Korruptionsskandale erschüttern das Land Chinas Fassade gerät ins Wanken

Lange Zeit inszenierte sich die oberste Führungsriege als Kämpfer gegen die Korruption. Schon vor dem aktuellen Parteitag hat dieses Bild deutliche Risse bekommen. Ein Blick auf die peinlichen Skandale.

Perspektiven für das China-Geschäft
Was erwartet deutsche Unternehmer in China? Das Interesse am Kongress der WirtschaftsWoche ist groß Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
Wirtschaftsperspektiven für den Handel in China: Frank Appel sprach die Keynote Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
Chefredakteur Roland Tichy moderierte den Kongress Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
Gudrun Grosse von der IHK Köln Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
China ist einer der wichtigsten Märkte für die Deutsche Post - Konzernchef Frank Appel Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
Frank Appel und Roland Tichy (l.) im Gespräch Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche

Am Ende wurde Yang Dacai seine Uhr zum Verhängnis. Zunächst geriet der hohe Funktionär aus der Provinz Shaanxi in die Kritik, weil er nach einem Busunglück, bei dem 36 Menschen starben, unsicher in die Kameras grinste. Doch erst als Internet-User bemerkten, dass Yang eine Montblanc-Uhr im Wert von 5500 Dollar trug, reagierte Peking. Nun laufen gegen ihn Ermittlungen wegen Korruptionsverdachts.

Anderen Funktionären könnte es bald ähnlich gehen. Ein beliebter Zeitvertreib chinesischer Internet-Nutzer ist in diesen Tagen "Watch Watching": Wann immer ein Politiker im Fernsehen oder auf Pressebildern zu sehen ist, schenken sie dessen Uhr besondere Aufmerksamkeit. Ist es eine Rolex oder Patek Philippe, gilt der Politiker als korrupt – mit dem offiziellen Monatsgehalt von etwa 1500 Euro lassen sich Luxus-Chronographen kaum finanzieren.

Chinesen machen im deutschen Mittelstand fette Beute
Manz Quelle: PR
EEW Energy Quelle: dpa
Kraussmaffei Quelle: dpa
Kion Quelle: dpa
Koki Technik Transmission Systems: Quelle: dpa
Hilite Quelle: Screenshot
Tailored Blanks Quelle: dpa
Kiekert Quelle: dpa
Putzmeister Quelle: dpa

Hinweise auf korrupte Provinzpolitiker kamen der Führung in Peking, nicht zimperlich beim Einsatz gegen Kritiker, bisher nicht ungelegen. „Korruption ist die größte Gefahr für die Herrschaft der Partei“, dozierte der scheidende Premierminister Wen Jiabao noch vor wenigen Monaten. Das Bild, das die Partei ihren Bürgern vermitteln will: Es gibt Korruption in der Provinz, doch die Führung des Landes ist sauber und tut alles, um die Veruntreuung von Staatsgeldern einzudämmen.

Was Deutschland mit China verbindet
Das kommunistisch regierte China ist mit gut 1,3 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde. Quelle: dapd
Mit einer Fläche von knapp 9,6 Millionen Quadratkilometern ist es etwa 27 Mal so groß wie Deutschland. Quelle: Reuters
Trotz eines Bruttoinlandsprodukts von 5,88 Billionen US-Dollar (2010) und einem Wachstum von 9,2 Prozent im vergangenen Jahr ist besonders die Landbevölkerung von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen. Quelle: dpa
2010 exportierten deutsche Unternehmen Waren für 53,6 Milliarden Euro nach China. Im Vergleich zum Jahr zuvor entsprach das einem Plus von 43,9 Prozent. Die Einfuhren lagen 2010 bei 76,5 Milliarden Euro (35,0 Prozent mehr als 2010). Quelle: dpa
Aus der Bundesrepublik werden besonders Maschinen, Anlagen, elektrotechnische Produkte und Autos nach China verkauft. Quelle: dapd
Von dort kommen vor allem Elektrotechnik und Kleidung. Quelle: dpa
Die Direktinvestitionen deutscher Unternehmen beliefen sich 2010 auf 697 Millionen Euro nach 857 Millionen im Jahr zuvor. Quelle: REUTERS
Viele deutsche Unternehmen in China beklagen sich über einen schlechten Marktzugang, ungleiche Wettbewerbsbedingungen, mangelnde Transparenz und Rechtsunsicherheit. Quelle: REUTERS
Schlechter Schutz des geistigen Eigentums ist seit Jahren ein großes Problem. Sieben von zehn in China tätigen europäischen Unternehmen wurden nach eigenen Angaben schon Opfer von Urheberrechtsverletzungen. Quelle: ap
Mehr als die Hälfte aller vom Zoll in Europa sichergestellten Raubkopien stammt aus China. Bei dem seit 1999 laufenden Dialog über rechtsstaatliche Fragen zwischen Berlin und Peking geht es auch um ein Wirtschaftsrecht für China. Quelle: dpa

Kritische Kommentare gelöscht

Doch die Strategie geht nun nicht mehr auf. Im März starb der Sohn eines engen Vertrauten von Präsident Hu Jintao bei einem Unfall – in einem Ferrari und in Gesellschaft zweier leicht bekleideter Damen. Kurz darauf brachte die Affäre um den Ex-Parteichef von Chongqing, Bo Xilai, das Machtgefüge der Partei ins Wanken. Mehrere 100 Millionen Euro sollen er und seine Frau (die mittlerweile wegen Mordes an einem Geschäftspartner verurteilt ist) ins Ausland geschafft haben. Sein offizielles Jahresgehalt betrug 19.000 Dollar.

Der jüngste Paukenschlag war ein Bericht der „New York Times“ vorletzte Woche. Danach soll die Familie von Premierminister Wen Firmenbeteiligungen im Wert von 2,7 Milliarden Dollar kontrollieren. Peking dementierte und reagierte prompt: Die Web-Site der Zeitung wurde gesperrt und ist seitdem nicht mehr aufrufbar. Auch kritische Kommentare auf Weibo, einer chinesischen Variante von Twitter, löschten die Zensoren.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%