Nuklear-Abkommen Die Neinsager

Die Hardliner in Washington und Jerusalem haben gute Argumente – und trotzdem wahrscheinlich unrecht: Ohne Abkommen käme die iranische Bombe auf jeden Fall.

Flagge der Internationalen Atomenergeie-Behörde Quelle: dpa

Nur Nuklearexperten wissen, ob 6, 6000 oder 600.000 Uranzentrifugen eine Gefahr sind. Das macht die Diskussion um das Iran-Abkommen nicht leichter. Es geht aber auch um etwas, von dem Ökonomen mehr verstehen als Atomphysiker: Vertrauen.

Kaum einer glaubt heutzutage, die USA würden je ihr riesiges Atomwaffenpotenzial einsetzen. Selbst in Kiew fürchtet keiner Putins Atombomben, und auch das israelische Nuklearpotenzial scheint nur Günter Grass richtig Angst zu machen. Beim Iran ist das anders, und Teile des Regimes tun alles, damit das so bleibt. Warum auch sonst hat der prominente General Qasem Soleimani gerade jetzt mitgeteilt, das Ziel der Vernichtung Israels sei für sein Land nicht verhandelbar? Soleimani ist ein sogenannter Revolutionswächter, gehört also einer Elite an, deren Chefs durch Schmuggel gerade dank der Sanktionen reich geworden sind.

Auf der Gegenseite erfahren die Israelis von ihrem Verteidigungsminister Mosche Jaalon, das neue Abkommen sei auf jeden Fall schlecht, weil es den Iran wirtschaftlich stärkt – und der stecke ja all sein Geld in den antiisraelischen und antiwestlichen Terrorismus. Dass Wohlstand politische Mäßigung fördern könnte, kommt dem General a. D. Jaalon nicht in den Sinn.

Wahrscheinlich würden sich die beiden Todfeinde ganz gut verstehen, wenn sie sich träfen. Die machtpolitische Frage ist aber, wie viele Senatoren in Washington sich aus Hass auf Präsident Obama, aus allgemein kriegerischer Gesinnung oder aus falsch verstandener Freundschaft mit Israel mit den Suleimanis und Jaalons auf eine Stufe stellen. Vertrauen wir darauf, dass es nur wenige sind!

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