Krisengewinner Obama Die Stunde des Oberbefehlshabers

Seit der Monstersturm Sandy die USA heimgesucht hat, ist Pause im Wahlkampf - zumindest offiziell. Während sich Präsident Obama als Krisenmanager präsentieren kann, sucht Herausforderer Romney nach seiner Rolle. 

President Barack Obama gestures while speaking during the his visit to the Disaster Operation Center of the Red Cross National Headquarter Quelle: dapd

Wenn es um Barack Obama geht, wird Chris Christie normalerweise zum Raubtier. „Für was zur Hölle bezahlen wir ihn eigentlich?“, gehörte noch zu den höflicheren Verwünschungen des schwergewichtigen Gouverneurs von New Jersey in Richtung des US-Präsidenten. Nicht zuletzt wegen seiner berüchtigten Poltereien war der Republikaner Christie Eröffnungs-Redner auf dem Parteitag der Republikaner im August. Er gilt als einer der wichtigsten Unterstützer von Obamas Herausforderer Mitt Romney.

Seit Wochenanfang jedoch ist im Wahlkampf nichts mehr so wie vorher. Am Montagabend war der Hurrikan „Sandy“ über die Ostküste hereingebrochen, kostete mindestens 30 Menschen das Leben und verwüstete ganze Landstriche – besonders in New Jersey. Und so war am Dienstag ein ganz anderer Chris Christie zu beobachten. "Der Präsident", sagte er, "verdient große Anerkennung".

