Neue Syrien-Strategie USA unterstützt Kämpfer direkt

Sie sollten das „beste Gegengewicht“ sein zu den Horden des IS: von den USA trainierte syrische Rebellen. Nun stoppt Washington das Programm, schwenkt um - und unterstützt kämpfende Einheiten direkt.

Einheiten der kurdischen Peschmerga am Stadtrand von Kirkuk im Irak. Quelle: dpa

Die USA vollziehen im Kampf gegen die Terrormiliz IS in Syrien einen Strategiewechsel. Das 500 Millionen teure Programm für Training und Ausbildung gemäßigter syrischer Rebellen wird ausgesetzt. Stattdessen unterstützt Washington nun vor Ort Einheiten, die gegen den islamischen Staat (IS) kämpfen, direkt mit Waffen, Ausrüstung und auch aus der Luft.

Das Weiße Haus beschrieb diesen Schwenk als „breitere Strategie“. Zuvor hatte das Pentagon erklärt, die bisherigen Ansätze würden angesichts einiger Herausforderungen weiterentwickelt.

Diese IS-Führer sucht die USA

Die USA hatten sich von dem Rebellentraining im Anti-IS-Kampf viel versprochen. Tatsächlich war die Zahl derer, die das Programm erfolgreich durchliefen, jedoch sehr viel geringer als erwartet. Bis zu 5000 Mann sollten pro Jahr ausgebildet werden, tatsächlich waren es aber nur ein paar Handvoll.

Stattdessen wurde von Überläufern aus dem Programm zum IS ebenso berichtet wie von Waffen, die von den USA für die Rebellen gedacht waren, aber beim IS landeten.

Das Pentagon erklärte nun, man werde im Kampf gegen den IS in Syrien auf Fortschritte etwa in der Unterstützung kurdischer Kämpfer in der an der Grenze zur Türkei gelegenen nordsyrischen Stadt Kobane setzen.

Man werde deswegen „überprüfte Anführer“ und deren Einheiten mit Ausrüstung und Waffen ausstatten. Diese sollen aus dem bisherigen Programm für die Rebellen kommen. Pentagon und Weißes Haus nannten keine Namen von Gruppen oder Anführern.

Der stellvertretende Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, Ben Rhodes, sagte am Freitag im Weißen Haus in einer Schaltkonferenz: „Wir sehen, dass es dort die größten Fortschritte gibt, wo es bereits einen direkten Kampf mit dem IS am Boden gibt.“

Unabhängig vom Schwenk in der Strategie beharrten die USA auf einer politischen Lösung.

Rhodes sagte, die Strategie im Kampf mit dem IS werde auch weiter ständig überprüft. „Das ist ein andauernder Prozess. Die Situation in Syrien ist ungeheuer komplex und dynamisch. Das ist ein sehr, sehr herausforderndes Schlachtfeld.“

Die USA sind seit längerem von mehreren Seiten mit Forderungen konfrontiert, mit eigenen Bodentruppen in den syrischen Konflikt einzugreifen. Dagegen sperrt sich Obama. Der jetzige Schwenk erkennt aber an, dass ein Kampf gegen den IS nur aus der Luft schwer zu gewinnen ist.

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Verteidigungsminister Ashton Carter erklärte: „Ich bleibe davon überzeugt, dass eine endgültige Niederlage des IS in Syrien zum Teil vom Erfolg örtlicher, motivierter und fähiger Bodentruppen abhängt.“ Er glaube, dass der Strategiewechsel die Anti-IS-Kräfte stärke.

Christine Wormuth aus dem Pentagon sagte: „Wir sind umso erfolgreicher, je lernfähiger wir sind.“ Sie sprach von bedeutenden Herausforderungen für die Strategie vor Ort und fügte hinzu: „Wir bauen darauf auf, was für uns funktioniert.“

Das Pentagon erklärte, Ziel sei, dass die neu ausgestatteten Gruppen gemeinsam gegen IS-kontrolliertes Gebiet vorgingen. Das Weiße Haus sagte, man werde den Weg dieser Ausrüstung verfolgen.

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