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Krisentreffen in Berlin Die Ukraine kündigt vor Friedensgipfel Aufrüstung an

Die Gefechte in der Ukraine nehmen zu. Deshalb soll die ukrainische Armee aufgestockt werden. Derweil warf der russische Außenminister Amerika vor, die Beherrschung der Welt anzustreben.

Soldaten der Ukrainischem Armee sitzen auf einem Panzerfahrzeug. Quelle: dpa

Ungeachtet neuer internationaler Friedensbemühungen wächst in der Ukraine die Kriegsgefahr. Die Regierung in Kiew warf Russland am Mittwoch vor, seine militärische Präsenz in den Separatistengebieten im Osten massiv auszuweiten, und kündigte an, die eigenen Streitkräfte drastisch aufzurüsten.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow wies den Vorwurf zurück, reguläre russische Truppen hätten ukrainische Einheiten angegriffen, und forderte einen sofortigen Waffenstillstand. Für den Abend lud Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier seine Kollegen aus Russland, der Ukraine und Frankreich zu einem Krisentreffen nach Berlin.

Bei diesen Nahrungsmitteln fallen die Preise
KäseNach der Butter wird auch der Käse billiger. Deutschlands Discount-Marktführer Aldi hat die Preise für zahlreiche Produkte wie Käseaufschnitt, Frisch- und Schmelzkäse, aber auch Sahneprodukte um teilweise mehr als 13 Prozent gesenkt. Bei Norma sollen vor allem Käseprodukte und Kaffeesahne billiger werden. Netto Marken-Discount kündigte Preissenkungen bei verschiedenen Eigenmarken an, darunter Käse und Zahnpasta. Aldi betonte, das Unternehmen gebe mit der Rotstiftaktion sinkende Rohstoffpreise an die Kunden weiter. Der Hintergrund: Die Milchpreise auf den Erzeugermärkten sind seit Monaten unter Druck. Ursache dafür sind nach Angaben des Milchindustrie-Verbandes eine hohe Milchanlieferung in Deutschland, aber auch das russische Einfuhrverbot für Milchprodukte, das für zusätzlichen Druck auf die Preise sorge. Quelle: dpa
ButterAuch Butter ist wegen der Sanktionen gegen Moskau deutlich billiger geworden. Die Preise sind seit Beginn des Jahres um 10,8 Prozent gefallen. Was die Verbraucher freut, ist für die Hersteller bedrohlich. Die EU stellt deshalb Geld bereit, um ein Überangebot auf dem europäischen Markt zu verhindern und damit Produzenten zu helfen. Hilfe gibt es für Erzeuger von knapp 20 leicht verderblichen Obst- und Gemüsesorten. Die Produkte werden aufgekauft, auch Entschädigungen für Ernteverzicht oder Ernteabbruch sind möglich. Milchbauern und Käsehersteller bekommen Geld für die Einlagerung von Butter, bestimmter Käsesorten und Magermilchpulver. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos beziffert den Wert der Hilfsmaßnahmen auf etwa 180 Millionen Euro. Quelle: dpa/dpaweb
SteinobstAuch beim Kern- und Steinobst wie Pflaumen, Pfirsichen und Kirschen sinken die Preise: Seit Beginn dieses Jahres wurden Obstsorten mit einem Kern um 19,2 Prozent billiger. Quelle: AP
KartoffelnRekorderträge bei der Ernte halten die Kartoffelpreise in Deutschland niedrig. Pro Hektar holten die Landwirte in diesem Jahr im Bundesschnitt so viele Kartoffeln aus der Erde wie nie zuvor. Auch die absolute Erntemenge bei Kartoffeln legte mit einem Plus von fast einem Fünftel auf 11,5 Millionen Tonnen kräftig zu. Das große Angebot an Kartoffeln schlägt sich auch auf die Preise nieder: Seit Januar sind sie um 19,3 Prozent gefallen. Quelle: dpa
BeerenErdbeeren, Himbeeren und Stachelbeeren sind seit Jahresbeginn um 27,5 Prozent billiger geworden. Quelle: dpa
TraubenDie Weinlese in Deutschland ist im vollen Gang. Doch ein neuer Schädling ärgert die Winzer: Die kleine Fliege asiatischer Herkunft könnte zu wirtschaftlichen Einbußen führen. Das würde den Preis für Trauben und Wein entsprechend heben. Seit Januar ist der Preis für Weintrauben um 29 Prozent gefallen. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
GurkenAuch der Preis für Gurken ist durch die Sanktionen gegen Russland betroffen. Seit Beginn des Jahres ist er um 32,7 Prozent gesunken. Die Produzenten sollen deshalb vom Hilfsprogramm der EU profitieren. Quelle: dpa/dpaweb

