Mitt Romney Heuschrecke und Raubtierkapitalist?

Romney soll als Vorsitzender des Finanzinvestors Bain Capital tausende Jobs vernichtet haben. Dadurch wurde er zum Multi-Millionär. Dennoch zahlt er einen geringen Steuersatz als ein Großteil seiner Landsleute.

Millionen von der Wall Street
Die größten Spender von Mitt RomneyNoch liegt Mitt Romney deutlich hinter US-Präsident Barack Obama. Sowohl in der Wählergunst, als auch beim Spendensammeln. Der Amtsinhaber hat bislang Spenden in Höhe von über 86 Millionen US-Dollar eingesammelt. Sein ärgster Herausforderer kommt auf gut 32,2 Millionen US-Dollar. Ein Großteil der Geldgeber des US-Republikaners und ehemaligen Gouverneurs des Bundesstaates Massachusetts, Mitt Romney, stammt von der Wall Street. Größter Sponsor… Quelle: FEC Quelle: dpa
… sind die Angestellten und Mitglieder der Geschäftsführung der New Yorker Investmentbank Goldman Sachs. Von den Beschäftigten des Finanzdienstleisters gingen 354.700 US-Dollar auf das Konto von Romney und dessen Unterstützergruppen ein, listet die „Federal Election Commission“, die Kontrollbehörde für Präsidentenwahlen in den USA auf. Hintergrund: Jede Einzelperson, die mehr als 200 US-Dollar an einen Politiker überweist, muss neben Namen und Wohnort auch ihren Arbeitgeber angeben. Quelle: dapd
Auch den Angestellten der Credit Suisse ist Romney offenbar näher als US-Präsident Barack Obama. Über 250.000 US-Dollar haben Angestellte des US-Ablegers der Schweizer Bank für den US-Vorwahlkampf bereits locker gemacht, 86 Prozent des Geldes floss an die Republikaner. Insgesamt gingen bereits 195.250 US-Dollar an Romney. Grund für den starken Zuspruch der Wall Street: Romney hat einen Master of Business Administration und arbeitete unter anderem für die Unternehmensberatung Bain & Company in Boston. Später war der heute 64-Jährige Gründungspartner der 1984 gegründeten Private-Equity-Gesellschaft Bain Capital. Quelle: rtr
Ähnlich deutlich ist das Votum bei der Geschäftsführung und der Belegschaft der US-Bank Morgan Stanley. Von den über 400.00 US-Dollar Spendengeldern gingen 82 Prozent an die Republikaner. Der größten Teil des Kuchens ging an Romney bzw. an seine Unterstützergruppen. 185.800 US-Dollar spendeten die Banken, um Werbespots, Wahlkampfauftritte und Berater mitzufinanzieren. Quelle: AP Photo
Einzelpersonen dürfen in den USA nicht mehr als 5000 US-Dollar spenden. Jedenfalls nicht direkt an den Kandidaten. An ihrer Stelle springen die so genannten „PACs“ ein, „Political Action Committees“. Diese Lobbygruppen unterstützen Präsidentschaftskandidaten – am liebsten, in denen sie die politischen Gegner in TV-Spots denunzieren. US-Bürger dürfen grenzenlos an diese „PACs“ spenden. Ein besonders großzügiger Gönner ist Hedgefonds-Ikone John Paulson. Der Gründer und Präsident der Investmentgesellschaft „Paulson & Co.“  wurde berühmt, da er während der US-Immobilienkrise rechtzeitig gegen den Häusermarkt gewettet hatte und damit 2007 rund 3,7 Milliarden Dollar verdiente, mehr als jeder andere Hedge-Fonds Manager in dem Krisenjahr. Paulson hat eine Million US-Dollar an die Romney-nahe Gruppierung „Restore Our Future“ gespendet. Quelle: dpa.
Auch der Selfmade-Milliardär und Besitzer des US-Football-Teams Washington Redskins, Daniel Snyder, soll Mitt Romney laut "Washington Post" großzügig unterstützen. Quelle: rtr.
Die Beteiligungsgesellschaft H.I.G. Capital hat Niederlassungen in Miami, Atlanta, Boston, New York und San Francisco, sowie in London, Paris und Hamburg – und verwaltet mehr als 8,5 Milliarden US-Dollar. Im US-Vorwahlkampf haben deren Beschäftigte Mitt Romney bisher mit 186.500 US-Dollar unterstützt. Quelle: rtr.
Die drittgrößte Bank Großbritanniens beschäftigt weltweit knapp 150.00 Mitarbeiter. Der Sitz von Barclays in den USA befindet sich an der Park Avenue in New York. Barclays wurde in einer 2011 an der Eidgenössische Technische Hochschule Zürich veröffentlichen Studie als einflussreichstes Unternehmen der Weltwirtschaft bezeichnet. Die Angestellten des Geldhauses in den USA spendeten bisher bereits 157.750 US-Dollar für die Romney-Kandidatur. Dürfte sich der Republikaner innerhalb seiner Partei durchsetzen, dürften die Zahlen rasant steigen. Es wird erwartet, dass die beiden Kontrahenten um das Weiße Haus in diesem Wahlkampf über 1,5 Milliarden US-Dollar an Spenden einsammeln werden.  Quelle: dpa.
Romney hat nicht nur ein Wirtschaftsstudium abgeschlossen, sondern auch Rechtswissenschaften an der Harvard University erfolgreich studiert. Im Wahlkampf kann der Ex-Gouverneur nun auf seine Berufskollegen zählen. So spendeten die Beschäftigten der Anwaltskanzlei „Kirkland & Ellis“ insgesamt 132.100 US-Dollar für den Romney-Wahlkampf. Nur fünf Unternehmen waren bisher großzügiger.   Quelle: rtr.
Brian Moynihan, CEO der „ Bank of America“, hat in den vergangenen Jahren mehrmals demokratische Politiker finanziell unterstützt. In diesem Jahr hat er offiziell noch keine Spende ausgeschüttet, wohl aber ein Teil seiner mehr als 280.000 Mitarbeiter. 83 Prozent dieser Spenden gingen an die Republikaner, der Großteil an Mitt Romney und seine Initiative „Romney for President“. 126.500 US-Dollar flossen von der Angestellten der „Bank of America“ an Romney und den Romney-freundlichen „PACs“. Quelle: rtr.
Die Beschäftigten des Unternehmens- und Managementberatungs-Netzwerk PricewaterhouseCoopers mit Sitz in New York sind der derzeit achtgrößte Spender Mitt Romneys. 118.250 US-Dollar gingen an den US-Republikaner, auch Geschäftsführer Dennis Nally griff bereits für Romney in seine Tasche. Quelle: rtr.
Bei den Technologiekonzernen hat gemeinhin Barack Obama eine große Anhängerschaft. Die Belegschaften von Microsoft und Google etwa sind Großspender des US-Präsidenten. Nicht so aber die Angestellten der „EMC Corporation“, einem US-amerikanischen Hersteller von Hard- und Software. Nicht nur CEO Joseph Tucci, sondern auch die Belegschaft unterstützen in großer Mehrzahl Mitt Romney. Insgesamt flossen bisher 117.300 US-Dollar an Romney. Der mutmaßliche Grund: Lokalpatriotismus. EMC sitzt in Hopkinton, Massachusetts. Von 2003 bis 2007 war Mitt Romney Gouverneur des Bundesstaates an der Ostküste. Quelle: dpa
Die US-Bank „ JPMorgan Chase & Co.“ mit Sitz in New York ist eine der umsatzstärksten Banken der Welt. Die Großbank gilt offiziell als „systemrelevant“. Das Verständnis von US-Präsident Barack Obama für die „Occupy Wall Street“-Bewegung kam bei deren Belegschaft offenbar nicht gut an. Die Angestellten von JP Morgan unterstützen zumindest bislang hauptsächlich den möglichen Obama-Herausforderer Mitt Romney. 112.250 US-Dollar flossen bislang an den Republikaner. Quelle: rtr.

