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Kooperation Teltschik: Russland ist weit schwächer als die Führung glaubt

Russland ist trotz des gewonnenen Georgien-Krieges weit schwächer, als die Führung des Landes glaubt.

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Horst Teltschik, 68, war von 1983 bis 1990 wichtigster außenpolitischer Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl, später Vorstandsmitglied von BMW. Bis 2008 leitete er als Vorsitzender die Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik

Nach Einschätzung des Sicherheitsexperten Horst Teltschik, früherer außenpolitischer Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl, wird Russland schon bald wieder an einer engen Kooperation mit Europa interessiert sein, sagte Teltschik der WirtschaftsWoche.

„Möglicherweise glaubt die russische Führung augenblicklich, sie sei machtpolitisch so stark, dass es auf die Beziehungen zur EU oder zu Deutschland nicht ankommt. Eine Weile kann das gut gehen. Aber es müssen doch nur die Rohstoffpreise deutlich fallen, und Russland bekäme mit einem solchen Kurs erhebliche wirtschaftliche, innenpolitische und soziale Probleme.“ Die Abhängigkeit von Rohstoffen zwischen Russland und Europa sei gegenseitig.

„Was würden die Russen mit ihren Rohstoffen anfangen, wenn wir sie ihnen nicht abkauften? Da besteht eine wechselseitige Abhängigkeit, und das ist die beste Voraussetzung für einen Konsens. Eine einseitige Abhängigkeit wäre die Grundlage für politische Erpressungsversuche.“

An die westlichen Regierungen appelliert Teltschik, weiterhin den Dialog mit Russland zu suchen. „Wir müssen unsere Sicherheit nicht gegen Russland definieren, sondern mit Russland. Wir brauchen vernünftige Beziehungen zu Russland.“ Zur engen Kooperation mit Europa habe auch Russland keine Alternative, da eine engere Zusammenarbeit etwa mit China schwierig sei.

„Als verlässlicher Sicherheitspartner kommt für die Russen nur Europa infrage. China ist für Russland eher eine potenzielle Bedrohung. Moskau braucht verlässliche Partner, nicht nur für die Entwicklung der Wirtschaft: In Russland selbst geht ja die Bevölkerung zurück, und es gibt Prognosen, wonach 2050 die Mehrheit der russischen Staatsbürger Muslime sein werden, und an der russischen Südgrenze gibt es eine ganze Kette von muslimischen Ländern, das ist eine potenzielle Gefahr.“

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