Nordkorea Trump und G7 erhöhen den Druck auf Pjönjang

Die Krise um Nordkorea spitzt sich zu. Die USA senden Flugzeugträger, die G7 deutliche Worte. Washington sieht Peking in einer Schlüsselrolle zur Lösung des heiklen Problems.

US-Präsident Trump verlangt von China, seinen Einfluss auf Nordkorea geltend zu machen. Quelle: AP

Die USA haben den Druck auf Nordkorea deutlich erhöht und dafür wütende Reaktionen aus Pjöngjang geerntet. US-Präsident Donald Trump forderte am Dienstag China auf, seinen Einfluss auf Nordkorea geltend zu machen und bei der Lösung des Problems mitzuhelfen. „Andernfalls lösen wir das Problem ohne sie“, schrieb Trump auf Twitter. Nordkorea arbeitet an der Entwicklung von Raketen, die mit einem Atomsprengkopf bestückt sind und außer Südkorea und Japan auch die USA treffen können.

Die USA hatten kurz zuvor als Reaktion auf nordkoreanische Raketentests einen Flottenverband in Richtung der koreanischen Halbinsel entsandt, dazu gehört auch der Flugzeugträger „USS Carl Vinson“. Dies hatte zu empörten Reaktionen der nordkoreanischen Führung geführt.

Nordkorea werde die „härtesten Gegenmaßnahmen gegen die Provokateure treffen, um uns mit starker Waffenmacht zu verteidigen“, erklärte das Außenministerium am späten Montagabend. Sollten die USA „für eine militärische Aktion optieren“, sei die Volksrepublik zur Reaktion auf jede von den USA gewünschte Art von Krieg bereit, wurde ein Sprecher von Staatsmedien zitiert.

Die Gruppe sieben führender westlicher Staaten (G7) verurteilte die nordkoreanischen Atom- und Raketentests aufs Schärfste. Die „dramatische Zunahme“ dieser Tests seit Anfang 2016 verletze internationale Abkommen und bedrohe die regionale Sicherheit zunehmend, heißt es in der Abschlusserklärung des G7-Außenministertreffens im italienischen Lucca. Die Gruppe fordert Nordkorea darin auf, auf weitere Tests zu verzichten, existierende Atomwaffen zu vernichten und alle Programme zur Entwicklung solcher Waffen abzubrechen.

Südkoreanische Sender berichteten unter Berufung auf Militärs, der Marineverband um den Flugzeugträger „USS Carl Vinson“ werde voraussichtlich am Wochenende in Gewässern nahe der Halbinsel eintreffen. Nach neuen Raketentests durch Nordkorea hatten die USA am Samstag den Flugzeugträger samt seiner Begleitschiffe in Richtung Korea in Bewegung gesetzt. Die Gruppe war nach Angaben des US-Militärs in Singapur nach Norden ausgelaufen, um im westlichen Pazifik Position zu beziehen.

Die Maßnahme wird als Stärke-Demonstration der USA gegenüber der kommunistischen Regierung in Pjöngjang verstanden. Sie löste in der Region auch Besorgnis wegen eines möglichen Militärschlags aus. Das Raketen- und Atomprogramm Nordkoreas wird in Ostasien und darüber hinaus als große Bedrohung gesehen.

Die bisherigen Machthaber Nordkoreas

Nordkorea hatte in der vergangenen Woche zum wiederholten Mal gegen UN-Resolutionen verstoßen und eine ballistische Testrakete in Richtung offenes Meer feuern lassen. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Aktion. Nach Einschätzung von US-Experten trifft das Land derzeit Vorbereitungen für einen weiteren Atomtest.

Südkorea geht nicht davon aus, dass die USA ohne „enge Zusammenarbeit“ mit Seoul zu einem größeren Militärschlag gegen Nordkorea ausholen würden. „Solch ein Militäreinsatz, wenn überhaupt, erfolgt auf der Grundlage der gemeinsamen Verteidigungsstellung“, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Moon Sang Gyun, in Seoul. Zugleich versuchte er Gerüchte in den sozialen Medien über eine akute Sicherheitskrise einzudämmen. Das Ministerium mahne zur Vorsicht bei übertriebenen Einschätzungen der Sicherheitslage.

