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Krieg der Worte So unterschiedlich sind die Twitter-Strategien der beiden Kandidaten

Nirgendwo kommunizieren die Kandidaten so direkt mit den Wählern wie auf Twitter. Doch ihre Strategien sind dabei völlig unterschiedlich.

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Die größten Absurditäten im US-Wahlkampf
Hillary Clintons Doppelgängerin Quelle: AP
Von Hirntumor bis Zungenkrebs – Clintons Krankheiten im Überblick Quelle: dpa
Der Knopf in Clintons Ohr Quelle: AP
Hillary Clinton Quelle: AP
Donald Trump – der Antichrist Quelle: dpa
Hillary Rodham Clinton Jimmy Quelle: AP
Die Illuminati und Trump Quelle: REUTERS

Donald Trump behauptet, nicht mehr als vier Stunden Schlaf zu brauchen. In der Nacht vom 30. September auf 1. Oktober bewies er das öffentlich. Um 3:20 Uhr griff er zu seinem Samsung-Smartphone und schicke einen Tweet nach dem anderen ab: Mal beleidigte er einen Fernsehmoderator, mal appellierte er, den Medien nicht zu glauben.

Am nächsten Tag war die nächtliche Twitter-Pöbelei Teil der Fernsehnachrichten, Thema in Zeitungen, Gesprächsstoff in Radioshows. Die Kommentare waren mal entsetzt, mal amüsiert, mal begeistert, doch das Wichtigste: Sie waren da. 2016 werden Tweets zu Nachrichten - nicht mehr umgekehrt.

Deshalb ist Twitter für Trump die ideale Plattform. Je lauter er poltert, desto stärker seine Präsenz in den Medien. Und je mehr die Medien über ihn berichteten, desto höher wurden seine Umfragewerte. Nicht zuletzt das digitale Provozieren hat ihn zu dem gemacht, was er nun ist: Anwärter auf eines wichtigsten Ämter der Welt.

In Amerika hat Twitterüber 55 Millionen Nutzer. Anders als in Deutschland vereint die Plattform nicht nur Medienleute und Promis, sondern auch breite Teile der Bevölkerung. Ein ideales Publikum also für die vielen kleinen Botschaften, die mit einem Klick auf Millionen Bildschirmen erscheinen.

Trump hat bereits 2009 entdeckt, welche Macht er mit seinem Twitteraccount in der Hand hält. Trump liebt das Ungefilterte, das Direkte, das Unzensierte dieser Kommunikation. Hier ist er auf keine Medien mehr angewiesen, er ist sein eigenes Medium.

Zunächst nutzt er die Plattform, um Werbung für seine TV-Shows zu machen. Doch bald darauf beginnt er, auch seine politische Meinung über seinen Twitteraccount kundzutun.

Er twittert mal nachts, mal tags, scheinbar intuitiv und häufig provokant. Sich selbst gibt er den Twitter-Namen: “The Real Donald Trump” - seine Fans lieben ihn für das Authentische, das er hier verbreitet.

Ganz anders sieht das bei Hillary Clinton aus. Die ungefilterte, scheinbar unkontrollierte Kommunikation des Netzwerkes scheint nicht ihre Art. Während Trump online schon ein Millionenpublikum erreicht, bleibt sie Twitter fern. Das finden die Nutzer so kurios, dass sie unter dem Hashtag #tweetsfromHillary scherzhafte Tweets unter ihrem Namen ins Netz schicken. Spätestens da merkt Clinton: Es geht nicht ohne.

Ihre eigene Geschichte auf Twitter beginnt deshalb 4 Jahre nach Trumps ersten Tweet -  mit einem Konter auf all den Spott.

Social Media Marketing-Maschinen

Trotzdem bleibt es lange Zeit ruhig auf ihrem Account. Erst kurz vor ihrer Präsidentschaftskandidatur im April 2014 fängt sie an, regelmäßig dort zu posten, oder besser gesagt: ihr Team. In Clintons Social Media Team bespielen über 100 Menschen verschiedene Kanäle.


Clintons Twitter-Account funktioniert wie eine Marketing-Maschine nach Lehrbuch.

Einige ihrer Tweets werden auf Spanisch übersetzt. Nach wenigen Monaten twittert ihr Team öfter als Trump, jeder Tweet inszeniert wie eine Werbeslogan.

Clintons Twitter-Botschaften werden genau orchestriert und mit anderen Auftritten verzahnt. Während der zweiten TV-Debatte nennt die Kandidatin Beispiele, wie ihr Kontrahent despektierlich über Frauen spricht. So habe er die ehemalige Miss Universe Alicia Machado als “Miss Piggy” bezeichnet. In dem Moment schickt Clintons Social Media Team den Hashtag #AliciaMachado ins Netz und tritt damit eine genau kalkulierte Entrüstung los. Millionen Nutzer schließen sich an: Eine Welle entrüsteter Tweets entfaltet die gewünschte Anti-Trump-Wirkung, gebündelt und emotional.

Auch Trump hat mittlerweile ein Social-Media-Team. Doch die radikaleren Tweets stammen von seinem eigenen Smartphone.

Die beiden Präsidentschaftskandidaten setzen nicht nur auf unterschiedliche Strategien, was ihre Teams und Tweet-Häufigkeit angeht. Auch die Inhalte in den beiden Kanälen haben unterschiedliche Schwerpunkte. Clinton wendet sich immer wieder an Familien, sie spricht über Gesundheit, Klimawandel und thematisiert die Rechte von Frauen und von Homosexuellen. Während sie über Mindestlohn spricht, liegt Trumps Fokus auf illegaler Einwanderung, Außenpolitik und dem Kampf gegen den IS. Auch die Medien erwähnt er immer wieder, wirft ihnen vor parteiisch zu sein.


Die Provokationen kommen im Netz an: Trump bekommt im Durchschnitt knapp 10.000 Likes pro Tweet, doppelt so viele wie Clinton. In einem Wahlkampf, in dem vieles inszeniert und kalkuliert wird, scheint es für viele Wähler faszinierend, wenn Trump nachts zum Smartphone greift. Für ihn kommt es nun darauf an, seine digitale Fangemeinde zu Wählern zu machen. So ist Twitter längst zu einem machtvollen Instrument im Kampf um die Mehrheit geworden.

Der nächste Präsident bekommt übrigens nicht nur die Schlüssel fürs Weiße Haus. Er erhält auch die Passwörter für den Präsidenten-Account. Der nächste Präsident wird nämlich den alten Account von Barack Obama übernehmen.  Die Tweets werden zwar gelöscht, doch die knapp 11 Millionen Follower darf der neue Präsident behalten. Inhalte, die Obama in seiner achtjährigen Amtszeit produziert hat, sollen auf einen neuen Account @POTUS44 verschoben und für immer archiviert werden.

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