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Nordkorea (Teil II) Eine Zeitreise in die DDR

Unser Chefreporter hatte die seltene Gelegenheit, Nordkorea zu besuchen. Im zweiten Teil seines Reiseberichts kommt es zur Begegnung mit Politikern, dem Parlament und Arbeitern auf dem Feld.

Ein Blick hinter die Kulissen von Nordkorea
Pjöngjang Quelle: Frank Zauritz für WirtschaftsWoche
Hochhäuser in Pjöngjang Quelle: Frank Zauritz für WirtschaftsWoche
Bilder von Kim Il-sung (links) und Kim Jong-il (rechts) Quelle: Frank Zauritz für WirtschaftsWoche
Speisesaal des Ausländer-Hotels Koryo Quelle: Frank Zauritz für WirtschaftsWoche
Eine Frau mit Sonnenschirm Quelle: Frank Zauritz für WirtschaftsWoche
Junge Frauen Quelle: Frank Zauritz für WirtschaftsWoche
Leute auf Betonbänken auf dem Vorplatz des Bahnhofs von Pjöngjang Quelle: Frank Zauritz für WirtschaftsWoche

Es ist schon erstaunlich, wie gut man auf Stroh schläft. Als ich gestern Abend das Stroh im Kissen meines Hotelbetts rascheln hörte, dachte ich: So schläfst du nie ein. Zumal ich da in Gedanken noch bei den Wanzen war, die irgendwo sein müssen. Bilderrahmen und Rauchmelder hatte ich bereits gründlich inspiziert – bis mich schließlich der Jetlag ins Bett warf und im Hotel „Koryo“ wunderbar ausschlafen ließ.

Es ist Freitagmorgen, der erste Höflichkeitsbesuch steht an. In der Obersten Volksversammlung empfängt uns Ri Jong Hyok, der Vorsitzende der koreanisch-deutschen Parlamentariergruppe und damit der offizielle Gegenüber von Hartmut Koschyk, der die Gruppe im Bundestag leitet. Lotusblumen trennen die Vertreter zweier völlig konträrer politischer System voneinander, drei pinkfarbene Grazien servieren Tee. Koschyk, ein jovialer Franke aus Bayreuth, bereist seit 2002 die Diktatur im Norden Koreas. Er sieht sich als „ehrlichen Ratgeber“ und hofft, mit vielen Gesprächen in Nord- wie Südkorea wenigstens ein bisschen zur Verständigung der beiden zerstrittenen Staaten beizutragen.

Eindrücke aus Nordkorea

Wie weit dieser Weg ist, ahne ich nach wenigen Sätzen. Der Abgeordnete fabuliert von Wahlen und unabhängigen Parteien; ökonomisch habe man unter dem „respektierten Marschall Kim Jong-un große Fortschritte gemacht und neulich sogar eine Nanotechnologiebehörde gegründet. Das klingt geradezu bizarr, wenn man weiß, dass mindestens 40 Prozent der Nordkoreaner akut Hunger leiden.

Später merkt Ri Jong Hyok aber auch an: „Um den Produktionswillen der Bauern zu steigern, haben wir einen Wandel in Landwirtschaft und Fischerei herbeigeführt.“ Damit meint er, dass die Farmer nicht mehr jedes Korn nach Plan abliefern müssen, sondern bei Plan-Übererfüllung ihre Güter am Markt verkaufen können. Das, so verstehe ich später, sind erste Trippelschritte von der Plan- zur Marktwirtschaft.

Im Parlament fühle ich mich, als hätte uns eine Zeitmaschine in die Vergangenheit katapultiert, und zwar nach Ostberlin: Die altmodisch-grünen Sessel im großen Saal stammen dem Design nach aus frühen DDR-Zeiten; vielleicht ein Geschenk von Erich Honecker. Die klobigen Dinger sind bequem und ich verstehe sofort, wie darin ein Minister der Müdigkeit buchstäblich zum Opfer fallen kann. Und das, obwohl durchs Fenster des Gebäudes die Propagandalieder der Straße hallen.

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