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Nach Giftanschlag Britischer Außenminister droht Putin-Freunden

Boris Johnson will als Vergeltung auf den Giftanschlag auf den Agenten Skripal reiche Putin-Freunde, die in Großbritannien leben, zur Rechenschaft ziehen.

Der britische Außenminister droht reichen Russen in London, die Verbindungen zu Putin haben, mit Ermittlungen. Quelle: dpa

Nach dem Giftanschlag auf den russischen Doppelagenten Sergej Skripal in Großrbritannien droht der britische Außenminister Boris Johnson: „Was die Bürger sehen wollen, ist, dass die Justiz von reichen Putin-Freunden Nachweise über ihr Vermögen verlangt und sie bei Verdacht auf Korruption vors Gericht bringt“, sagte er in einem BBC-Interview.

Der 66-jährige Ex-Spion Sergej Skripal und seine 33-jährige Tochter Julia waren am 4. März vor einem Einkaufszentrum in der südenglischen Stadt Salisbury bewusstlos aufgefunden worden. Sie kämpfen seitdem in einer Klinik um ihr Leben. Bei dem Anschlag wurde nach britischen Angaben ein Mittel aus der Gruppe der Nowitschok-Nervengifte eingesetzt, die das sowjetische Militär in den 70er und 80er Jahren entwickelt habe.

Großbritannien macht Russland für den Anschlag verantwortlich und hat als Reaktion darauf die Ausweisung von 23 russische Diplomaten angekündigt. Bei den betroffenen Diplomaten handele es sich um Geheimdienstoffiziere. Außerdem sollen alle bilateralen Kontakte zu Russland auf hochrangiger Ebene ausgesetzt werden, sagte May im britischen Unterhaus in London.

May kündigte noch weitere Strafmaßnahmen an, darunter schärfere Grenzkontrollen und das potenzielle Einfrieren von Vermögen. Auch werden weder Minister noch Mitglieder der Königlichen Familie im Sommer zur Fußballweltmeisterschaft reisen, die erstmals in Russland ausgetragen wird.

Rückendeckung erhielt London von den USA. Während einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats hat die UN-Botschafterin der USA, Nikki Haley, gefordert, „umgehend konkrete Maßnahmen“ in dem Fall zu ergreifen. Das Präsidialamt in Washington erklärte am Mittwoch, Mays Entscheidung, 23 Diplomaten auszuweisen, sei eine „gerechte Antwort“.

Russland hingegen weist jede Anschuldigung von sich und will bald auf die Ausweisung der Diplomaten reagieren, heißt es in einer Regierungsmitteilung aus Moskau. Das Vorgehen Londons sei eine „beispiellose grobe Provokation“. Es sei inakzeptabel, dass die britische Regierung zu derartigen Mitteln greife.

London wolle lediglich seine eigenen politischen Interessen durchsetzen und opfere dafür die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. „Die gesamte Verantwortung für den Niedergang der russisch-britischen Beziehungen liegt bei der derzeitigen politischen Führung Großbritanniens, “ sagte der russische Botschafter in London Alexander Jakowenko, sagte dem Sender Sky News. Russland kündigte einen diplomatischen Gegenschlag an.

Während der UN-Sitzung am Mittwoch forderte der russische UN-Vertreter Wassili Nebensia zudem eine Offenlegung der angeblichen Beweise. Russland hat im Rat ein Veto-Recht.

Zurückhaltender äußerte sich Frankreich. Außenminister Jean-Yves Le Drian vermied es, Russland als Drahtzieher des Anschlags zu bezeichnen.

In den kommenden Stunden werde man sich „auf höchster Stufe“ mit den britischen Behörden austauschen, um eine Reaktion zu koordinieren, sagte Le Drian vor einem Treffen mit seinem neuen deutschen Kollegen Heiko Maas in Paris. Für diesen Donnerstag ist ein Gespräch zwischen Präsident Emmanuel Macron und May angesetzt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte von Russland volle Zusammenarbeit und Transparenz zur Aufklärung des Giftanschlags. „Wir nehmen die Befunde der britischen Regierung sehr ernst“, sagte sie in der ARD. Maas erklärte: „Dieser Anschlag darf nicht ohne Folgen bleiben. Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden.“

EU-Ratspräsident Donald Tusk sagte, die Attacke werde Thema beim EU-Gipfel der nächsten Woche.

Die Briten wollen nun weitere etwa 14 Todesfälle im Land mit einer möglichen Verbindung nach Russland erneut untersuchen, wie Innenministerin Amber Rudd ankündigte. In einem Tweet veröffentlichte das Ministerium ein Video, in dem es eine Reihe von - nach britischer Auffassung- russischen Angriffen auf andere Länder aufzählt.

Das Video endet mit der Aussage: „Der Kreml will das regelbasierte System internationalen Rechts abbauen.“ Teilweise reichen die Fälle mehr als zehn Jahre zurück. Darunter sind auch prominente Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin, etwa der Oligarch Boris Beresowski.

Ein Vertrauter Beresowskis, der Geschäftsmann Nikolai Gluschkow, wurde vor wenigen Tagen tot in seinem Haus in London entdeckt. Die Todesursache war am Dienstag noch unklar.

Die Anti-Terror-Polizei übernahm aber vorsichtshalber die Ermittlungen, sieht aber derzeit keine Verbindung zu dem Attentat in Salisbury. 2004 war er in Russland zu drei Jahren und drei Monaten Haft nach Vorwürfen von Betrug und Geldwäsche verurteilt worden. 2010 erhielt er in Großbritannien Asyl.

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