Der Kapitalismus habe Amerika groß gemacht, er sei das Gerüst des „American Dream“, erklärt eine Stimme im Off. Doch gierige Manager hätten den Kapitalismus missbraucht. Angestellt bei Private-Equity-Gesellschaften hätten sie Milliarden von US-Dollar verdient – auf dem Rücken des ehrlichen Arbeiters. So wie Mitt Romney.

28 Minuten dauert der Wahlkampf-Spot „When Mitt Romney came to town“, ein teuer gedrehter Dokumentarfilm. Er zeigt den Aufstieg des republikanischen Präsidentschaftskandidaten zum Multi-Millionär – und erhebt den Vorwurf, Romney sei eine Heuschrecke, die Zehntausende von Jobs vernichtet hätte.

Ärger um soziale Ungerechtigkeit wächst

Für Mitt Romney könnte es keinen schlimmeren Vorwurf geben. Schließlich stagniert die Arbeitslosigkeit in den USA auf hohem Niveau. Die Mittelschicht schrumpft, der Ärger um soziale Ungerechtigkeit wächst. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wird aller Voraussicht nach das zentrale Wahlkampfthema in diesem Jahr. Verdichten sich die Heuschrecken-Vorwürfe, dürfte Romney keine Chance auf den Einzug ins Weiße Haus haben.

Die parteiinternen Gegner hoffen gar, dass sie mit diesem Thema den Favoriten noch vom Thron stoßen und selbst in das Duell mit Barack Obama einziehen können. Allen voran Newt Gingrich, aus dessem Umfeld der Wahlspot kommt. Konkret wurde das Anti-Romney-Video von der Super-PAC „Winning our future“, einer Lobbygruppe, die den US-Republikaner Newt Gingirch unterstützt, finanziert und umgesetzt. Schon bei der nächsten Vorwahl, am Wochenende in South Carolina, hofft Gingrich auf einen ersten Erfolg.

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