Merkel-Obama-Papier Globalisierung. Gemeinsam. Gestalten.

Exklusiv

Ein transatlantisches Bekenntnis zur offenen Marktwirtschaft: Exklusiv für die WirtschaftsWoche beschreiben Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama, dass die moderne Welt sich nicht abschotten darf – auch nicht unter Donald Trump.

"Schöne Absichtserklärungen reichen nicht"
Manfred Weber (Vorsitzender der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament) Quelle: dpa
Katarina Barley (SPD-Generalsekretärin):
Norbert Röttgen (CDU-Außenpolitiker):
Jürgen Trittin (Grünen-Außenpolitiker):
Christian Lindner (FDP-Vorsitzender):
Robert Kimmitt (früherer US-Botschafter in Deutschland):
David McAllister (CDU-Europaabgeordneter):

Regierungschefs teilen ungern das Rampenlicht, das stimmt für Kanzlerin Angela Merkel, erst recht aber für US-Präsident Barack Obama. Deswegen ist der Text, den der scheidende Obama und die weiter amtierende deutsche Kanzlerin in der Freitag erscheinenden Ausgabe der WirtschaftsWoche exklusiv gemeinsam veröffentlichen, ein klares Signal.

Dass beide zusammen zur Feder greifen, um die globalisierte Welt zu deuten, die der designierte Obama-Nachfolger Donald Trump so durcheinander gewirbelt hat, ist ein letzter Ritterschlag aus Washington für Merkel, ein Hilfsangebot für ihr Ringen mit (und vielleicht gegen) Trump.

„Eine Rückkehr in eine Welt vor der Globalisierung wird es nicht geben“, schreiben Obama und Merkel. „Deutsche und Amerikaner müssen die Möglichkeit ergreifen, die Globalisierung nach unseren Werten und Vorstellungen zu gestalten. Wir sind unseren Unternehmen und unseren Bürgern – ja der gesamten Weltgemeinschaft – verpflichtet, unsere Zusammenarbeit zu verbreitern und zu vertiefen.“

Und diese gemeinsamen Zielen, auch das eine klare Botschaft des Duos an Trump, erreiche man nur in Anknüpfung an die bisher schon vereinbarten Themen. Dazu zählt das Duo Freihandel, gemeinsam Werte aber auch den Klimaschutz, den Trump offenbar aufkündigen will: „Die Partnerschaft zwischen den USA und Deutschland hat außerdem eine zentrale Rolle dabei gespielt, das Pariser Klimaschutzabkommen zu erreichen. Es gibt der Welt den Rahmen für den gemeinsamen Schutz unseres Planeten“, schreiben Obama und Merkel.

Das ist eine Art transatlantische Regierungserklärung, aber auch eine Kampfansage an jene Welt, die Trump im Wahlkampf entworfen hat – in der Grenzen im Zweifel zu- statt aufgehen sollen, in dem Freihandel schlecht ist und „America First“ gut, in dem im Zweifel Egoismus die neue Leitwährung der Weltwirtschaft ist. Dagegen stellen die beiden ein Manifest der globalen Marktwirtschaft nach menschlichem Antlitz.

Darum hat Trump gewonnen

„Wir sind stärker, wenn wir zusammenarbeiten“, schreiben Obama und Merkel. „Jetzt, da die Weltwirtschaft sich schneller denn je entwickelt und die globalen Herausforderungen so groß wie nie sind, ist diese Zusammenarbeit wichtiger als jemals zuvor.“

Merkel ist für die Amerikaner die ideale Co-Autorin, denn spätestens mit der Wahl von Trump aus amerikanischer Sicht endgültig zur Miss World avanciert. Die New York Times ernannte Merkel zur einzigen verbliebenen Verteidigerin der liberalen westlichen Welt. Deren konditionierte Gratulation an Trump, sie werde mit ihm arbeiten, wenn er etwa akzeptiere, dass Würde nicht von Geschlecht oder Religion abhänge, sorgte in den USA für Aufsehen. Endlich spreche mal jemand aus, so der Tenor, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte auch im Trump Tower Hausordnung sein soll.

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