WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Konjunktur Trotz Lieferengpässen: Die britische Wirtschaft erreicht fast Vorkrisenniveau

Die Wirtschaft in Großbritannien ist nach Ende der meisten Corona-Beschränkungen wieder gewachsen. Die Bank of England könnte als erste große Zentralbank seit Beginn der Pandemie den Leitzins anheben.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Im Hafen von Felixstowe wird über 36 Prozent der Containerfracht des Landes abgefertigt. Quelle: Reuters

Die britische Wirtschaft ist nach dem Ende der meisten Corona-Beschränkungen wieder gewachsen und nähert sich ihrem Vorkrisenniveau. Das Bruttoinlandsprodukt legte im August um 0,4 Prozent zum Vormonat zu, wie das Statistikamt ONS am Mittwoch in London mitteilte.

Im Juli war es noch um 0,1 Prozent geschrumpft, da wegen Quarantäne-Maßnahme Tausende Beschäftigte nicht zur Arbeit gehen konnten. „Die Wirtschaft hat sich im August erholt, da Bars, Restaurants und Festivals vom ersten vollen Monat ohne Covid-19-Beschränkungen in England profitiert haben“, sagte ONS-Direktor Darren Morgan.

Mittlerweile liegt die britische Wirtschaft nur noch 0,8 Prozent unter dem vor der Coronakrise erreichten Niveau. Deshalb könnte die Bank of England die erste große Zentralbank seit Ausbruch der Pandemie sein, die ihren Leitzins anhebt. Die Anleger wetten auf eine Erhöhung auf 0,25 Prozent bis Ende Dezember. Aktuell liegt der Leitzins auf dem historischen Tief von 0,1 Prozent.

Die Wirtschaft dürfte im September allerdings auch durch die zeitweilige Verknappung von Benzin und Diesel an vielen Tankstellen in England ausgebremst worden sein. Verursacht wurde das durch einen Mangel an Lkw-Fahrern, der wiederum auf den EU-Ausstieg des Landes zurückgeht, durch den viele osteuropäische Arbeitnehmer auf den Kontinent zurückgekehrt sind.

Das sollte die Zentralbank überzeugen, „dass die Wirtschaft nicht sofort durch eine Anhebung der Zinssätze abgekühlt werden muss“, sagte Ökonomen Samuel Tombs von Pantheon Macroeconomics. Die britische Wirtschaft war 2020 um 9,7 Prozent eingebrochen - es war der stärkste Rückgang seit 300 Jahren. Der Internationale Währungsfonds sagt ihr in diesem Jahr ein Wachstum von 6,8 Prozent voraus.

Britische Regierung: Mangel an Lkw-Fahrern ist globales Problem

Die britische Regierung versucht derweil, Sorgen vor weiteren Lieferengpässen entgegenzuwirken. Befürchtungen vor Versorgungsengpässen in der Weihnachtszeit hält sie für unbegründet. „Ich bin zuversichtlich, dass die Leute ihr Spielzeug zu Weihnachten bekommen werden“, sagte der Generalsekretär der Konservativen Partei, Oliver Dowden, am Mittwoch gegenüber dem Sender Sky.

Die Situation entspanne sich zunehmend im Hafen von Felixstowe, über den 36 Prozent der Containerfracht des Landes abgefertigt wird. Der Mangel an LKW-Fahrer sei global und kein Problem alleine von Großbritannien, fügte Dowden hinzu, der auch zum Kabinett von Premierminister Boris Johnson zählt.

Maersk, die größte Containerreederei der Welt, hat einige Schiffe aus dem Hafen Felixstowe im Osten Englands umgeleitet, weil es im Hafen angesichts des akuten Mangels an Lkw-Fahrern Probleme beim Abtransport von Waren kam.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%