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Nordkoreas Raketentest Ein weiterer Schritt zum Showdown zwischen Trump und Kim

Mit dem neuen Raketentest nähert sich Nordkorea seinem Ziel, eine globale Atommacht zu werden. Die USA müssen sich bald entscheiden: ein eigentlich undenkbarer Krieg oder ein extrem brüchiger Frieden. Ein Kommentar.

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Weiterhin keine direkten Gespräche zwischen beiden Staatsoberhäuptern – die Lage in Asien eskaliert weiter. Quelle: AP

Tokio Mit dem erneuten Test einer Langstreckenrakete hat Nordkorea am Mittwoch eines unterstrichen: Selbst von schärfsten Sanktionen wird sich das Regime um Führer Kim Jong Un kaum davon abbringen lassen, sich in eine wirkliche Atommacht mit globalem Bedrohungspotenzial zu verwandeln.

Die Auswertung der Flugbahn der Rakete dauert zwar noch an. Aber möglicherweise hat die Flugkörper sogar das Potenzial gehabt, die Ostküste der USA zu erreichen. Das Geschoss flog zwar nur 960 Kilometer weit, bevor sie rund 200 Kilometer vor der japanischen Küste ins Japanische Meer stürzte. Aber dafür lag der Scheitelpunkt des 50-minütigen Fluges mit 4500 Kilometern so hoch wie nie. Auf einer normalen Flugbahn könnte die Rakete damit 13.000 Kilometer weit fliegen, meinte der amerikanische Raketenexperte David Wright in einer ersten Schätzung.

Doch es gibt noch mehr Grund zu Beunruhigung als die geschätzte Reichweite. Die Rakete scheint zwar bei ihrem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zerbrochen zu sein. Aber einige Experten vermuten, dass Nordkoreas Militärs ohnehin weniger die Raketentechnik, sondern eher den Schutzschild testen wollten, der die Atomsprengköpfe vor dem Verglühen bewahrt. Dieser Test wäre damit eine wichtige Vorbereitung für einen angedrohten Test einer Atombombe irgendwo über dem Pazifik. Auch die Glaubwürdigkeit Nordkoreas als Atommacht hängt davon ab.

Damit würde Nordkorea die Eskalation des Konflikts mit den USA weiter auf die Stunde der Wahrheit zuspitzen: die offizielle Erklärung Kims, dass Nordkorea eine vollständige Atommacht ist. US-Präsident Donald Trump hatte wiederholt angedroht, er wolle Nordkorea nicht gestatten, die USA atomar bedrohen zu können. Damit würde Trump vor der Wahl stehen, entweder Nordkorea trotz seiner Drohung mehr oder wenig stillschweigend als Atommacht zu akzeptieren und eine neue Abschreckungspolitik zu etablieren oder Kims Regime durch Militärschläge zur atomaren Abrüstung zu zwingen.

In der Vergangenheit haben sich Militärs und Politik gegen die militärische Option ausgesprochen. Denn Experten haben Angst vor einem großen Krieg mit möglicherweise Millionen von Opfern in Nord- und Südkorea sowie in Japan. Aber der US-Präsident betont immer wieder, dass militärische Lösungen auf dem Tisch lägen. Die Schätzungen von Sicherheitsexperten für die Wahrscheinlichkeit eines wenigstens begrenzten Waffengangs schwanken daher zwischen 20 und 40 Prozent. Das wären schlechtere Chancen als beim Russisch Roulette.

Der Zeitpunkt für den Showdown zwischen Trump und Kim könnte bereits 2018 kommen, wenn Südkoreas Wiedervereinigungsminister Cho Myoung-gyon Recht behält. „Wir können die Möglichkeit nicht ausschließen, dass Nordkorea die Vollendung einer klaren Atomstreitkraft innerhalb eines Jahres ankündigt“, warnte er bereits am Dienstag in Seoul. Denn Nordkorea entwickle seine Atom- und Raketentechnik schneller als ursprünglich erwartet.

Ein Grund zur Eile könnten die Sanktionen sein, die inzwischen wirklich zu greifen scheinen. Schließlich mehren sich die Anzeichen, dass China seinen Schützling so harsch wie lange nicht bestraft. Westliche Bewohner Pjöngjangs berichten bereits seit längerem davon, dass selbst in der Hauptstadt das Benzin knapp wird. Zuletzt brach auch der Handel zwischen beiden Nationen ein.

