Konjunkturbericht US-Wirtschaft legt stark zu

Die US-Wirtschaft erreichte im abgelaufenen Quartal die bisher höchste Dynamik im Jahresverlauf. Die guten Konjunkturdaten sind ein Hoffnungsschimmer in dem seit Monaten schwelenden Haushaltsstreit.

Gute Aussichten für die US-Konjunktur. Die Wirtschaft wächst so schnell wie seit Langem nicht mehr. Quelle: REUTERS

Die US-Wirtschaft ist im dritten Quartal stärker gewachsen als zunächst ermittelt. Von Juli bis September stieg das Bruttoinlandsprodukt der größten Volkswirtschaft der Welt um 3,1 Prozent, wie das US-Handelsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. In einer zweiten Schätzung hatte das Ministerium noch eine auf das Jahr hochgerechnete Rate von 2,7 Prozent ermittelt. Volkswirte hatten für die dritte Schätzung lediglich eine Aufwärtsrevision auf 2,8 Prozent erwartet.


Damit erreichte die US-Wirtschaft im abgelaufenen Quartal die bisher höchste Dynamik im Jahresverlauf. Im zweiten Quartal war die Wirtschaft noch um 1,3 Prozent und in den ersten drei Monaten des Jahres um 2,0 Prozent gewachsen. Dagegen lagen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Vorwoche mit 361.000 leicht über der Prognose.
Die guten Konjunkturdaten der US-Wirtschaft konnten die Stimmung an der Börse aber bislang nicht heben. Schon am Mittwoch hatten die Börsen nach der jüngsten Rally eine Pause eingelegt. Aus neuer Verunsicherung über die Entwicklung im Haushaltsstreit in den USA sind die Anleger an der Wall Street auch zu Handelsbeginn am Donnerstag in der Defensive geblieben.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab in den ersten Minuten 0,1 Prozent nach. Der breiter gefasste S&P-500 verlor ebenfalls 0,1 Prozent. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank um 0,2 Prozentpunkte. Schon am Mittwoch hatten die Börsen nach der jüngsten Rally eine Pause eingelegt.

