Krieg in Nahost: Grenze geöffnet – erste Hilfslieferungen in Gaza
Etwa 170 LKWs warten am Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen.
Foto: APDer Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen ist am Samstag für erste dringend benötigte Hilfslieferungen geöffnet worden. Zunächst durften allerdings lediglich 20 Lastwagen in den von Israel abgeriegelten Gazastreifen einfahren. Mehr als 200 Lastwagen mit rund 3000 Tonnen Hilfsgütern warten seit Tagen auf ägyptischer Seite der Grenze darauf, die Lieferungen in den Gazastreifen zu bringen.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation transportierten vier der 20 Lkw medizinische Hilfsgüter, darunter Arznei zur Behandlung von chronischen Krankheiten für 1500 Menschen, lebenswichtige Güter für 300.000 Menschen für drei Monate, Traumamedizin für 1200 Menschen und 235 Taschen für Ersthelfer. An Bord von Lkw des UN-Kinderhilfswerks befanden sich 44.000 Flaschen Trinkwasser, wie Unicef-Direktorin Catherine Russell sagte. Der tatsächliche Bedarf sei aber immens.
Israel verhängte nach den Terrorangriffen der islamistischen Hamas vom 7. Oktober eine vollständige Blockade über den Gazastreifen. Den 2,3 Millionen Bewohnern dort mangelt es inzwischen an Nahrungsmitteln, Wasser, Strom, Medikamenten und Treibstoff, etwa für Notstromgeneratoren in den überfüllten Krankenhäusern.
Bundeskanzler Olaf Scholz begrüßte das Anlaufen von Hilfslieferungen. „Es ist gut und wichtig, dass jetzt erste humanitäre Hilfe für die Menschen in Gaza kommt. Sie brauchen Wasser, Nahrung und Medikamente – wir lassen sie nicht allein“, schrieb Scholz am Samstag auf der Plattform X, früher Twitter. Die Bundesregierung setze sich weiter über alle Kanäle dafür ein, das Leid in diesem Konflikt zu lindern, schrieb der SPD-Politiker.
Nach UN-Angaben werden die Hilfslieferungen dem medizinischen Dienst des Palästinensischen Roten Halbmonds übergeben. Die Leiterin des Welternährungsprogramms der UN, Cindy McCain, sagte aber, die Hilfe sei unzureichend. „Die Lage in Gaza ist katastrophal“, erklärte sie. „Wir brauchen viele, viele, viele weitere Lastwagen und einen andauernden Zufluss von Hilfe.“ Vor dem Krieg seien es täglich rund 400 gewesen, fügte sie hinzu.
Der israelische Militärsprecher Daniel Hagari sagte, die humanitäre Lage in Gaza sei „unter Kontrolle“. Hilfe werde nur in den Süden des Gebiets geliefert, Treibstoff werde nicht in den Gazastreifen gelangen.
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Die Öffnung des Grenzübergangs erfolgte nach mehr als einer Woche hochrangiger diplomatischer Bemühungen verschiedener Vermittler, unter ihnen US-Präsident Joe Biden und UN-Generalsekretär António Guterres, die in die Region gereist waren. Israel hatte darauf bestanden, dass nichts in den Gazastreifen gelangen würde, bevor nicht die rund 200 von der Hamas verschleppten Geiseln freigelassen würden. Am Freitag hatte die Hamas erstmals zwei Geiseln freigelassen, zwei Frauen mit israelischer und US-Staatsbürgerschaft. Ob der Vorgang mit der Grenzöffnung in Zusammenhang steht, war zunächst nicht bekannt.
Am Grenzübergang Rafah warteten auch Hunderte Menschen mit ausländischen Pässen, die auf eine Ausreise nach Ägypten hoffen. Sie durften die Grenze am Samstag zunächst nicht passieren.
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