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Krise im Irak Terrorgruppe Isis steht kurz vor Bagdad

Irak droht zu zerbrechen. Die Terrorgruppe Isis hat zwei Städte nordöstlich von Bagdad eingenommen. Die USA erwägen ein militärisches Eingreifen, die Märkte reagieren verunsichert.

Sunnitische Kämpfer erobern zwei Städte nördlich von Bagdad. Quelle: dpa

Die islamistischen Rebellen "Isis" ("Islamischer Staat im Irak und in Syrien") setzen ihren Vormarsch Richtung Bagdad fort und haben zwei weitere Städte nordöstlich der irakischen Hauptstadt eingenommen. Die Kämpfer hätten in der Nacht zum Freitag Dschalula und Sadija in der Provinz Dijala unter ihre Kontrolle gebracht, teilte die Polizei am Freitag mit. Die Städte liegen 125 beziehungsweise 95 Kilometer von Bagdad entfernt.

Die irakischen Soldaten hätten ihre Posten dort ohne Widerstand verlassen, teilten die Behörden mit. Kurdische Kräfte aus dem Norden des Landes seien ebenfalls nach Dschalula gekommen, um die Büros der kurdischen Parteien zu sichern. Es gab keine Berichte über Auseinandersetzungen.

Die Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki bekam im Parlament keine Unterstützung für die geplanten Notstandsmaßnahmen, Offiziere machten Al-Maliki sogar für die Schwäche des Widerstands gegen die Extremisten verantwortlich. Der Armeekommandant der Provinz Anbar, die sich seit Mittwoch in der Hand von Isis befindet, sieht laut "Al-Sumaria News" "das Fehlen eines moralischen Führers" als einen der Gründe, weshalb viele irakische Soldaten vor den Isis-Kämpfern geflohen sind.

Fakten zum Terror im Irak

Am Donnerstag hatte die Gruppe Islamischer Staat im Irak und Syrien einen Marsch auf Bagdad angekündigt. Die internationale Gemeinschaft versprach dem Land Hilfe, ohne bislang jedoch konkret zu werden. Das Land brauche zusätzliche Hilfe von den USA und er schließe bei Überlegungen über eine Reaktion keine Option aus, sagte US-Präsident Barack Obama am Donnerstag im Weißen Haus. Er wolle sicherstellen, dass die Extremisten gestoppt werden könnten. Obama traf sich auch mit seinen Team für nationale Sicherheit, um über die Situation zu beraten. Das teilte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Caitlin Hayden, mit.

Zuvor hatte es geheißen, die USA wollten sich nicht an Luftangriffen auf die Aufständischen beteiligen. Obama forderte die irakische Führung auf, an einer politischen Lösung zu arbeiten. „Dies sollte ein Weckruf für die irakische Regierung sein“, sagte er.

Die USA ziehen mehrere hundert Amerikaner aus einem irakischen Luftwaffenstützpunkt nördlich von Bagdad vorübergehend ab. Das berichtete der Sender „Fox News“ am Donnerstag unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsbeamte. Sie hatten in dem sunnitischen Gebiet irakische Sicherheitskräfte im Einsatz von Kampfjets und Überwachungsdrohnen trainiert.

Der Iran schickte unterdessen nach einem US-Medienbericht Revolutionsgarden in den benachbarten Irak, um die Dschihad-Verbände der Isis zurückzudrängen, die große Teile im Norden und Westen des Iraks erobert haben. Mindestens drei Bataillone der Al-Quds-Brigaden, die Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden, wurden zur Unterstützung geschickt, berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf iranische Sicherheitskreise.

Dax gibt nach, der Ölpreis steigt

Die Eskalation der Unruhen im Irak hat am Freitag auch die Anleger am deutschen Aktienmarkt verunsichert. Der Dax fiel im frühen Handel um 0,42 Prozent auf 9897,13 Punkte. Für den MDax ging es um 0,37 Prozent auf 16.995,31 Punkte nach unten und der TecDax sank um 0,85 Prozent auf 1308,37 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stand 0,17 Prozent tiefer bei 3278,65 Punkten. Die Situation im Irak könne sich durchaus zu einem größeren Störfaktor entwickeln, sagte ein Börsianer. Der Markt sei von dem Tempo überrascht worden, mit dem sich der Konflikt ausbreitet.

Der Ölpreis kletterte wegen der anhaltenden Gewalt auf den höchsten Stand seit neun Monaten. In Tokio sackte der Nikkei zwischenzeitlich auf ein Zweieinhalb-Wochen-Tief ab. Kurz vor Börsenschluss drehte die japanische Börse allerdings ins Plus. Händler verwiesen auf Medienberichte, wonach Ministerpräsident Shinzo Abe in Kürze seine mit Spannung erwarteten Pläne für eine Senkung der Unternehmenssteuer vorstellen wolle.

Kurz nach Börsenschluss gab Abe bekannt, dass die Steuersätze für Unternehmen in den kommenden Jahren schrittweise unter die Marke von 30 Prozent gedrückt werden sollen. Derzeit müssen große Firmen in Tokio knapp 36 Prozent an den Fiskus abführen.

Der Standardwerte-Index Nikkei schloss mit einem Plus von 0,8 Prozent bei 15.097 Punkten, nachdem er die meiste Zeit im Minus tendiert hatte. Der breiter aufgestellte Topix legte nach Verlusten am Ende 0,5 Prozent auf knapp 1243 Zähler zu. Der MSCI-Index für den asiatisch-pazifischen Raum ohne Japan tendierte nahezu unverändert.

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Der Ölpreis der Marke Brent verteuerte sich auf 114 Dollar pro Fass und erreichte damit den höchsten Stand seit neun Monaten. Der Anstieg des Ölpreises gab den Aktien von Ölunternehmen Auftrieb. Inpex sprangen 4,5 Prozent nach oben, Japan Petroleum Exploration 2,1 Prozent.

"Die Leute sind in Sorge, denn die Entwicklungen im Irak könnten große Auswirkungen auf die Ölpreise und den US-Markt haben, und das könnte sich auf Japan auswirken", sagte Hiromichi Tamura von Nomura Securities. Im ölreichen Irak verliert die Regierung zunehmend die Kontrolle über das Land: Sunnitische Extremisten rückten bis ins Umland von Bagdad vor.

An den Devisenmärkten notierte der Euro mit 1,3570 Dollar wenig verändert im Vergleich zum späten New Yorker Handel am Donnerstag. Zur japanischen Währung festigte sich der Dollar etwas auf 101,95 Yen. Er lag damit aber weiter in der Nähe seines Zwei-Wochen-Tiefs. Die steigenden Spannungen im Irak und enttäuschende US-Konjunkturdaten bestärkten Investoren in der Erwartung, dass die US-Notenbank (Fed) die Zinsen nicht so bald anheben wird.

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