"Eine bedeutende Zahl russischer Soldaten ohne Hoheitsabzeichen ist in der Region Luhansk beobachtet worden", sagte ein Sprecher des ukrainischen Militärs. Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk kündigte an, es werde ein Gesetz vorbereitet, um die Streitkräfte des Landes um 68.000 Soldaten auf eine Gesamtstärke von 250.000 aufzustocken.

Die Rebellen belegten Stellungen der Armee mit schwerem Artilleriefeuer und versuchten, weitere Gebiete einzunehmen, teilte der ukrainische Militärsprecher mit. In den vergangenen 24 Stunden sei ein Soldat getötet und 40 weitere seien verletzt worden.

Die Gefechte zwischen der ukrainischen Armee und prorussischen Separatisten haben bereits in den vergangenen Tagen deutlich zugenommen. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat deswegen angekündigt, vorzeitig den Weltwirtschaftsgipfel in Davos zu verlassen. Wegen der "Komplikation der Situation" habe der Präsident seine Reise in die Schweiz verkürzt, teilte seine Sprecherin im sozialen Netzwerk Facebook mit.

In Diplomatenkreisen in Moskau hieß es, die ukrainische Regierung habe ihre militärischen Angriffe verstärkt, um eine Lockerung der westlichen Sanktionen zu verhindern. Die Wirtschaftssanktionen, die fallenden Ölpreise und der Einbruch des Rubel-Kurses haben bereits deutliche Spuren in der russischen Konjunktur hinterlassen.

Russland will sich nach den Worten von Außenminister Lawrow bei dem Treffen in Berlin für eine sofortige Waffenruhe einsetzen. Die russische Regierung werde alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Krise in der Ukraine zu beenden, sagte er in Moskau.

Zum Vorwurf der Regierung in Kiew, reguläre russische Truppen hätten ukrainische Einheiten angegriffen, sagte Lawrow, es gebe keine Beweise, dass russische Soldaten die Grenze überquert hätten. Kiew solle Fakten vorlegen. Russland wolle keinen neuen Kalten Krieg, sagte Lawrow weiter. Dem Westen werde es aber auch nicht gelingen, Russland zu isolieren.

Der Außenminister räumte ein, die prorussischen Separatisten würden mehr Gebiete halten, als ihnen in den Minsker Vereinbarungen zugesprochen worden seien. Die Rebellen hätten Russland jedoch zugesichert, sie würden sich hinter die Waffenstillstandslinie zurückziehen.

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Anfang September hatten sich Vertreter der ukrainischen Regierung und der Rebellen in der weißrussischen Hauptstadt auf eine Waffenruhe verständigt, während der die Weichen für eine friedliche Lösung des seit Monaten anhaltenden Konflikts gestellt werden sollen. Vorgesehen ist unter anderem der Abzug schwerer Waffen aus den Kampfgebieten. Zu den Vereinbarungen zählt mehr Autonomie für die Ostukraine, aber auch die Wahrung der territorialen Einheit des gesamten Landes.

Auch zwischen den USA und Russland wachsen die Spannungen. Lawrow warf US-Präsident Barack Obama vor, die Beherrschung der Welt anzustreben. Die Philosophie der USA sei: "Wir sind die Nummer eins, und das hat jedermann zu respektieren." Die USA gäben sich nicht damit zufrieden, der Erste unter Gleichen zu sein, sagte Lawrow bezogen auf Obamas Rede zur Lage der Nation.

Der US-Präsident hatte mit Blick auf Russland und die Ukraine erklärt, die USA verteidigten das Prinzip, dass ein großes Land nicht ein kleines Land schikanieren dürfe.

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