WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Naher Osten Die Ölmonarchie Saudi-Arabien

Seite 2/3

Ertragsquellen der saudi-arabischen Wirtschaft

Hinzu kommt ein 400 Milliarden Euro schweres Langfristprogramm für den Ausbau des Elementarschulsystems. In die Eliteausbildung hat der saudische Staat in den vergangenen Jahren gewaltig investiert – die neue King Abdullah University of Science and Technology bei Dschidda ist dafür das beste Zeichen. An der Basis des Bildungswesens hat sich dagegen wenig getan, es gibt immer noch 20 Prozent Analphabeten im Land. Hier sieht der Herrscherclan eine Keimzelle für Proteste – und will sicherheitshalber gegensteuern.

Nennenswerte Unruhen hat es im Königreich bisher kaum gegeben, was den Westen insgeheim freut, denn Instabilität beim größten Öllieferanten der Welt würde den Ölpreis in schwindelerregende Höhen treiben. Aufrufe im Internet führten nur in der Ostprovinz Saudi-Arabiens zu regimekritischen Demonstrationen, die schnell und hart niedergeschlagen wurden. Das ist die Region der großen Ölfelder, aber auch das Wohngebiet der diskriminierten Minderheit der Schiiten.

Die saudischen Medien tun so, als habe die Konfrontation mit konfessionellen Gegensätzen zu tun. Auf diese Weise will sich die Herrscherfamilie die Sympathie des großen Verbündeten USA sichern: Niemand weiß, wie eng sich die arabischen Schiiten an ihre Glaubensbrüder im Iran anlehnen, und die Vorstellung, Präsident Ahmadinedschad und seine Mullahs bekämen Einfluss auf die Ölfelder der Saudis, ist ein Horrorszenario für den Westen.

Keine politischen Reformen

Und was ist mit Reformen? An eine Demokratisierung denkt Abdullah nicht, wohl aber will er die Wirtschaft diversifizieren – weg von der Erdöl-Monokultur, die fast 40 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht, und hin zu einer umfassenden Industrialisierung. Rund um das Erdöl arbeiten in Saudi-Arabien fast nur Ausländer, schlecht bezahlte Hilfskräfte aus Asien und eine kleine Zahl von Spezialisten vor allem aus westlichen Ländern. Für die 500.000 jungen Einheimischen, die Jahr für Jahr auf den Arbeitsmarkt drängen, fehlt es hingegen an Jobs.

Um das Herrschaftssystem vor dem Zerfall zu bewahren, drängt der König zumindest auf ökonomischen Wandel. Unter seinen 16 Brüdern und den vielen Hundert Neffen ist diese Strategie allerdings umstritten. Die konservativeren Prinzen fürchten vom wirtschaftlichen Wandel und dem Ausbau des Bildungssystems eine Aufweichung der mittelalterlich anmutenden Religionsverfassung. Auch die Furcht, die arabischen Unruhen könnten mithilfe des Internets doch noch ins Land schwappen, gibt den Konservativen Auftrieb. Abdullah – im Vergleich zu seinen Brüdern immer einer der Fortschrittlicheren – nimmt darauf Rücksicht. Darum der saudische Militärschlag gegen die Opposition im Nachbarland Bahrain, aber auch die verschärfte Verfolgung der schwachen Opposition im eigenen Land.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%