Was Obamas Sieg für deutsche Unternehmen heißt
deutsche bank Quelle: dpa
Deutsche TelekomFür 39 Milliarden US-Dollar wollte Telekom-Chef René Obermann seine angeschlagene US-Tochter T-Mobile an den Branchenriesen AT&T verkaufen. Doch der Mega-Deal scheiterte am Veto der Wettbewerbsaufsicht. Damit fiel auch eine Grundsatzentscheidung. Die zuständigen US-Behörden, an deren Spitze Barack Obama einige Weggefährten gesetzt hat, wollen keine Konsolidierung unten den Big Four, den vier großen Mobilfunkbetreibern Verizon, AT&T, Sprint und T-Mobile. Mit Obamas Wiederwahl ändert sich daran in den nächsten vier Jahren nichts. Obermann muss also weiter dafür kämpfen, dass die Aufsichtsbehörden der kürzlich angekündigten Fusion mit der Nummer Fünf MetroPCS ihren Segen geben. Die Entscheidung wird im nächsten Jahr fallen. Quelle: dapd
AutomobilindustrieDie deutschen Autobauer wuchern in den USA mit zwei starken Verkaufsargumenten: Dem guten Ruf von „German engineering“ und dem vergleichsweise geringen Verbrauch ihrer Autos. Bei dem Verbrauchsargument konnten sich VW, Daimler und BMW bislang auf Obamas tätige Mithilfe verlassen: Strengere Verbrauchsgrenzen gehörten zu den wenigen großen Projekten, die Obama vor seiner Wahl zum Präsidenten versprach und die er letztlich auch realisierte. Genüsslich störte der Präsident im August den Parteitag der Republikaner mit seiner Ankündigung, dass er den Verbrauch von Neuwagen in den USA bis 2025 halbieren wird – per Gesetz.  Zwischen 2017 und 2025 muss der Verbrauch der Fahrzeugflotte eines Herstellers schrittweise von 8,2 auf 4,3 Liter Benzin pro hundert Kilometer sinken. Die effizienteren Antriebe könnten Autos um rund 2500 Euro verteuern, rechnete die US-Umweltbehörde EPA aus, allerdings würden die Kunden durchschnittlich 8000 Euro an der Tankstelle sparen. BMW arbeitete, wie auch 12 andere Hersteller aus den USA und Asien, bei dem Gesetzesvorhaben mit der Obama-Administration zusammen. Daimler und Volkswagen dagegen waren nicht mit im Boot. Allerdings nicht, wie man vermuten könnte, weil sie gegen die verschärften Auflagen waren. Sie kritisierten, dass der Vorstoß Obamas nicht weit genug gehe. Die Wiederwahl Obamas gibt den deutschen Herstellern nun die Sicherheit, dass sie weiterhin gute Geschäfte mit ihren spritsparenden Modellen in den USA machen können. Romney, der strikt gegen die Verschärfung war, hätte das Gesetz womöglich kassiert. Der Absatz deutscher Diesel-Modelle wird weiter zulegen und in einigen Jahren werden starke Hybrid- und Elektromodelle hinzukommen. Vor allem VW wittert noch eine weitere Chance: Erdgas-Autos. Lange hat der Konzern diesen schadstoffarmen und günstigen Antrieb unterschätzt. Durch die Erdgas-Schwemme, die in den USA wegen neuer Fördermethoden erwartet wird, könnte Erdgas nun in den USA ein großes Thema werden. Das passt zu der neuen Modellstrategie von VW, nach der bei Kleinwagen teilweise schon heute Erdgas- satt Dieselvarianten angeboten werden. Quelle: REUTERS
Luftfahrt und RüstungObama und Romney schenken sich ist in puncto Rüstung nicht all zu viel. Beide favorisieren die heimische Industrie. Romney hätte jedoch nicht am Militärbudget gespart, sondern es eher noch aufgestockt. Mit knapperem Budget steigt die Chance für die deutsche bzw. europäische Rüstungsbranche als eventuell günstigerer Anbieter auch einmal zum Zug zu kommen. Obama zeigt sich zudem gegenüber den europäischen Verbündeten offener als Romney. Das könnte Unternehmen wie Airbus, die versuchten vermehrt in den USA Fuß zu fassen, zu Gute kommen.  Quelle: AP
Wind und SolarAufatmen bei vielen Unternehmen aus der grünen Energie-Branche. Mit Obama bleibt ein Freund von Solar- und Windkraft an der Macht. Ein Mann der einen Kurs favorisiert, der alle verfügbaren Energiequellen ausnutzt und den Schutz der Umwelt zu einem seiner Topthemen erklärt. Ganz im Gegensatz zu Mitt Romney. Vor allem um Wind- und Sonnenenergie werde nach Romneys Urteil zu viel
InfrastrukturSiemens dürfte sich freuen. Der Technologiekonzern hat mit 43.000 US-Dollar etwa drei Mal so viel an Obama gespendet wie an Romney und hofft nun auf eine Wende in der Verkehrs- und Energiepolitik. In Charlotte, North Carolina, betreibt Siemens eine Fabrik für Windkraftturbinen, die Obama Anfang des Jahres persönlich besuchte. Außerdem produziert Siemens in einem Werk in Sacramanto, Kalifornien, Straßenbahnen - bereits jede dritte Straßenbahn in den USA stammt von Siemens. Auch beim Ausbau von Hochgeschwindigkeitsstrecken könnte Siemens profitieren. In Kalifornien, Nevada, Florida und Georgia gibt es Überlegungen, Städte per Schnellzug zu verbinden. Siemens fertigt Hochgeschwindigkeitszüge wie den ICE und Schienen-Infrastruktur wie Stellwerke und Signaltechnik. Quelle: REUTERS
Die Pharmaindustrie profitiert von Obamas Wahl. Seit seiner Gesundheitsreform 2010  sind weitere 32 Millionen Amerikaner krankenversichert – zusätzliche  Kunden für die Medikamenten-Branche. Herausforderer Romney hatte dagegen versprochen, die Reform rückgängig zu machen.     Quelle: dpa

Nach einer grundsätzlichen Annäherung gerieten die Gespräche zwischen den Streitparteien wieder ins Stocken. Im US-Haushaltsstreit wollen die Republikaner mit einer Abstimmung über ihren Alternativplan Präsident Barack Obama weitere Zugeständnisse abtrotzen. Sie trieben am Donnerstag den sogenannten "Plan B" voran, der für den Fall eines Scheiterns der Verhandlungen Steuererhöhungen lediglich für Einkommensmillionäre vorsieht. .
Das Präsidialamt warf den Republikanern Zeitverschwendung vor und bekräftigte, Obama werde sein Veto einlegen. Obamas Sprecher Jay Carney erklärte, der Präsident habe in den Verhandlungen noch kein endgültiges Angebot vorgelegt. Viel Spielraum bleibe aber nicht.
Beide Seiten haben sich zwar angenähert, streiten nun aber vor allem um die Frage, für wen Steuern erhöht werden sollen. Die Republikaner sehen die Grenze bei einem Haushaltseinkommen von einer Million Dollar im Jahr, Obama bei 400.000 Dollar. Umstritten sind aber auch Einsparungen vor allem im sozialen Bereich. Aus Sicht der Republikaner will Obama zu wenig kürzen. Mit dem Alternativplan wollen sie ihn unter Druck setzen und ihre Handlungsfähigkeit beweisen. Dass der "Plan B" jemals Gesetz wird, ist allerdings unwahrscheinlich: Der von den Demokraten beherrschte Senat will das Regelwerk ignorieren. Sollte der Streit nicht bis zum Jahresende gelöst werden, treten automatische Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen in Kraft. Diese könnten die USA in die Rezession stürzen.

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