Wie groß der Schaden wirklich ist
New Jersey: Ein Mann verzweifelt wegen der Zerstörung, die der Wirbelsturm "Sandy" hinterlassen hat. „Sandy“ hat den Flugverkehr in Teilen der USA und bis nach Übersee lahmgelegt. Seit Samstag seien 16 271 Flüge ausgefallen, berichtete das Flugportal Flightstats. Die meisten Ausfälle gab es demnach am Montag, als der Sturm über die Ostküste hinwegfegte.Zudem könnte der Wirbelsturm im Nordosten der USA nach Schätzungen des Informationsdienstes IHS Global Insight einen wirtschaftlichen Gesamtschaden in Höhe von bis zu 50 Milliarden Dollar (38,7 Milliarden Euro) verursachen. Die Analysten rechneten mit direkten Schäden von rund 20 Milliarden Dollar und Gewinneinbußen von bis zu 30 Milliarden Dollar. Nach Auffassung von Ökonomen dürfte der Sturm der Volkswirtschaft der USA langfristig allerdings keinen weiteren Schaden zufügen."Es gibt keinen Grund zu glauben, dass der Hurrikan der bereits schleppenden Wirtschaft die Beine wegtritt", sagte die Chefökonomin der TD Bank, Beata Caranci, am Dienstag. Vielmehr dürften Investitionen in Reparatur und Wiederaufbau nach dem Sturm die entgangenen Umsätze ausgleichen. (Quelle: dpa&dapd) Quelle: dapd
Der Ferienort Atlantic City, im Bundestaat New Jersey: Hier kommen die Menschen am Wochenende zum pokern - Atlantic City ist für seine Casinos bekannt, das Glücksspiel ist hier legal. Hier drehte Martin Scorsese Teile seines Film "Die Farbe des Geldes". Gut möglich, dass sich hier niemand mehr so schnell zum zocken verirrt: Der Hurrikan Sandy hat Atlantic City komplett überschwemmt, der Boardwalk, die historische Uferpromenade aus Holz, teilweise weggespült. Quelle: dapd
Eine unterirdische Parkanlage im New Yorker Finanzviertel hat es schwer erwischt; die Wagen befinden sich fast komplett unter Wasser. Quelle: dapd
In Hoboken, New Jersey befinden sich nach dem Sturm diese Taxen unter Wasser. Quelle: dapd
Wasser und Regen an der Küste des Landes, schwere Schneefälle im Landesinnere: In West Virginia hat "Sandy" die Menschen unter fast 30 Meter Schnee begraben. Auch hier viel der Strom aus - für 264,000 Personen. Straßen wurden gesperrt. Quelle: dapd
Autos, Wohnwagen und Boote stehen dort, wo sie nicht stehen sollten: In der Nähe von Point Pleasant Beach, New Jersey, liegt ein Boot nach dem Sturm auf den Broadway Avenue. Quelle: REUTERS
In New York ist Battery-Park-Unterführung komplett überschwemt. Quelle: dpa
Ein Blick von einem Bootssteg aus New Jersey rüber nach New York. Beide US-Bundesstaaten sind schwer von dem Hurrikan Sandy erwischt worden. Quelle: REUTERS
Einer der größten Städte der Vereinigten Staaten hüllt sich derweil in Dunkelheit. In New York hat Sandy einen flächenweiten Stromausfall verursacht. Die Straßen in Manhattan sind geflutet, die Metro steht an einigen Stellen unter Wasser. Die Stadt, die niemals schläft, ist auf einmal menschenleer. Quelle: REUTERS
Mit der Rückkehr des Tageslicht offenbart sich langsam das gesamte Ausmaß der Katastrophe. Unter der Manhattan-Bridge sammelt sich das Geröll, das die Fluten hinterlassen hat. Quelle: dapd
Es sind Bilder, wie sie die Welt aus Japan nach dem Tsunami im Frühjahr 2011 erlebte. Nach der Flut sind einzelne Häuser im New Yorker Stadtteil Queens abgebrannt. Quelle: Reuters
Dem Betrachter bietet sich ein Schaubild der Zerstörung an: Das Feuer hat zwischen 80 und 100 Häuser in Queens zerstört; mehr als 190 Feuerwehr-Leute haben bis in die Morgenstunden gegen die Flamen gekämpft. Quelle: dapd
Queens, New York: Lediglich eine Statue hat das Wüten der Flammen scheinbar unversehrt überstanden. Quelle: Reuters
Der Charles de Gaulle Flufghafen bei Paris, Frankreich: Die Auswirkungen des Wirbelsturm machen sich an Flughäfen weltweit bemerkbar - die Linienflüge nach New York werden gestrichen. Quelle: dpa
People walk through water on the beach near the time of high tide as Hurricane Sandy approaches Quelle: dpa
Paramedics evacuate patients from New York University Tisch Hospital due to a power outage as Hurricane Sandy Quelle: REUTERS
A row of houses stands in floodwaters Quelle: dapd
A few dozen people take refuge from Hurricane Sandy at a Red Cross shelter Quelle: dapd
vehicles in a flooded street in Queens Borough of New York Quelle: dpa
Floodwaters from Hurricane Sandy rush into the Port Authority Trans-Hudson's Quelle: REUTERS

Der Gouverneur, sichtlich geschockt von den Zerstörungen und geplagt von einer Grippe, lobte in gleich mehreren TV-Interviews das Krisenmanagement des demokratischen  Präsidenten. Obama und die Katastrophenschutzbehörde FEMA leisteten schnell und unbürokratisch Hilfe, der Präsident sei immer ansprechbar und habe ihm sogar seine Nummer gegeben. Die Leistungen Obamas nannte Christie wahlweise wunderbar, exzellent oder herausragend.

Im Zeichen der Katastrophe macht der zuletzt immer hysterischer und schmutziger gewordene Wahlkampf Pause. In den TV-Nachrichtensendern werden nicht wie noch vor Tagen stundenlang Umfrageergebnisse oder Zitate auseinandergenommen – es gibt nur ein einziges Thema: „Sandy“. Obama und Romney, die am kommenden Dienstag zur Wahl stehen, versuchen derweil peinlichst den Eindruck zu vermeiden, sie wollten aus der Krise Kapital schlagen.

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