New York Notes

Freie Bahn für Big Oil – aber nicht überall

Angela Hennersdorf
Angela Hennersdorf Redakteurin Unternehmen & Märkte

Der niedrige Gaspreis in den USA treibt die Schiefergas-Pioniere ins Aus, die Förderung rechnet sich nicht. Für katastrophengeplagte Öl-Multis wie Chevron ist das die große Chance.

Chefron-Chef John S. Watson setzt auf Öl- und Gasquellen in den USA. Quelle: REUTERS

Ginge es nach Chevron-Chef John S. Watson, dann ließen sich in Amerika in null-komma-nix Millionen von neuen Arbeitsplätzen schaffen: „Überall im Land gibt es vielversprechende Öl- und Gasquellen, würden wir sie alle ausbeuten, könnten wir in den USA Millionen von neuen Jobs schaffen“, sagte Watson in dieser Woche in New York.

Öl und Gas beteuert der Top-Manager, seien die Energiequelle der Zukunft, Amerika müsse alles tun, um diese Vorkommen auszubeuten. Von alternativen Energiequellen hält der Öl-Manager nicht viel – die seien auf lange Sicht noch nicht konkurrenzfähig. Gerade einmal ein bis zwei Prozent investiere Chevron in erneuerbare Energien, so genau wollte er sich da nicht festlegen.

Öl-Multis kassieren Steuervergünstigungen in Milliardenhöhe in den USA

Watson, Chef des weltweit viertgrößten Öl-Multis Chevron, und nach Exxon Mobil Nummer zwei in den USA, gehörte zu der ersten Truppe von amerikanischen Unternehmenschefs, die US-Präsident Barack Obama direkt in der ersten Woche nach seiner Wiederwahl am 6. November zum Ideenaustausch in Washington empfing.

Ausgerechnet Chevron? Die Öl-Multis hatte Obama während des Wahlkampfes immer wieder heftig kritisiert, weil sie trotz hoher Profite enorme Steuererleichterungen vom Staat erhalten. Chevron meldete im dritten Quartal 2012 einen Gewinn von rund fünf Milliarden Dollar und einen Umsatz von 56 Milliarden Dollar.

Verborgener Schatz

Der amerikanische Thinktank „Center for American Progress“ hat die Details über die Steuergeschenke an die Öl-Industrie sehr schön aufgelistet. Da kommen für die Branche in den USA Ersparnisse in zweistelliger Milliardenhöhe zu Tage. Diese Schlupflöcher wollte Obama nach seiner Wiederwahl mal sofort streichen – doch davon ist nach der Wahl nicht mehr die Rede.

„Der Präsident hat uns bei dem Treffen nach der Wahl in Washington gut zugehört“, sagt Watson. Schließlich erwirtschafte Chevron zwar mehr als 70 Prozent seines Umsatzes im Ausland, beschäftige aber 50 Prozent seines Personals in den USA. Das Steueraufkommen des Konzerns liege bei mehr als 40 Prozent. „Fragen Sie mal bei Apple nach, wie hoch das bei denen ist. Wir wollen wie alle anderen behandelt werden.“ Chevron sei ein vorbildlicher Exporteur amerikanischer Unternehmenskultur in alle Welt, befindet Watson stolz.

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