Nord- und Südkorea US-Diplomatie arbeitet gegen Annäherung

Die Schwester des nordkoreanischen Machthabers ist in Südkorea zum Essen geladen. Bei Olympia treten beide Länder teilweise gemeinsam an. Die USA ist aber weiter misstrauisch. Pjöngjang sei kriegslüstern.

Der US-amerikanische Vizepräsident fordert im öffentlichen Gespräch von Südkoreas Präsidenten eine harte Haltung gegen über dem Norden. Quelle: AP

SeoulInmitten einer innerkoreanischen Annäherung am Vorabend der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang hat US-Vizepräsident Mike Pence Südkorea zu einer harten Haltung gegenüber dem Norden gedrängt. Bei einem Treffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In am Donnerstag in Seoul gratulierte er Südkorea öffentlich dazu, Gastgeber des sportlichen Großereignisses zu sein, betonte aber auch, dass für Seoul und Washington allerhöchste Priorität haben sollte, Pjöngjang zur Aufgabe seines Atomwaffenprogramms zu bringen.

Aus Kreisen amerikanischer Diplomaten verlautete, hinter verschlossenen Türen in Moons Präsidentensitz habe Pence Klartext geredet: Nordkorea habe Phasen diplomatischer Annäherung in der Vergangenheit mit „vorsätzlichem Betrug, gebrochenen Versprechen und endlosen und eskalierenden Provokationen“ beantwortet. Dabei sei Pjöngjang kriegslüstern und habe Atomwaffen.

Moon ließ dennoch mitteilen, dass er am Samstag mit der bereits zur Eröffnungsfeier der Spiele erwarteten Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, Kim Yo Jong, zu Mittag essen wolle. Pence gegenüber betonte er, die Anwesenheit einer nordkoreanischen Delegation und die gemeinsame Wettkampfteilnahme eines Frauen-Eishockeyteams mit Spielerinnen aus Nord und Süd machten Pyeongchang zu „Olympischen Spielen des Friedens“. Pyeongchang solle ein Ort werden, „der zu Dialog und zur Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel führt“.

Pence warnte dagegen vor nordkoreanischer „Propaganda“ rund um die Spiele. Auch er nimmt am Freitag an der Eröffnungsfeier teil und schloss ein Treffen mit nordkoreanischen Vertretern nicht aus. „Wir haben kein Treffen mit Nordkorea angefragt, aber sollte ich irgendeinen Kontakt mit ihnen in den nächsten zwei Tagen haben, wird meine Botschaft dieselbe wie heute sein: Nordkorea muss ein für alle Mal seine nuklearen Ambitionen und ballistische Raketen aufgeben“, sagte er am Mittwoch. In Tokio kündigte er die „härtesten und aggressivsten Sanktionen“ an, die von den USA bisher gegen Nordkorea verhängt wurden.

Pjöngjang ließ wissen, dass es an einem Treffen mit Pence nicht interessiert sei. „Wir werden ein Sportfest wie die Olympischen Winterspiele nicht als politischen Hebel nutzen. Dafür gibt es keinen Grund“, verlautete es frostig aus Regierungskreisen in Pjöngjang.

Dort fand am Vorabend der Spiele eine Militärparade statt. Kim sagte in einer Ansprache, der Aufmarsch habe Nordkoreas Stärke als „globale Militärmacht“ demonstriert.

Pence will sich am Freitag in Seoul mit nordkoreanischen Überläufern treffen und ein Denkmal für 46 südkoreanische Seeleute besuchen, die 2010 beim Untergang ihres Schiffs umkamen. Für die Tragödie wird Nordkorea verantwortlich gemacht.

Nordkorea entsendet 22 Athleten nach Pyeongchang. Hinzu kommen mehr als 400 Musiker, Sänger, Kampfsportler und Cheerleader.

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