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Malaysia Airlines Diese Rätsel ranken sich um die verschollene Boeing

Auch knapp eine Woche nach dem Verschwinden der Boeing 777 der Malaysia Airlines fehlt von der Passagiermaschine jede Spur. Die Airline weist Behauptungen zurück, dass die Maschine stundenlang unentdeckt weiter geflogen sei. Ein Blick auf die Rätsel, die sich um die Maschine ranken.

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Ein Sandkünstler baut ein Denkmal für den verschollenen Flieger. Die Angehörigen haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die verschwundenen Passagiere doch noch gefunden werden. Quelle: REUTERS

Die Nachrichtenlage zu Flug MH370 ist chaotisch und widersprüchlich, eine Theorie jagt die nächste, mehrere Spuren führten ins Nichts. Sicher ist bisher Folgendes: Die Malaysia-Airlines-Maschine mit 239 Menschen an Bord verschwand am frühen Samstag eine Stunde nach dem Start zwischen Malaysia und Vietnam vom Radar, ohne ein Notsignal oder Hinweise auf Probleme zu geben. Seitdem ist sie spurlos verschwunden. An Bord waren 154 chinesische Staatsbürger. Auch sechs Tage nach dem Verschwinden der Maschine gibt es weiter keine stichhaltigen Hinweise auf ihren Verbleib und das Schicksal der Insassen. Die Blackbox, die die Unterhaltungen im Cockpit aufzeichnet, bleibt, wie auch das Flugzeug selbst, verschwunden.

Seit Tagen werden die verschiedensten Szenarien durchgespielt und es gibt mittlerweile die abenteuerlichsten Verschwörungstheorien um die verschollene Boeing 777. Malaysia wies am Donnerstag einen Bericht des "Wall Street Journal" zurück, demzufolge die Maschine noch vier Stunden nach dem Abbruch des Kontakts weitergeflogen sein könnte. Die Triebwerke hätten so lange noch automatisch Daten übermittelt. Das widerspricht allen bisherigen Beteuerungen der Ermittler. In vier Flugstunden hätte die Boeing 400 Kilometer weit fliegen können, bis zur pakistanischen Grenze, wie die Zeitung schreibt. Völlig unklar an diesem Szenario ist, wieso die Piloten sich nicht meldeten, und weshalb die Maschine nicht auf Radarbildern zu sehen war.

Nach Angaben der Zeitung kann der Pilot alle nötigen Sender manuell ausschalten - US-Terrorexperten schlössen die Theorie nicht aus, dass jemand ins Cockpit eindrang, berichtete die Zeitung. Triebwerke funken automatisch Daten, die bei der routinemäßigen Wartung ausgewertet werden. Auch von Flug MH370 seien solche Daten aufgefangen worden. Das System zur Übermittlung der Daten werde vom Triebwerk-Hersteller, in diesem Fall Rolls-Royce, bereitgestellt. „Wir beobachten die Situation und unterstützen Malaysia Airlines weiterhin“, sagte ein Mitarbeiter von Rolls-Royce nach dem Bericht lediglich. Informationen seien ausschließlich von den Ermittlern zu erwarten. Malaysia Airlines äußerte sich nicht dazu.

Das Auftauchen und Verschwinden vermeintlicher Trümmerteile
Bei der Suche nach dem verschwundenen Flugzeug in Südostasien ist am Donnerstag wieder eine Spur verpufft: Verdächtige Trümmerteile, die ein chinesischer Satellit am Sonntag südlich von Vietnam aufgenommen hatte, seien nun nicht mehr zu finden gewesen, sagte der Chef der malaysischen Zivilluftfahrt, Azharuddin Abdul Rahman, in Kuala Lumpur. Aus Peking kam dazu eine andere Mitteilung: Die schwimmenden Objekte stammten nach chinesischen Erkenntnissen jedenfalls nicht von dem verschollenen Flugzeug, sagte eine Sprecherin von Chinas Luftverkehrsbehörde (CAAC): „Wir haben bestätigt, dass sie mit dem Flugzeug nichts zu tun haben.“ Wie die Experten zu dem Schluss gekommen sind, sagte die Sprecherin jedoch nicht.

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    Auch Vietnam beteiligt sich an der Suchaktion. Ein Mitarbeiter der Luftwaffe schaut aus dem Fenster eines Aufklärungsflugzeugs. Quelle: AP

    Boeing könnte gegen Berg geprallt sein
    Es gibt Spekulationen, nach denen die Boeing 777 gegen einen Berg geprallt oder über unbewohntem Dschungelgebiet abgestürzt sein könnte. Um diesen Theorien Rechnung zu tragen, hat Vietnam am 12. März eine breite Suchaktion angeordnet, die sich auf dem Land bis zur Grenze zu Laos und Kambodscha erstreckt. Auch Indien schloss sich dem Einsatz an und ließ seine Küstenwache in der Andamanensee sowie um die Nikobaren-Inseln Ausschau nach Wrackteilen halten.