Die größten Flugzeugträger der Welt
USA: USS Carl VinsonDie Träger der US-amerikanischen Nimitz-Klasse, wie hier die USS Carl Vinson, sind die größten Kriegsschiffe der Welt. Angetrieben von zwei Atomreaktoren und vier Dampfturbinen, haben sie bis zu 6300 Mann Besatzung. Das letzte Schiff dieser Klasse kostete 6,3 Milliarden US-Dollar. Die monatlichen Betriebskosten eines Flugzeugträgers dieser Größe betragen ca. 13 Mio. Dollar. Die Träger dieser Klasse sind zeitlich nahezu unbegrenzt einsetzbar. Die Schiffe sind für eine Nutzungsdauer von rund 50 Jahren ausgelegt. Zehn Schiffe der Nimitz-Klasse bilden die US-amerikanische Flugzeugträgerflotte. Quelle: dpa
Russland: Admiral KusnezowDie Admiral Kusnezow ist der einzige Flugzeugträger der russischen Seekriegsflotte und das zurzeit größte Schiff dieser Bauart, das nicht in den USA gebaut wurde. Es ist das Typschiff der nach ihr benannten Admiral-Kusnezow-Klasse. Vom Stapel lief das Schiff im Jahr 1985, insgesamt ist es 306 Meter lang und 71 Meter breit. Quelle: AP
Indien: VikramadityaDer russische Flugzeugträger “Admiral Gorschkow“ wurde für letztendlich 2,2 Milliarden Euro von Russland an Indien verkauft. Das Schiff wurde in Russland bis 2012 entsprechend den Anforderungen der indischen Marine umgebaut und am 2013 als Vikramaditya in Dienst gestellt. Die Virkamaditya erreichte ihren indischen Heimathafen im Bundesstaat Karnataka im Januar 2014 nach einer sechswöchigen Überfahrt. Das Schiff gehört zur Kiew-Klasse. Die Klasse war bis Mitte der 1990er-Jahre im Dienst der Sowjetunion und der Russischen Föderation. Quelle: dpa
Frankreich: Charles de GaulleDie Charles de Gaulle verfügt als einziger Flugzeugträger außerhalb der US Navy über einen Nuklearantrieb, sie das Flaggschiff der französischen Marine. Der Flugzeugträger ist das größte Schiff der französischen Marine, im Vergleich zu den von den USA eingesetzten Flugzeugträgern allerdings relativ klein. Sie ist 261 Meter lang, knapp 65 Meter breit und 75 Meter hoch. Bestückt ist sie in der Regel mit 40 Flugzeugen. Bei einer Einsatzdauer von sieben Tagen können maximal 100 Flüge pro Tag absolviert werden. Quelle: dpa
Italien: Giuseppe GaribaldiDas Flagschiff der italienischen Maschine heißt Giuseppe Garibaldi. Es wurde 1979 in Auftrag gegeben und sollte vorwiegend zur U-Boot-Jagd dienen. Das Flugdeck ist 173 Meter langen und 28 Meter breit. Der Start der Flugzeuge erfolgt über eine um 6,5 Grad ansteigende vordere Flugdeckrampe. Seit Ende 2012 nimmt die Garibaldi Flugzeuge nur noch auf, wenn der Flugzeugträger Cavour nicht verfügbar ist. Quelle: dpa
China: Liaoning (Admiral-Kusnezow-Klasse)Projekt 1143.5, von der Nato als Admiral-Kusnezow-Klasse bezeichnet, ist eine Klasse von Flugzeugträger der Sowjetischen- und Russischen Marine. Der Träger wurde noch im unfertigen Zustand im Jahr 2000 an China verkauft, und dort nach längerer Ausrüstungs- und Modernisierungsphase zwei Jahre später als Liaoning in Dienst gestellt. Es ist der erste Flugzeugträger der Marine der Volkrepublik. Die Gesamtkosten sollten bei umgerechnet 2,4 Milliarden US-Dollar liegen, wovon die Fertigstellung rund 500 Millionen Dollar kostete. Quelle: dpa
Deutschland: "Graf Zeppelin"Das 1:200-Modell zeigt den einzigen je gebauten deutschen Flugzeugträger “Graf Zeppelin“ im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven. Im Jahr 1938 lief “Graf Zeppelin“ vom Stapel. Das Schiff wurde jedoch nie zu Ende gebaut. Mit Hitlers Befehl vom 26. Januar 1943, sämtliche großen Kriegsschiffe außer Dienst zu stellen, erfolgte am 2. Februar 1943 der Baustopp. Eine Besonderheiten der Graf Zeppelin-Klasse waren die leistungsfähigen Flugzeugkatapulte. Andere Nationen hatten entweder keine Katapulte auf ihren Trägern oder nur solche mit geringer Leistung. Quelle: dpa
Großbritannien: HMS Ocean (L12) Die HMS Ocean (L12) wurde 1998 als erstes Schiff einer neuen Generation von amphibischen Angriffsschiffen für britische Marine in Dienst gestellt. Offiziell gehört sie zu der Klasse der Hubschrauberträger, könnte aber auch als Flugzeugträger für Senkrechtstarter eingesetzt werden. Großbritannien ließ sich die Maschine rund 300 Millionen US-Dollar kosten. Insgesamt bietet der britische Träger Platz für bis zu 22 Hubschrauber. Quelle: dpa
Spanien: Juan Carlos I. Das Flagschiff der spanischen Marine heißt Juan Carlos I. Das Mehrzweckkriegsschiff kann sowohl als Flugzeugträger wie auch als amphibisches Angriffsschiff eingesetzt werden. Das Flugdeck ist 202 m lang und hat einen Ski-Jump am Bug. Auf Juan Carlos gibt es sechs Landeflächen für Flugzeuge, insgesamt passen 20 Maschinen aufs Deck. Mit einer Verdrängung von rund 27.000 Tonnen ist die Juan Carlos I das größte Schiff in der Geschichte der spanischen Armada. Quelle: dpa
Australien: Canberra-KlasseDie Canberra-Klasse ist eine Klasse von zwei Helikopter-Docklandungsschiffen, die von der Royal Australian Navy eingesetzt wird. Die RAN ließ sich die Rümpfe hierfür, basierend auf der Juan Carlos I, aus Spanien liefern. Für den gesamten Bau ließen die Australier drei Milliarden australische Dollar springen. Die “Canberra“ wurde 2014 in Dienst gestellt. Die “HMAS“ Adelaide soll 2016 folgen. Quelle: dpa
Thailand: Chakri NaruebetDie HTMS Chakri Naruebet ist ein Multifunktionsträgerschiff der thailändischen Marine. Der Flugzeugträger wurde von 1994 bis 1997 auf der Bazán-Werft in Spanien gebaut. Das Schiff ähnelt dem spanischen Flugzeugträger Principe de Asturias. Insgesamt ist der Träger jedoch kleiner und verfügt über modernere Kommunikations- und Aufklärungssysteme. Er kann sowohl als Flugzeug- und Hubschrauberträger genutzt werden. Zudem dient die Chakri Naruebet für repräsentative Aufgaben und hat daher Räumlichkeiten für die königliche Familie an Bord. Quelle: dpa

