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Krieg in Syrien Taktischer Erfolg für Putin

Unter hohem Blutzoll führte Russlands Intervention im Syrien-Krieg zu Waffenstillstand und Verhandlungen. Der nun verkündete Teilabzug der Truppen ist plausibel. Ob Frieden in Syrien einkehrt, wird dennoch an Europa liegen – und nicht an Putin.

War der Truppenabzug ein genialer Schachzug von Wladimir Putin? Quelle: AP

Und da ist es wieder passiert: Wladimir Putin, der raffinierte russische Präsident, überrascht den Westen mit einem Schachzug in der internationalen Politik. Aus heiteren Himmel befahl er am Montagabend den Teilrückzug seiner Truppen aus Syrien – und ließ die hohen Herren in Washington einen ganzen Arbeitstag lang grübeln: Was führt er im Schilde? Will er den syrischen Diktator Baschar al-Assad nicht zum Sieg bomben? Sind die Kampfjets kaputt? Wohl kaum.

Bei solchen Nachrichtenlagen ist es hilfreich, sich in die Denke der Russen zu versetzen. Aus Kreml-Perspektive war die Intervention von Beginn an eine zweischneidige Sache: Klar, Putin will in der Weltpolitik mitreden und sinnt nach Augenhöhe mit den Amerikanern.

Das kommt bei Russen gut an. Trotzdem hielt sich deren Unterstützung für diesen Krieg in Grenzen. Sie fürchteten ein „zweites Afghanistan“; mit der Operation am Hindukusch hatten sich die Sowjets seinerzeit verhoben.

Die Akteure im Syrien-Konflikt

Politisch gesehen, bot sich eine kurze Operation mit geringen Risiken an. Wie das militärisch umgesetzt wird, führen die Amerikaner seit den neunziger Jahren vor: mit Luftschlägen. Nun hat Putin bewiesen, dass auch Russland nach seiner Armeereform zu solchen Interventionen in der Lage ist und russische Bomber nicht mehr nach fünf Flugstunden vom Himmel fallen.

Militärstrategisch ist eine kurze Luftoperation ebenso plausibel: Syriens Opposition war im September auf dem Vormarsch gegen die Truppen des Assad-Regimes; Verhandlungen mit dem Regime wären zu diesem Zeitpunkt nicht zustande gekommen. Indem die Russen dann intervenierten und die Rückzugsräume der Regimegegner ohne Rücksicht auf Verluste unter Feuer nahmen, wendete sich das Blatt zugunsten von Assad.

Mit dem Teilrückzug Putin seinem Diktator, dass seine Schützenhilfe endlich ist – und er bitteschön am Verhandlungstisch nach einer Friedenslösung streben möge. Insofern feiert Putin im Syrien-Krieg einen taktischen Erfolg: Die Verhandlungen hat Russland möglich gemacht.

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Grund zum Applaus ist das freilich nicht: Die monatelange Bombardierung von Aleppo forderte einen fürchterlich hohen Blutzoll, zigtausende Flüchtlinge trieben Putins Raketen in die Flucht.

Nach Putins zynischem Kriegsspiel ist der Frieden dennoch weit entfernt: Zwar moderieren russische Diplomaten den Friedensprozess mit, doch über russische Zusagen und Ideen für eine Stabilisierung Syriens nach einem wie auch immer gestalteten Friedensvertrag ist nichts zu hören. Wahrscheinlicher scheint es, dass die Russen die Amerikaner imitieren: Mit Luftschlägen alles platt machen – und dann ab nach Hause. Um den Wiederaufbau dürfen sich dann die Europäer mit ihren Milliarden kümmern.

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