Der russische Nordkorea-Experte Andrei Lankov glaubt sogar, dass China die bis zu 50.000 nordkoreanischen Gastarbeiter nach Hause schicken könnte. Dies wäre ein harter Schlag, da er die Deviseneinnahmen von Kims Elite empfindlich treffen würde. Aber Lankov glaubt, dass China auch zu diesem Schritt bereit ist.


„Maximaler“ Druck

Und der Sanktionsdruck nimmt noch weiter zu. Donald Trump hat bereits angekündigt, Nordkorea wieder auf die Liste der Schurkenstaaten zu setzen, die nach Ansicht der USA den Terrorismus fördern. Weitere Maßnahmen könnten jetzt folgen. Der Raketenstart ändere nichts an der Nordkorea-Politik der USA, sagt Trump. Und die sieht maximalen Druck auf allen Kanälen vor.

Seine Alliierten in der Region, Japan und Südkorea, gaben ihm Rückendeckung. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe erklärte, dass der Test absolut inakzeptabel sei und will den Druck auf Nordkorea „maximieren“. Japan wird eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates beantragen.

Südkorea feuerte als Antwort auf den Test umgehend mehrere Raketen ins Meer. Überdies bestärkten sich Südkoreas Präsident Moon Jae-in und Trump in der Politik, Nordkorea durch mehr Druck an den Verhandlungstisch zu bewegen. Dies erklärte wenigstens ein Sprecher der südkoreanischen Regierung.

Das hört sich erstmal gut an. Aber die Lage ist brisant. Nordkorea hat wiederholt deutlich gemacht, nur mit den USA über seine Vertretung bei den Vereinten Nationen sprechen zu wollen. Allerdings scheint sich das ohnehin kleine Fenster für Gespräche immer weiter zu schließen.

Nach seiner Kriegsrhetorik hatte Trump selbst zwar Anfang November auf seiner Asien-Reise gegenüber Nordkorea überraschend deutlich Gesprächsbereitschaft signalisiert. Aber gleichzeitig pfefferte er seine Rede vor dem südkoreanischen Parlament mit Beleidigungen der Diktatorenfamilie und griff massiv die Menschenrechtsverstöße Nordkoreas an.

Das konterkarierte das Dialogangebot. Denn wenn Nordkorea auf eines besonders allergisch reagiert, sind es Angriffe auf die wahrgenommene Ehre der Kim-Dynastie und des Landes. Die Reaktionen können harsch sein. Das stolze Regime schreckt ja nicht einmal davor zurück, seine Schutzmacht China zu brüskieren – so groß sind das Misstrauen der Nordkoreaner gegen die Supermacht im Wartestand und der Selbstbehauptungswille des Regimes.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, worüber beide Seiten eigentlich noch verhandeln wollen. Denn es ist schwer vorstellbar, dass ausgerechnet Nordkorea als erste Atommacht der Geschichte atomar abrüstet. Allenfalls ein Einfrieren des Programms scheint möglich, was wiederum für die USA schwer zu schlucken wäre.

Unglücklicherweise ist auch ein Entgegenkommen an Nordkorea schwierig. Denn wenn Kim ein Ende der feindlichen Politik der USA als Bedingung für Gespräche fordert, meint er eigentlich einen Abzug der US-Soldaten aus Südkorea. Und dies ist für die USA und seine asiatischen Alliierten inakzeptabel.

Es schlägt damit die Stunde für die Diplomatie. Verschärfte Sanktionen sind ein Muss, flankiert von Druck auf China als einen möglichen Hebel, Nordkorea an den Verhandlungstisch zu bewegen.

Aber im Fokus sollten dieses Mal auch die USA stehen. Denn eines schält sich immer klarer heraus: Die Entscheidung über einen eigentlich undenkbaren Krieg und einen brüchigen Frieden wird wahrscheinlich im Oval Office in Washington fallen. Solange Nordkorea seinen Weg zur Atommacht weiter geht, muss Trump letztlich entscheiden, wie die USA reagieren wollen. Und es wird eine harte Entscheidung werden, da es kein für alle Seiten befriedigendes Ergebnis gibt.

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