Lee Kuan Yew Singapur trauert um Staatsgründer

Lee regierte den Stadtstaat 31 Jahre lang mit harter Hand. Viele Einwohner rechnen ihm aber hoch an, dass er ein modernes, reiches Singapur schuf. Obama bezeichnet ihn als geschätzten „Visionär“.

Diese Volkswirtschaften geben 2050 den Ton an
Skyline Berlin schön Quelle: dpa
Eine Frau verkauft Hülsenfrüchte Quelle: REUTERS
Platz 9: Russland und der IranDank erneut hoher Ölpreise und einer stark steigenden Konsumnachfrage ist das russische BIP im Jahr 2011 laut amtlicher Statistik um 4,3 Prozent gewachsen. Für die kommenden drei Jahre sagen die HSBC-Experten Wachstumsraten in ähnlicher Größenordnung voraus. Sie gehen davon aus, dass Russland bis 2050 durchschnittlich um 3,875 Prozent wächst. Damit würde das Riesenreich in der Liste der größten Volkswirtschaften der Welt von Rang 17 (2010) auf Rang 15 steigen. Ebenfalls eine durchschnittliche Wachstumsrate von 3,875 Prozent bis 2050 prophezeit die britische Großbank dem Iran. Im Jahr 2011/2012 betrug das Bruttoinlandsprodukt Schätzungen zufolge circa 480 Milliarden US-Dollar. Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Irans zählen die Öl- und Gasindustrie, petrochemische Industrie, Landwirtschaft, Metallindustrie und Kfz-Industrie. Die Inflationsrate wird von offizieller Seite mit 22,5 Prozent angegeben, tatsächlich liegt sie bei über 30 Prozent. Die Arbeitslosenrate beträgt offiziellen Angaben zufolge 11,8 Prozent. Quelle: dpa-tmn
Ginza-Viertel in Tokio Quelle: dpa
Mexikanische Flagge Quelle: dapd
Copacabana Quelle: AP
Baustelle in Jakarta Quelle: AP

Der Staatsgründer von Singapur, Lee Kuan Yew, ist tot. Er sei am frühen Montagmorgen im Generalkrankenhaus von Singapur im Alter von 91 Jahren „friedlich dahingeschieden“, teilte das Büro seines Sohnes - des amtierenden Premierministers Lee Hsien Loong - mit. In die Klinik war er vor gut sechs Wochen mit einer schweren Lungenentzündung gekommen. Während die Singapurer trauerten, zollten Staats- und Regierungschefs in aller Welt dem Gestorbenen Respekt.

Das staatliche Fernsehen in dem Stadtstaat unterbrach sein reguläres Programm, um in einem Tribut Lees Leben und Errungenschaften Revue passieren zu lassen. In einer Live-Schalte bezeichnete ein Reporter Lees Tod als die „schreckliche und gefürchtete“ Nachricht. Premier Lee Hsien Loong, eines von drei Kindern Lees, kämpfte in einer Fernsehansprache mit den Tränen. Sein Vater habe einen Staat aufgebaut und den Menschen eine stolze nationale Identität gegeben, sagte der Regierungschef in Malaiisch, Mandarin und Englisch. „Wir werden keinen anderen Mann wie ihn sehen. Für viele Singapurer, und in der Tat viele andere auch, war Lee Kuan Yew Singapur.“

