WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Notenbank Federal Reserve Verbraucher treiben US-Wirtschaft an

Im vergangenen Jahr wuchs das Bruttoinlandsprodukt der USA so kräftig wie zuletzt 2010. Der niedrige Ölpreis hat seinen Beitrag dazu geleistet, birgt aber auch Risiken. So verlor die US-Wirtschaft Ende 2014 an Tempo.

Amerikanische Flagge liegt auf Dollar-Notenschein Quelle: dpa

Die US-Wirtschaft ist in so guter Form wie lange nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im vergangenen Jahr mit 2,4 Prozent so kräftig wie zuletzt 2010. Getragen wird die Konjunktur vor allem von kauffreudigen Verbrauchern, wie aus den am Freitag vom Handelsministerium veröffentlichten Daten hervorgeht. Der niedrigere Ölpreis entlastet sie um viele Milliarden, weshalb die weltgrößte Volkswirtschaft in diesem Jahr noch schneller wachsen dürfte. Allerdings hat der rapide Preisverfall auch einen Nachteil: Viele große Ölfirmen aus den USA streichen ihre Investitionen zusammen und entlassen Mitarbeiter. Ein weiteres Risiko ist die Aufwertung des Dollar, die Waren im Ausland teuerer macht und so den Export dämpft.

"Der starke Konsum dürfte in den kommenden Quartalen für eine hohe Wachstumsdynamik sorgen", ist sich Ökonom Gennadiy Goldberg vom Brokerhaus TD Securities in New York sicher. Sein Optimismus wird vom Internationalen Währungsfonds geteilt. Demnach werden die USA in diesem Jahr eine der globalen Wachstumslokomotiven bleiben: Dann soll ein Plus von 3,6 Prozent herausspringen - mehr als in jedem anderen großen Industriestaat. Deutschland werden nur 1,3 Prozent zugetraut.

Allerdings verlor die US-Wirtschaft Ende 2014 überraschend deutlich an Schwung. Von Oktober bis Dezember stieg das BIP nur noch mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,6 Prozent und damit nur noch gut halb so stark wie im dritten Quartal. Hauptgrund: Die Investitionen der Unternehmen schrumpften so kräftig wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr, da die Ölbranche sich wegen des Preisverfalls zurückhielt. Der US-Konzern Schlumberger kündigte bereits den Abbau von 9000 Stellen an, während Chevron seine Investitionen im laufenden Jahr um 13 Prozent auf 35 Milliarden Dollar eindampfen will.

Der Ölfirmen Leid ist des Verbrauchers Freud: Sie müssen an den Zapfsäulen fast die Hälfte weniger für Benzin und Diesel hinblättern als noch im Juni 2014. Ihr Konsum legte deshalb am Jahresende so kräftig zu wie seit 2006 nicht mehr. Der private Konsum macht etwa 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung aus.

Die zehn wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

Gedämpft werden könnte der Aufschwung vom starken Dollar. Dadurch legten die Exporte Ende 2014 nur noch um 2,8 Prozent zu, die Importe dagegen drei Mal so schnell. Der schwächere Außenhandel dürfte für die Notenbank Fed ein Warnsignal sein, sagte BayernLB-Ökonom Johannes Mayr. Je höher die Zinsen steigen, desto attraktiver wird der Dollar für Anleger. In den vergangenen zwölf Monaten hat der Euro bereits rund 17 Prozent zum Dollar verloren. Google hat wegen ungünstiger Wechselkurseffekte zuletzt weniger verdient und umgesetzt als erwartet, da der Internet-Riese die Hälfte seiner Erlöse im Ausland erwirtschaftet. Finanzchef Patrick Pichette sprach von einem Umsatzanstieg "trotz eines starken Gegenwinds" durch die Währungseffekte.

Wegen der guten Wirtschaftslage dürfte die US-Notenbank im Laufe des Jahres ihren Leitzins anheben. Experten rechnen im Sommer mit diesem Schritt. Seit Ende 2008 liegen die Zinsen nahe null Prozent - eine Reaktion auf die globale Finanzkrise. Notenbanker James Bullard warnte nun aber davor, mit einem ersten Schritt zu lange zu zögern. Ansonsten müsse der Zins später umso aggressiver angehoben werden, sagte er dem Sender Bloomberg TV.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%