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Michail Chodorkowski Sein Helfer aus dem Sauerland

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Unzufriedener Unternehmer

Chodorkowski wartet auf Familie

Eigentlich könnte Bettermann mit sich und der Welt zufrieden sein. Er mischt vorne mit in einer Branchenführer von einigen wenigen Milliarden Euro im Jahr. Niemand hierzulande produziert insgesamt so viele Schellen, Klips und Klammern, Kabelhalter und Blitzableiter wie Bettermann – zuletzt für 500 Millionen Euro im Jahr. Sein Unternehmen produziert heute mit 3.000 Mitarbeitern in Deutschland, der Schweiz, Ungarn, Italien, Brasilien und Südafrika. Kaum ein Kraftwerk, eine Tiefgarage oder ein Airport kommt ohne seine Kabelkanäle oder Unterputzdosen aus.

Doch Zeit seines Lebens biss den erfolgreichen Unternehmer gleichzeitig die Gewissheit, eigentlich nichts zu besitzen, womit er so richtig groß Staat machen konnte. Was sind schon seine Blechwaren gegen die berühmten Lasermaschinen zur Blechbearbeitung des württembergischen Vorzeigemittelständlers Berthold Leibingers?

Chronologie des Falls Michail Chodorkowski

Der gelernte Bankkaufmann hat nach eigenen Angaben mit Mühe die mittlere Reife geschafft und nie studiert. Er weiß, dass ihm die Bildung und das intellektuelle Kaliber fehlen, um es jemals so weit zu bringen wie Mittelstandikone Leibinger oder der schwäbische Motorsägenfabrikant Hans Peter Stihl, der einst zum Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages aufgestiegen war. Bettermann leidet darunter und versucht, damit fertig zu werden, indem er - wie der Süchtige nach der Droge - unablässig nach Ersatzbestätigung sucht.

Wo immer er konnte, drängte Bettermann zu Prominenten aus Wirtschaft und Politik. Er nimmt an dem jährlichen Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos teil. Er schwärmt von der Freundschaft mit Ex-Bundesaußenminister Genscher, der er nun die Beförderung von Chodorkowski verdankt. Er freut sich über das "Du" mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schroeder, berichtet vom Zusammentreffen mit dem Dalai Lama und rühmte sich des kurzen Drahts zum einstigen Siemens-Chef Heinrich v. Pierer. Und wenn sich die Gelegenheit bot, legte er dem "berühmten Weltbürger" Kissinger sanft den Arm um die Schulter. Wer Bettermann besucht, sieht ihn auf den immer gleichen Fotos: Bettermann mit Genscher auf der Couch, Bettermann mit Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl auf der Hannover Messe, Bettermann mit dem früheren bayrischen Ministerpräsident Franz Josef Strauss im Cockpit.

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