Die Wachstumsmärkte von morgen
Platz 9: MalaysiaMit einer verhältnismäßig kleinen Bevölkerung von 28 Millionen Einwohnern kann Malaysia kaum punkten. Auch die verhältnismäßig hohen Arbeitskosten von 15,6 Dollar (absolutes BIP geteilt durch BIP pro Person) machen das Land nicht außergewöhnlich attraktiv. Spannend ist Malaysia vielmehr als Beschaffungsmarkt. Die Befragten der Studie von Valuneer und ICC zu Trends internationaler Einkaufsmanager bewerteten den Markt überaus positiv. Quelle: Exklusivranking für die WirtschaftsWoche in Kooperation mit Valueneer. Für das Ranking wurde nach der Attraktivität als Absatz- sowie als Beschaffungsmarkt unterschieden und Indikatoren wie Lohnkosten, Wachstumsraten, Importvolumen, Rohstoffreichtum und Bevölkerungsgröße herangezogen und unterschiedlich gewichtet. Quelle: AP
Platz 8: GhanaDas afrikanische Land kann mit seinem starken Wachstums punkten. 2011 stieg das BIP um 13,5 Prozent. Kein anderer der 50 betrachteten Wachstumsmärkte wies solche Steigerungsraten auf. Dazu lockt Ghana mit günstigen Arbeitskosten. Allerdings gilt das westafrikanische Land nach wie vor als wenig sicher und sehr korrupt. Quelle: REUTERS
Platz 7: Polen Das Land punktet bei deutschen Investoren vor allem durch seine räumliche Nähe als günstiger Beschaffungsmarkt. Die politische Lage ist stabil. 39 Millionen Einwohner freuen sich über ausländische Waren. 2011 gingen immerhin Importe im Wert von 170 Milliarden Dollar ins Land. Auch wenn die Lohnkosten verhältnismäßig hoch sind - Polen bleibt ein attraktiver Markt. Quelle: dpa
Platz 6: AlgerienDas Land erreicht in keiner Kategorie Bestwerte, kann aber als Beschaffungsmarkt überzeugen (Platz 2). Einkaufsmanager sehen viel Potenzial, außerdem verfügt das Land über immense Rohstoff-Ressourcen im Wert von 72 Milliarden Dollar. Die Arbeitskosten sind mit 7,3 Dollar noch deutlich geringer als z.B. in der Türkei (14,5 Dollar) oder Mexiko (14,6 Dollar). Damit erreicht Algerien insgesamt Platz 6. Quelle: AP
Platz 5: TürkeiIm Ranking der besten Absatzmärkte erreicht die Türkei mit einer durchschnittlich kaufkräftigen, aber dafür umso größeren Bevölkerung von 75 Millionen Einwohnern einen guten dritten Platz. Im Jahr 2011 wuchs das BIP um satte 8,5 Prozent. Als Beschaffungsmarkt ist das Land dafür weniger attraktiv (Platz 10 von 50). Insgesamt: Platz 5. Quelle: dpa
Platz 4: MexikoBereits 328 Milliarden Dollar Direktinvestitionen flossen 2011 nach Mexiko - der höchste Wert im Ranking. Dazu locken 112 Millionen Einwohnern. Diese Kombination macht Mexiko zum zweitbesten Absatzmarkt der Welt für die deutsche Wirtschaft - so die Experten von Valuneer. Als Beschaffungsmarkt kann das Land weniger überzeugen: Platz 11. Insgesamt reicht es für Rang vier. Quelle: dpa
Platz 3: Südkorea1723 Dollar pro Kopf steckte Südkorea im Jahr 2011 in Forschung und Entwicklung - und damit mehr als alle anderen untersuchten Ländern. Als Beschaffungsmarkt belegt Südkorea den vierten Platz. Als Absatzmarkt überzeugt der asiatische Staat, weil er bereits im Jahr 2011 Importe im Wert von 525 Milliarden Euro einführte. Quelle: dpa

Der Premier erklärte eine siebentägige Staatstrauer. Am Montag und Dienstag werde eine private Totenwache für die Familie stattfinden. Anschließend werde Lee im Parlament aufgebahrt sein, bis am Sonntag ein Staatsbegräbnis folgen werde. US-Präsident Barack Obama, der Singapurs Staatsgründer 2009 im Weißen Haus getroffen hatte, nannte Lee einen „Visionär“ und „wahren Giganten der Geschichte“. Lees Ansichten und Erkenntnisse über die Geschehnisse in Asien seien von vielen politischen Anführern in der Welt geschätzt worden. „Keine geringe Zahl der jetzigen und früheren Weltpolitiker hat seinen Rat über Regierungsführung und Entwicklung gesucht“, erklärte der Präsident.

Im benachbarten Malaysia, mit dem Singapur bisweilen reizbare Beziehungen pflegt, lobte Premierminister Najib Razak die Leistungen Lees. Der chinesische Außenministeriumssprecher Hong Lei beschrieb Lee als „einen asiatischen Politiker mit einzigartigem Einfluss und einen Strategen, der von östlichen Werten und einer internationalen Perspektive inspiriert war“. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon teilte mit, Singapurs Gründungsvater „wird in Erinnerung bleiben als einer der inspirierendsten asiatischen Anführer“. Lee habe dem Stadtstaat den „Übergang von einem Entwicklungsland zu einem der meistentwickelten Länder der Welt“ ermöglicht.

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Lee hinterlässt seinem Land eine effiziente Regierung mit wenig Korruption, niedrige Steuersätze, exzellente Schulen und saubere und sichere Straßen. Der Gründungsvater genoss trotz seines harten Regierungsstils großen Respekt bei den Einwohnern Singapurs. Ihm wird als Verdienst angerechnet, dass er die an Bodenschätzen arme Insel südlich von Malaysia in einen internationalen, blühenden Finanzplatz verwandelte.

Lee ließ aber auch politische Gegner einsperren, beschränkte die Meinungs- und Redefreiheit und deckte Journalisten und Gegner mit Verleumdungsklagen ein. Er selbst behauptete immer, sein autoritärer Regierungsstil sei nötig gewesen, um die Stabilität in dem kleinen Stadtstaat mit seinen vielen Ethnien und Religionen zu wahren. Lee hatte die Insel schon seit 1959 regiert, als sie noch eine britische Kronkolonie war. Er war damit 31 Jahre lang an der Macht, ehe er diese an eine jüngere Generation weitergab. Als Minister und hinter den Kulissen mischte Lee aber weiterhin mit.

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