Nach Amoklauf in Florida Amerikanische CEOs fordern schärfere Waffengesetze

Nach der tödlichen Schießerei in den USA verlangt Michael Bloomberg strengere Waffenkontrollen. Auch andere CEOs melden sich zu Wort.

„Schreckliche Tragödie in Florida heute. Diese Gewalt und der Hass müssen aufhören.“ Quelle: Reuters

New YorkAm Tag nach dem Amoklauf mit 17 Toten an der High School in der Kleinstadt Parkland in Florida spielt sich in Amerika das gleiche Spiel ab, wie nach jeder dieser Tragödien: Die einen fordern mehr Waffenkontrollen, die anderen verteidigen das zweite Amendement, das den Amerikanern das Recht auf Waffenbesitz zusichert. Alle beten. Aber nichts passiert.

Doch diesmal melden sich auch einige Unternehmenslenker zu Wort und fordern die Politik zum Einlenken auf. So auch Marc Benioff. Der Chef des Software-Unternehmens Salesforce twitterte ein Bild des Sturmgewehrs AR-15, das in Florida zum Einsatz kam. Dazu schrieb er: „Das AR-15 ist das beliebteste Gewehr in Amerika. Verbieten!“

Bereits am Mittwoch hatte John Legere, der CEO der amerikanischen Telekom-Tochter T-Mobile, getwittert: „Schreckliche Tragödie in Florida heute. Diese Gewalt und der Hass müssen aufhören.“

Michael Bloomberg, Gründer und CEO der gleichnamigen Nachrichtenagentur und ehemaliger Bürgermeister New Yorks, meldete sich mit zwei Tweets und konkreten Forderungen zu Wort. „Wir müssen von unserer Regierung verlangen, zum Schutz der Bürger zu handeln.“ Dabei verwies er auf die beiden Initiativen „Everytown“ und „Moms Demand“, die sich beide für strengere Regelungen beim Waffenbesitz einsetzen.

Bloomberg rief dazu auf, sich an den Veranstaltungen der beiden Organisationen zu beteiligen, die „eine vernünftige Lösung für das Problem der Waffengewalt“ forderten. Am Donnerstagabend legte er noch einmal nach: „Schlauere Waffengesetze, die uns schützen, sind möglich – aber nur, wenn wir uns engagieren und die Stimme erheben“, twitterte er und verwies auf einen Kommentar der Bloomberg-Redaktion.

„Die Waffenlobby und die extreme Waffenkultur, die sie schafft, wird die US-Waffengesetze nicht für immer bestimmen“, schreiben die Redakteure im Namen von Bloomberg in ihrem Kommentar. Einzelne Staaten hätten gezeigt, dass man Waffen limitieren kann – egal, was die Regierung in Washington macht.

Michael Bloomberg selbst war lange auf dem republikanischen Ticket Bürgermeister von New York. Die Stadt hat extrem strenge Waffengesetze und vergleichsweise wenig tödliche Schießereien gemessen an der hohen Bevölkerung.

Der CEO des Football-Teams Miami Dolphins, Tom Garfinkel, fragte auf Twitter: „Wie können wir das stoppen? Wann wird es proaktiven Wandel von unseren Anführern aus der Regierung geben, um die Komplexität anzugehen, weshalb das passiert? Wir beten für die Betroffenen in Parkland. Und von Orlando, und Colombine, und Sandy Hook, und jeder anderen sinnlosen und tragischen Schießerei.“

US-Präsident Donald Trump sieht die Lösung des Problems derweil offenbar in der Behandlung von geistigen Krankheiten. Der jüngste Todesschütze Nikolas Cruz war wohl psychisch auffällig. In einem Tweet thematisierte Trump das. „So viele Zeichen, dass der Florida-Schütze geistig gestört war, sogar wegen schlechten und unberechenbaren Verhaltens der Schule verwiesen wurde“. Trump nannte den Schützen „ein großes Problem“ und forderte dazu auf, „solche Auffälligkeiten“ stets den Behörden zu melden.

Von strengeren Waffengesetzen hält der US-Präsident indes nichts. Im April 2017 versprach Trump der US-Waffenlobby National Rifle Association, dass er „niemals das Recht der Menschen beschneiden wird, Waffen zu besitzen“.

Daran hat er sich bisher gehalten. Er hat sogar ein Obama-Gesetz rückgängig gemacht, dass Menschen mit psychischen Störungen den Zugang zu Waffen erschweren sollte. In seiner Rede zu der jüngsten Schießerei in Florida hat er das Wort Waffe nicht einmal in den Mund genommen.

Die Waffenlobby dankte es ihm bereits. „Die Tatsache, dass der Präsident nicht über Gewehre gesprochen hat, war gut“, sagte Chris Waltz, Präsident der AR-15 Gun Owners of America. Die Organisation vertreibt unter anderem halbautomatische Gewehre und hat nach eigenen Angaben 500.000 Anhänger. „Er war bisher der Präsident, der bei Waffenfragen die klarste Meinung hat, im Hinblick auf die Verteidigung des zweiten Amendements“, lobte Waltz den Präsidenten Trump gegenüber dem Fernsehsender NBC .

Auch Trumps Republikaner-Kollegen sprechen lieber vom „Bösen“, das in Florida zugeschlagen hat, statt von Waffenkontrollen. Nur Finanzminister Steven Mnuchin wagte etwas kritischere Töne: „Es ist eine Tragödie, was wir gestern gesehen habe und ich rufe den Kongress auf, sich diese Dinge anzuschauen“. Was immer das heißen mag.

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