Merkel trifft Trump "Sie darf irrsinnigen Forderungen keine Aufmerksamkeit schenken"

Angela Merkel ist der perfekte Verhandlungspartner für Donald Trump, sagt Experte Jack Nasher. Mit welchen Tricks Merkel bei Trump punkten kann – und wie sie mit seinem festen Händedruck umgehen muss.

Die Wahlversprechen Donald Trumps
Arbeitsplätze Im Vergleich mit anderen, zum Beispiel südeuropäischen, Industrieländern ist die Arbeitslosenquote in den USA relativ niedrig - dennoch hat Trump versprochen 25 Millionen Jobs in der ersten Amtszeit neu zu schaffen. Quelle: REUTERS
Einwanderung und EinreiseSeine einwanderungspolitischen Versprechen sind zentral für den Wahlerfolg gewesen: - Bau einer Mauer auf der kompletten Grenze zu Mexiko, für die Mexiko bezahlt - Abschiebung von zwei Millionen illegalen Immigranten - „Extreme Überprüfung“ aller Einreisenden - Einstellung von Visa an Angehörige von Staaten, die „kriminelle illegale Einwanderer“ nicht „zurücknehmen“ - Verschärfung der Visa-Regeln Quelle: AP
GesundheitDer Widerstand gegen die obligatorische Gesundheitsversicherung
HandelFür Wirtschaftsunternehmen und Regierungen außerhalb der USA machen sich vor allem Sorgen um seine protektionistische Handelspolitik. Trump hat angekündigt, das Handelsabkommen Nafta mit Mexiko und Kanada neu verhandeln zu wollen und sich aus dem transpazifischen Handelsabkommen TPP zurückzuziehen. Quelle: dpa
Oberstes GerichtDurch die Bestimmung der Nachfolger von verstorbenen Bundesrichtern können Präsidenten die US-Politik langfristig mitprägen - der Senat muss allerdings zustimmen. Quelle: REUTERS
RegulierungenTrump versprach, die Bürokratie für Unternehmen zu mindern. Für jede neue Regulierung sollen zwei alte abgeschafft werden Quelle: dpa
SteuernTrump verspricht, die Steuerlast insgesamt zu erleichtern (zum Beispiel soll die Unternehmenssteuer von 35 auf 15 Prozent gesenkt werden) und das System durch die Reduzierung der Steuerklassen von sieben auf drei zu vereinfachen. Quelle: dpa

Herr Nasher, US-Präsident Donald Trump hat seine Staatsgäste zuletzt mit einem harschem Händedruck empfangen – wie sollte sich Angela Merkel bei so einer Begrüßung am besten verhalten?
Donald Trump will mit seinem Gehabe Dominanz demonstrieren. Das versuchen viele Politiker, wenn sie zum Beispiel den Arm um ihren Gast legen. Trump macht das bloß sehr aggressiv. Angela Merkel sollte sich davon nicht beeindrucken lassen – und höflich zurück drücken.

Jack-Nasher Quelle: PR

Der erste Eindruck entscheidet oft darüber, ob zwei Politiker miteinander klar kommen. Wie sollte Merkel gegenüber Trump auftreten?
Vieles spricht dafür, dass Donald Trump ein Narzisst ist oder zumindest starke narzisstische Züge hat. Solche Menschen wollen vor allem, dass man ihnen huldigt oder zumindest Respekt zeigt. Deswegen sollte Merkel unbedingt mit Respekt an Trump herantreten – auch wenn sie den vielleicht nicht ohne Weiteres empfindet. Sie kann sich aber einen Punkt raussuchen, für den sie Trump respektiert und sich darauf konzentrieren. Das wirkt sich automatisch auf die gesamte Gesprächsatmosphäre aus.

In Deutschland fordern aber viele Politiker und Unternehmer, dass Merkel bloß nicht vor Trump einknicken soll. Muss sie dem US-Präsidenten nicht eher die Stirn zeigen?
Nein, das schließt sich ja auch nicht aus. Bisher hat Angela Merkel im Umgang mit Trump alles richtig gemacht. Sie ist nicht auf seine Pöbeleien und Provokationen eingegangen, sondern hat ihm cool zur Wahl gratuliert. Sie weiß ja, dass sie noch mit ihm zusammenarbeiten muss. Merkel ist vom Typ her der perfekte Verhandlungspartner für Trump. Sie ist kühl und klug. Damit hat sie bei Trump viel bessere Chancen als zum Beispiel ein aufbrausender Mensch wie Erdogan.

Konfliktfelder der US-Regierung mit Deutschland

Bei Merkels Besuch in Washington geht es um riesige Themenkomplexe wie Handelspolitik oder Verteidigung. Wie kann Merkel ihre Interessen durchsetzen?
Sie darf auf keinen Fall irrsinnigen Forderungen große Aufmerksamkeit schenken. Es bringt nichts, sich an solchen Punkten festzubeißen. Besser wäre, wenn Merkel das einfach ignoriert und ihren eigenen Standpunkt betont. Bei Trump könnte es auch gut funktionieren, ihm einen Happen hinzuwerfen, mit dem er bei Twitter schnell einen scheinbaren Erfolg verkaufen kann – aber gleichzeitig in entscheidenden Details hart zu bleiben und seine Ziele durchzusetzen.

So einfach ist das?
Naja, Donald Trump ist nicht dumm. Er hat in der Vergangenheit ziemlich komplexe Deals ausgehandelt – und dabei gut abgeschnitten. Seine Taktik ist, dass er erst einmal alles offen lässt. Er sagt: Wir haben Atomwaffen, und klar, die können wir auch nutzen. Oder: Im Nahen Osten kann ich mit einer Ein-Staaten-Lösung genauso leben wie mit einer Zwei-Staaten-Lösung. Diplomatisch richtet so eine Haltung enormen Schaden an. Aber das nimmt Trump in Kauf. Wenn er sich vorab nicht festlegt, stärkt das seine Verhandlungsposition.

Merkel reist mit Unterstützung aus der Wirtschaft an. Lässt sich Trump dadurch beeindrucken?
Auf den ersten Blick wirkt das gewieft. Trump kommt selbst aus der Wirtschaft, da ist die Hoffnung berechtigt, dass er einem Unternehmer vielleicht eher glaubt, dass Freihandel sinnvoll sein kann als Berufspolitikerin Merkel. Das Problem ist, dass Merkel nur Manager ausgesucht hat – und für die hat Trump wenig übrig. Sie sind für ihn bloß teure Angestellte, aber keine echten Unternehmer. Statt des Vorstandsvorsitzenden von Schaeffler hätte sie besser die Eigentümer des Unternehmens eingeladen.

Wie wichtig die USA für die deutsche Wirtschaft sind

Wie bereitet man sich als Politiker eigentlich auf so ein wichtiges Treffen vor?
Das Wichtigste ist, seine Ziele und ein Worst-Case Szenario zu definieren. Dann weiß man selbst, wo man steht. Manchmal macht es auch Sinn, das Gespräch vorab zu simulieren. Vor allem ist es wichtig zu wissen, wer was entscheidet – sonst verhandelt man womöglich mit dem Falschen.

Ist Trump der wichtigste Ansprechpartner für Angela Merkel?
Er ist der Präsident. Aber ich glaube, dass er sich nicht so sehr für Details interessiert, sondern hauptsächlich ein paar gute Schlagzeilen haben will, die ihn gut dastehen lassen. Das ist für Merkel eine riesige Chance. Sie kann mit ihrem Team die wichtigsten Berater von Trump aufspüren – und dann auf zweiter oder dritter Ebene ihre Punkte durchbringen.

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