, das lange "die Fabrik der Welt" war, wird zum Absatzmarkt der Welt. Die Chinesen werden älter, und die Löhne sind in den letzten Jahren so stark gestiegen, dass China als Standort für Billigfabriken nicht mehr interessant ist.
    Die Niedriglohnland-Karawane ist längst in Länder wie Vietnam, Bangladesh oder Indien weitergezogen. Wenn heute deutsche Unternehmen in China investieren, dann tun sie dies, um in einem der größten Märkte der Welt präsent zu sein und flexibel auf Kundenanforderungen reagieren zu können.

    Dafür sprechen die neuen Zahlen: Der Binnenkonsum ist in den letzten zwölf Monaten um gut elf Prozent gestiegen. Die Chinesen geben mehr Geld für Restaurants und Kinokarten aus. Der Dienstleistungssektor macht jetzt 52 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Auch die Arbeitslosigkeit ist bisher nicht nennenswert gestiegen: Junge Leute vom Land, die früher in Fabriken malochten, werden heute Kellner, Friseure oder Paketauslieferer.

    Ausland



    Chinas Wirtschaft ist deswegen nicht frei von Problemen. Im Gegenteil: Da ist ein gewaltiger Schuldenberg, den chinesische Unternehmen angehäuft haben: So hat Sinosteel, ein gigantischer Staatsbetrieb, gerade Probleme Anleihen im Wert von 300 Millionen Euro zurückzuzahlen. Sinosteel ist kein Einzelfall. Nach der weltweiten Finanzkrise haben die staatseigenen Banken mit billigen Krediten diese Blase befeuert. Noch immer sind die Immobilienpreise in vielen Städten überhitzt.

    Vor allem aber ist der Einfluss der kommunistischen Partei in vielen Sektoren viel zu hoch, die Rechtssicherheit mangelhaft und staatliche Willkür gegenwärtig.

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      Trotzdem aber bleibt China ein Land mit gewaltigen Chancen: Heute macht China zwölf Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung aus - dreimal so viel wie 1970, aber nur ein Drittel des Anteils von 1800.

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