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Massenarbeitslosigkeit in den USA „Eine erhebliche Zahl wird keinen Job zum Zurückkehren haben“

Job-Verlust in Corona-Zeiten: US-Arbeitnehmer könnten keine Jobs mehr finden Quelle: dpa

Millionen Arbeitnehmer in den USA sind wegen der Coronakrise entlassen worden. Dies könnte für das Land nicht nur ein vorübergehendes Problem sein, denn für viele zeichnet sich ab, dass es kein Zurück mehr geben könnte.

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Als Britney Ruby Miller Ende März ihre Angestellten nach Hause schickte, war sie sicher, dass sie bald zurückkehren könnten. Knapp zwei Monate später hat die Mitinhaberin einer kleinen Steakhaus-Kette ihre Hoffnungen stark heruntergeschraubt. „Wenn ich nur 75 Prozent unserer Leute zurückholen könnte, wäre das wunderbar“, sagt sie.

Rund 600 Mitarbeiter hat das US-Unternehmen wegen der Corona-Pandemie vorübergehend entlassen, nachdem die Restaurants schließen mussten. Inzwischen zeichnet sich ab, dass es nicht so schnell wieder so sein wird wie zuvor – weder bei Britney Miller noch bei allen anderen Betrieben.

Große Unternehmen haben nach Corona womöglich nicht mehr genügend Kunden, um wieder alle Mitarbeiter einzustellen. Manch kleineres Unternehmen mag es danach gar nicht mehr geben. Schon für April zeigte die Arbeitslosenstatistik einen Rekordwert von 14,7 Prozent – so hoch wie nie seit der schweren Depression vor 90 Jahren. Und Analysten gehen davon aus, dass die Arbeitslosigkeit im Mai noch weiter steigt und bis ins kommende Jahr hinein zweistellig bleibt.

Nach den am Freitag veröffentlichten Zahlen verloren im April 20,5 Millionen Menschen ihren Job. Seit Beginn der Coronakrise haben mittlerweile rund 33 Millionen einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt. Doch die meisten – fast 80 Prozent – gaben noch zuversichtlich an, dass dies nur vorübergehend sei. Das jedoch hängt nun vor allem davon ab, wie ihre Arbeitgeber durch die Krise kommen. Noch ist offen, ob es bedeutende weitere Hilfen von Regierungsseite gibt. Und es ist völlig unabsehbar, wann eine Impfung oder eine wirksame Corona-Therapie den Einschränkungen ein Ende machen kann.

„Eine nicht unerhebliche Zahl dieser freigestellten Arbeiter wird keinen Job zum Zurückkehren mehr haben“, sagt Claudia Sahm, Direktorin für makroökonomische Politik der Forschungsorganisation Washington Center for Equitable Growth. Unternehmen würden zusammenbrechen, andere weniger Mitarbeiter als zuvor brauchen, erklärt Sahm.

Beispiel MGM Resorts: Der Betreiber von Hotels und Casinos mit Sitz in Las Vegas schickte im März 63.000 Mitarbeiter nach Hause und erklärte sie für freigestellt, also nur zeitweilig ohne Job. Jetzt kündigte das Unternehmen an, dass es für viele ab Ende August komplett vorbei sei mit der Stelle. Im März noch seien sie zuversichtlich gewesen, dass die Hotels und Casinos bald wieder aufmachen könnten, hat Personalchefin Laura Lee in einem Schreiben an die Behörden erklärt. Wegen der Dauer und des Ausmaßes der Corona-Pandemie sei aber eine Neubewertung der Lage nötig gewesen.

Britney Ruby Miller setzt derweil auf erste Öffnungen ihrer Restaurants Anfang Juni. Kunden rufen bereits an und fragen nach Reservierungen. Doch Miller ist klar, dass es kein Business wie zuvor sein wird. Die Tische müssen auf Abstand gerückt werden, es bleibt lang nicht so viel Platz für Kundschaft wie üblich.

Miller rechnet mit einer maximalen Kapazität von 33 Prozent und mit einem Einbruch der diesjährigen Einnahmen um die Hälfte bis drei Viertel. Zugleich muss sie mit steigenden Kosten für Schutzmaßnahmen kalkulieren. Wann Restaurants wieder so viele Mitarbeiter beschäftigen können wie vor Corona, steht in den Sternen.

Nie hätte sie gedacht, dass ihr Job einmal auf der Kippe stehe, sagt Nelis Rodriguez, die mehr als 20 Jahre im Warwick Hotel in Chicago bediente. Deshalb habe sie sich auch nie nach etwas anderem umgesehen. Doch nun müsse sie wohl doch noch einen Neustart jenseits des Restaurant-Geschäfts versuchen, erklärt die 45-Jährige desillusioniert: „Denn jetzt habe ich Angst.“

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Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz warnt: Die USA versagen bei der Bekämpfung der Pandemie, die zudem eine Vertrauenskrise des Kapitalismus auslöse. Im Gespräch mit der WirtschaftsWoche spricht er zudem über die Kluft zwischen Reich und Arm – und das richtige Verhältnis von Markt und Staat. Das Interview in voller Länge lesen Sie hier.

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