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Majestät lässt fördern So buhlt Thailands exzentrischer König um deutsche Investoren

Thailand: König Maha Vajiralongkorn wirbt um deutsche Investoren Quelle: Getty Images

Der thailändische König Maha Vajiralongkorn will für mehr Wachstum in seiner Heimat sorgen – vom Starnberger See aus und mithilfe deutscher Investoren.

Das Hotel am See in Tutzing ist ein schicker Bau im bayrischen Landhausstil: schneeweiß verputzte Außenwände mit Giebeln aus dunklem Holz. Es gibt Doppelzimmer mit Blick über den Starnberger See, eine Sauna, einen eigenen Bootsanlegeplatz. Vor allem aber ist die Edelherberge bekannt für das Santorini, ein griechisches Spezialitätenlokal, das frischen Fisch und Meeresfrüchte serviert.

Schon lange gilt das Lokal unter Einheimischen als Geheimtipp. Seit einiger Zeit aber ist es selbst im Hochadel en vogue – wenn auch nicht im europäischen. Will Thailands König Maha Vajiralongkorn, 65, mal so richtig entspannen, lässt er sich im Seehotel verwöhnen. Der asiatische Monarch residiert in unmittelbarer Nachbarschaft. Zwischen dem Park seines herrschaftlichen Anwesens und dem Seeufer führt ein schmaler asphaltierter Weg zum Hotel. Vajiralongkorn geht meist zu Fuß. In den vergangenen sechs Wochen war der prominente Nachbar gleich vier Mal zum Fischessen hier.

Seine Exzellenz sucht in diesen Tagen Entspannung und Ablenkung, denn in seiner Heimat läuft es nicht. Das Wirtschaftswachstum des 68-Millionen-Einwohner-Landes lahmt, immer mehr politische Aktivisten tragen ihren Unmut über die Militärregierung von Prayut Chan-o-cha auf die Straße. Der General hatte sich im Frühjahr 2014 an die Macht geputscht und versucht seither das angeschlagene Schwellenland wirtschaftlich auf Kurs zu bringen – mit äußerst bescheidenem Erfolg.

Vor rund eineinhalb Jahren starb König Bhumibol im Alter von 88 Jahren. Neues Staatsoberhaupt wurde Prinz Vajiralongkorn. Der Thronfolger verbringt schon seit Jahren die meiste Zeit in seiner Zwölf-Millionen-Euro-Villa in Tutzing am Starnberger See und hält sich eher selten in der Heimat auf. Quelle: dpa

„Der König beobachtet die Entwicklung in Thailand mit größter Sorge“, sagt ein europäischer Diplomat in Bangkok, der gute Kontakte zum Königshaus unterhält. Vajiralongkorn fürchte Unruhen in seinem Land und nehme darum deutlich stärkeren Einfluss – aus Deutschland und für Deutschland. Denn die Rettung seines Landes, so der Plan des Königs, soll mit Unternehmen aus der Bundesrepublik gelingen.
Es ist eine Geschichte, die klingt wie ein Märchen – und ist doch nicht ausgedacht. Weil die amtierende Regierung an ihrem Job scheitert, muss der König selbst ran. Weil ihm aber sein eigenes Land zum Leben zu unbequem ist, versucht er sich an einem gewagten Experiment: dem Regieren aus dem selbst gewählten Exil. Wirtschaftsförderung per Fernsteuerung quasi.

Während Länder wie Vietnam, Indonesien oder die Philippinen mit Wachstumsraten zwischen fünf und sieben Prozent glänzen, kommt Thailand nur auf einen mageren Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 3,5 Prozent. Dabei liege das „ Potenzialwachstum“ des Landes bei vier bis fünf Prozent, sagt Rajiv Biswas, Asien-Chefökonom bei IHS Global Insight in Singapur. Durch die politischen Unruhen der vergangenen Jahre habe sich das mitunter halbiert.

Rettung vom Seeufer

Schon seit Jahren investieren Unternehmen aus dem Ausland immer weniger in dem Schwellenland. Selbst die Zuflüsse aus Japan, jahrzehntelang ein verlässlicher Partner Thailands, schrumpften zuletzt. Nur mit der Bundesrepublik brummt das Geschäft. In den vergangenen Jahren eröffneten Unternehmen wie Bosch, Continental, Daimler oder der Badarmaturenhersteller Grohe in Thailand neue Fabriken. Investierten deutsche Unternehmen 2016 noch gut 75 Millionen Dollar im Königreich, waren es in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres schon 244 Millionen. Rund 600 hiesige Unternehmen sind in Thailand aktiv. Seine Majestät forciert das nach Kräften.

Vor rund eineinhalb Jahren starb König Bhumibol im hohen Alter von 88 Jahren. Neues Staatsoberhaupt wurde Prinz Vajiralongkorn – allerdings erst nach längeren Diskussionen über seine Extravaganzen. Der Thronfolger verbringt schon seit Jahren die meiste Zeit in Bayern und hält sich eher selten in der Heimat auf. Der Monarch schätzt das gemäßigte Klima und die Berge, Seen und Wälder im Süden Deutschlands.
Auf die Annehmlichkeiten seiner Heimat, auch auf die schmackhafte thailändische Küche, mag der König dennoch nicht verzichten. Wenn morgens um kurz nach sechs die Maschine der Thai Airways aus Bangkok in München landet, bauen sich gerne zwischen 10 und 15 gut gebaute thailändische Männer mit kahl geschorenen Schädeln und dunkelblauen Anzügen rund um das Gepäckband auf und kümmern sich um den Nachschub für den König. Bevor die Luke auch nur einen einzigen Koffer ausspuckt, laufen dann reihenweise exakt gleich große Kartons über das Band. Die Männer wuchten sie auf Kofferkarren und schieben sie zu einem nah gelegenen Luxushotel.

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