WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Neue Wirtschaftsbücher über China Wie ein Zahnarzt den Zensoren die Zähne zieht

Seite 2/2

Deutsche Kritiker haben Yu Huas Erzählung schon mit der Blechtrommel von Günter Grass verglichen.

Tatsächlich bedienen sich sowohl das Original als auch der Übersetzer einer schonungslos derben Sprache. An die intimen, teils abstoßenden Details, gewöhnt sich verständlicherweise nicht jeder. Die akribischen Beschreibungen von absurden Unfällen und Racheakten sadistischer Dorfbewohner ziehen Täter aber auch Opfer bewusst ins Lächerliche.

Nüchtern-ökonomisch schreibt dagegen der chinesisch-amerikanische Wirtschaftsprofessor Yasheng Huang von der Managementhochschule des Massachusetts Institute of Technology. In "Capitalism with Chinese Characteristics" (Cambridge University Press) zeigt

Huang, dass die kommunistische Partei trotz Öffnung und Liberalisierung nach wie vor in vielen Wirtschaftsbereichen die Zügel in der Hand hält.

Neben der Kontrolle wirtschaftlicher Rahmenbedingungen sind die Mehrheiten an den wichtigsten und größten Konzernen Staatseigentum, auch wenn die ehemaligen Konglomerate nun rechtlich und organisatorisch wie Privatunternehmen aufgebaut sind.

Nur ein kleiner Teil des Firmenkapitals wird zum freien Börsenhandel zugelassen. Zudem bestimmen die Kader, wer in die Vorstandsetagen aufrückt.

Die deutsche Journalistin Petra Kolonko zeigt die Geschwindigkeit, mit der sich die wohlhabenden Bewohner chinesischer Großstädte an den Massenkonsum westlichen Vorbilds gewöhnen. Ihr aktuell erschienenes Lesebuch "Mao’s Enkel" (C. H. Beck) schildert etwa, wie das eigene Auto zum Statussymbol wird und mit welchen Mitteln reiche Chinesen um Nobelappartements in den Metropolen feilschen. Den Buchdeckel ziert eine Designerhandtasche - gespickt Konterfeis des Großen Vorsitzenden Mao. Den Kontrast bilden die Probleme der armen Landbevölkerung.

Durch das strenge chinesische Meldewesen an ihr Heimatdorf gebunden, können sie nur warten, bis sich der Wohlstand irgendwann einmal bis vor ihre Haustür ausbreitet. Die Jungen und Ungeduldigen unter ihnen, die jetzt schon ihr Stück vom Kuchen wollen, müssen als illegale Wanderarbeiter auf den städtischen Baustellen anheuern. Die Lektüre lässt ahnen, dass es noch lange dauern wird, bis die starken Gegensätze in Chinas Gesellschaft überwunden sind.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%