WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Mindestkurs zum Euro Schweiz deckelt den Franken

Die Schweiz greift nach der starken Aufwertung des Franken zu harten Maßnahmen. Die Notenbank legt einen Mindestkurs für den Franken fest und will ihn durch Devisenkäufe verteidigen. Der Kurs reagiert prompt.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Eine Euro-Münze (l) und ein Quelle: dpa

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat in ihrem Kampf gegen die Frankenstärke einen Wechselkurs zum Euro festgelegt und will diesen mit allen Mitteln durchsetzen. Die SNB toleriere ab sofort keinen Euro-Wechselkurs unter 1,20 Franken mehr, teilte sie mit. Die Notenbank der Schweiz will den Mindestkurs unbedingt durchsetzen und dazu notfalls unbeschränkt Devisen kaufen.

Die Europäische Zentralbank betonte, an der Entscheidung der Schweizer nicht beteiligt gewesen zu sein. Sie nehme die Entscheidung der SNB zur Kenntnis, erklärte die EZB. Die Schweizer Notenbank habe diesen Schrittin „eigener Verantwortung“ unternommen.

Empfindliche Exportwirtschaft

Die Schweiz ist in den vergangenen Monaten durch die drastische Aufwertung ihrer Landeswährung gegenüber dem Euro unter Druck geraten. Für die Schweizer Exporteure hatte dies zur Folge, dass sich ihre Güter im Ausland verteuert haben und damit weniger wettbewerbsfähig waren. Da die meisten Schweizer Exporte in den Euroraum gehen ist die Wirtschaft des Landes bei Schwankungen des Euro-Wechselkurses besonders anfällig.

Die Nachricht des massiven Eingriffs der Schweizer Notenbank traf die meisten Anleger unvorbereitet. Der Wechselkurs des Euros zum Franken sprang in der Spitze um fast zehn Prozent auf 1,2150 Franken an und pendelte sich anschließend im Bereich des von der SNB ausgerufenen Wechselkursziels bei 1,20 Franken ein.

Im Zuge des Kurssprungs zum Franken konnte der Euro auch gegenüber den anderen wichtigen Währungen Boden gut machen. Zum US-Dollar fiel der Franken um 8,7 Prozent auf 0,8559 Franken. Sowohl zum Greenback als auch zum Euro verzeichnete der Franken damit seinen bislang höchsten Tagesverlust.

"Die Ankündigung war die Iniatialzündung für den Kurssprung von 1,12 auf 1,18 Franken je Euro", sagt Carolin Hecht, Devisen-Analystin der Commerzbank. "Die hohe Glaubwürdigkeit der SNB hat dann dafür gesorgt, dass es weiter nach oben ging." Die Notenbank habe eine sehr starke Formulierung gewählt, in dem sie mitteilte, dass sie bereits sei, "unbeschränkt" Devisen zu kaufen. "Wir gehen daher davon aus, dass die SNB Erfolg haben wird und sich der Kurs im Bereich des Wechselkursziels einpendeln wird.

Aktien und Devisen reagieren heftig

Die Aktienmärkte reagierten positiv auf das Eingreifen der SNB. Der Schweizer Index SMI kletterte um fast fünf Prozent auf 5409 Zähler. Der Dax stieg zwischenzeitlich um 1,4 Prozent auf 5318 Zähler. „Das ist ein Signal, dass die Wirtschaftspolitik aktiver wird“, kommentierte Analyst Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus den Schritt der SNB. Offenbar hofften Anleger, dass andere Notenbanken dem Schweizer Vorbild folgen und der schwächelnden Konjunktur unter die Arme greifen werden.

In den vergangenen Wochen hatte die SNB mehrfach versucht, dem rasanten Anstieg des Franken Einhalt zu gebieten – unter anderem dadurch, dass sie den Markt mit massiver Liquidität flutete. Durch das Überangebot an Franken-Papieren sollte der Kurs geschwächt werden. Der Erfolg blieb zunächst aus, in der Spitze rutschte der Euro bis auf die Parität zur Schweizer Währung ab. Zuletzt gab es aber bereits eine Gegenbewegung auf mehr als 1,10 Euro je Franken.

Über eine Kopplung des Franken an den Euro war zuletzt immer wieder spekuliert worden. Dennoch kam der Schritt für viele am Markt überraschend. "Die SNB hat bisher sehr zögerlich agiert und es gab Zweifel, ob sie überhaupt noch mal intervenieren wird", sagt Carolin Hecht, Devisen-Analystin der Commerzbank. Im Nachhinein sei die Strategie aber sehr klug gewählt: "Im Abwärtstrend wäre es sehr schwierig gewesen, den Franken zu pushen. Im aktuellen Umfeld, wo alles an den Märkten auf die EZB-Entscheidung am Donnerstag wartet, war es deutlich leichter, einen Coup zu landen."

Die Nationalbank hatte bereits im August über einen solchen Schritt nachgedacht, nachdem der Franken fast die Parität zum Euro erreicht hatte. Allerdings griffen zunächst die Interventionen der Bank auf dem Devisenmarkt, der Kurs beruhigt sich zunächst. Doch auch in den nächsten Wochen musste die SNB mindestens drei weitere Male massiv intervenieren.

Interventionen am Devisenmarkt verpufften, Exportmargen leiden

Neue Sorgen über Griechenland und die Angst vor einer Rezession in den USA führten jetzt jedoch, dass erneut große Ströme von Fluchtkapital in die Schweiz strömte, der Franken stieg rasch von 1,17 auf 1,10 Euro.

Um eine weitere Aufwertung nachhaltig zu stoppen griff die Notenbank jetzt zu einer für die Schweiz ungewöhnlichen Maßnahme und legte einen Mindestkurs von 1,20 Euro fest. Nach Einschätzung von Beobachtern stehen dahinter auch politische Erwägungen, im Oktober stehen Nationalratswahlen an. Und zuletzt waren die Exporte der Schweizer Unternehmen stark unter Druck geraten: zwar konnte das Exportvolumen im zweiten Quartal noch gehalten werden, doch schrumpften die Gewinnmarken der Exporteure rasch dahin.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%