    Flieger könnte Ziel einer Entführung geworden sein
    Nach Militärangaben hat die Maschine kurz vorm Verschwinden ihren Kurs geändert. Der malaysische Luftwaffenchef Rodzali Daud hatte am Sonntag gesagt, die Radaraufzeichnungen deuteten darauf hin, dass der Jet vor seinem Verschwinden umgekehrt sei. Auch dafür gebe es aber keine Erklärung. Normalerweise würden Piloten in einem solchen Fall die Flugsicherheit und die Airline informieren. Das sei aber nicht geschehen, sagte Daud. Die Behörden schließen eine Entführung nach wie vor nicht aus, auch wenn bei den beiden Iranern, die mit gestohlenen europäischen Pässen an Bord kamen, kein Terrorhintergrund vermutet wird. Die beien 19 und 29 Jahre alten Männer wollten wohl einfach nur nach Europa gelangen. Der Jüngere wollte laut malaysischem Polizeichef Khalid Abu Bakar zu seiner Mutter nach Frankfurt am Main. Der Zweite wollte nach Angaben von Interpol über Kopenhagen nach Schweden. Die Polizei prüft, ob sich unter den Passagieren Menschen mit psychischen Problemen befunden haben könnten. In diesem Zusammenhang werde untersucht, ob jemand eine hohe Versicherungspolice abschloss oder hohe Schulden hatte.

    Waren die Piloten abgelenkt?

    Ein Mitarbeiter der malaysischen Luftwaffe weist mit einem Stock auf eine Karte, die das gigantische Suchgebiet abbildet. Quelle: REUTERS

    Auch technisches Versagen wird nicht ausgeschlossen
    Die Boeing 777 war nach Angaben von Malaysia Airlines im Hangar in Kuala Lumpur am 23. Februar zuletzt gewartet worden. Mechaniker hätten keinerlei Probleme an der Maschine entdeckt. Der nächste Check sei erst am 19. Juni fällig gewesen. Die Maschine war 2002 ausgeliefert worden und hatte gut 53.000 Flugstunden hinter sich. Die Ermittler schließen technische Probleme dennoch nicht völlig aus.

    Waren die Piloten abgelenkt?
    Malaysia Airlines sieht sich gezwungen, auf Medienberichte zu reagieren, wonach der junge Co-Pilot bei einem früheren Flug zwei Frauen zu sich ins Cockpit eingeladen und damit gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen hatte. Zwei Touristinnen aus Südafrika berichteten einem australischen Sender, dass der 27-Jährige sie auf einem früheren Flug ins Cockpit geholt und dort mit ihnen herumgealbert habe. Die Frauen zeigten Fotos, auf denen der Co-Pilot der Unglücksmaschine und ein weiterer Malaysia-Airlines-Pilot mit den beiden Blondinen posieren. Auf anderen Fotos tragen die Frauen die Pilotenmützen. Der Co-Pilot habe geflirtet und geraucht. Man nehme die Vorwürfe sehr ernst und habe eine interne Überprüfung eingeleitet, teilte das Unternehmen mit. Spekuliert wird, ob die Piloten wieder unaufmerksam waren und so einen Absturz verschuldeten.

    Malaysias Verteidigungsminister Hishammuddin Hussein rechtfertigte sich gegen Kritik an dem Vorgehen der Behörden. Quelle: REUTERS

    Warum ist die Lage so chaotisch?
    Widersprüchliche Meldungen über Funde und mögliche Flugrouten haben in den vergangenen Tagen für Verwirrung gesorgt. So wies etwa der Chef der Luftwaffe am 12. März Zeitungsberichte zurück, wonach er gesagt habe, dass die Maschine von einem Militärradar in der Straße von Malakka erfasst worden sei. Zudem ist das Suchgebiet nach einem möglichen Absturzort extrem groß. Malaysias Verteidigungsminister Hishammuddin Hussein sprach von einem noch nie dagewesenen Fall und einer komplizierten Suchaktion, die mehrere Staaten sowie 43 Schiffe und 39 Flugzeuge auf einem Seegebiet von fast 93.000 Quadratkilometern umfasse - das entspricht etwa der Fläche Ungarns. Flug MH370 ist nicht der erste Vorfall, der daran erinnert, wie groß die Weltmeere sind und wie schwer es sein kann, etwas Verlorenes darin zu finden. Zwei Jahre dauerte es beispielsweise, bis das Wrack der 2009 in den Atlantik nahe Brasilien gestürzten Air France gefunden wurde.

    Noch immer keine Spur vom Flug MH 370


    Der Luftfahrt-Experte Heinrich Großbongardt geht davon aus, dass die Suche nach dem verschollenen Flugzeug in Südostasien noch Wochen dauert. „Das große Problem besteht darin, dass das vermisste Flugzeug mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit über dem Meer abgestürzt ist. Das heißt: Es liegt unter Wasser. Dort breiten sich aber keine Radiowellen aus“, sagte Großbongardt. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Wrack noch gefunden würde, ist nach seiner Einschätzung hoch, es könnte aber noch „drei, vier Wochen dauern“.

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