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Medienbericht Riad will offenbar Tötung von Chaschukdschi einräumen

Saudi-Arabien will offenbar Tötung von Chaschukdschi einräumen Quelle: dpa

Seit gut zwei Wochen fehlt vom Journalisten Dschamal Chaschukdschi jede Spur. Nun könnte sich der Fall schnell aufklären. Die Führung in Riad will offenbar eine Erklärung liefern, die es in sich hat.

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Im Fall des unter mysteriösen Umständen verschwundenen Journalisten Dschamal Chaschukdschi deutet sich eine dramatische Wendung an. Nach einem Bericht von CNN will Saudi-Arabien dessen Tötung einräumen. Eine Erklärung sei bereits in Vorbereitung, laut der der Journalist bei einer aus dem Ruder gelaufenen Vernehmung im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul gestorben sei, meldete der Nachrichtensender am Montag unter Berufung auf zwei nicht näher genannte Quellen. Gleichwohl wolle Riad aber bestreiten, dass König Salman oder Kronprinz Mohammed bin Salman die Tötung Chaschukdschis angeordnet hätten.

Laut einem Bericht der „New York Times“ will der Königshof bald die Darstellung verbreiten, dass ein Beamter der Geheimdienste ein Freund von Kronprinz Mohammed den Reporter getötet habe. Demnach habe der Prinz eine Befragung oder Überstellung Chaschukdschis nach Saudi-Arabien genehmigt, doch habe sich der Beamte beweisen wollen und sich tragischerweise als inkompetent erwiesen.

US-Präsident Donald Trump sagte am Montag vor Reportern, er wisse von den Berichten, könne aber dessen Wahrheitsgehalt nicht bestätigen. Bisher handele es sich nur um Gerüchte. Die USA arbeiteten mit Saudi-Arabien und der Türkei auf eine Aufklärung des Falls hin. Chaschukdschis Verschwinden bezeichnete Trump als eine „schreckliche Situation“.

Im Weißen Haus mutmaßte der Präsident zuvor, dass der Journalist durch „aggressive Killer“ getötet worden sein könnte, die auf eigene Faust gehandelt haben könnten. Dieser Erklärungsansatz könnte Riad ein Verbündeter der USA aus Sicht von Beobachtern einen möglichen Ausweg aus dem Fall geben, der internationale Forderungen nach einer Aufklärung nach sich gezogen hat. Trump äußerte sich nach einem Telefonat mit König Salman, der nach Aussage des Präsidenten jede Kenntnis über Chaschukdschis Verschwinden vehement bestritt. Kurzum schickte Trump seinen Außenminister Mike Pompeo nach Riad, der bei für Dienstag geplanten Gesprächen mit der saudi-arabischen Führung mehr Erkenntnisse zu dem Fall gewinnen soll.

Chaschukdschi ging am 2. Oktober in das Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul, um Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Seither wird er vermisst. Er hat unter anderem Kolumnen für die „Washington Post“ geschrieben, in denen er sich kritisch über Saudi-Arabien und die Königsfamilie äußerte. Türkische Behördenvertreter gehen davon aus, dass der Journalist ermordet und zerstückelt worden sei. Riad hat dies bisher zurückgewiesen.

Knapp zwei Wochen nach seinem Verschwinden wurde das Konsulat in Istanbul von türkischen und saudi-arabischen Ermittlern durchsucht. Dem türkischen Team gehören ein Staatsanwalt, dessen Stellvertreter, Forensik-Experten und Anti-Terror-Beamte an, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Bestimmte Areale des Konsulats seien tabu, doch würden Beamte Aufnahmen von Überwachungskameras prüfen können. Ankara hatte seit Tagen auf eine Durchsuchung des Konsulats gedrungen. Die Erlaubnis dazu kam am Sonntagabend nach einem Telefonat von König Salman und Präsident Recep Tayyip Erdogan.

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