Die Verlegung der Flugzeugträger-Gruppe sei ein Beweis dafür, dass die Invasionspläne der USA „eine ernste Phase“ erreicht hätten, hieß es in der Erklärung des nordkoreanischen Außenministeriums. Pjöngjang unterstellt den USA regelmäßig, durch die gemeinsamen Militärmanöver mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten, was beide Länder aber bestreiten. Nordkorea betrachtet die regelmäßig stattfindenden Manöver als Provokation.

Derzeit halten die Streitkräfte beider Länder ihre Frühjahrsmanöver in Südkorea ab, am Montag hatten gemeinsame Logistikübungen unter dem Codenamen „Operation Pacific Reach“ im Südosten begonnen. Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel steigen gewöhnlich während der Manöver. Südkoreas Militär habe allerdings bisher keine Anzeichen für ungewöhnliche Truppenbewegungen in Nordkorea beobachtet, sagte ein Sprecher des Generalstabs vor Journalisten.

Am Dienstag kamen nach Berichten südkoreanischer Sender in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang die Mitglieder der Obersten Volksversammlung zu ihrer Frühjahrssitzung zusammen. Die im Ausland auch als Scheinparlament bezeichnete Volksversammlung tritt nur ein- oder zweimal jährlich zusammen, um Beschlüsse der Staatsführung zu billigen.

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